So seh ich es
Schlag nach bei Schumpeter

Die Krise zeigt uns, dass die Globalisierung in den Finanzmärkten dramatische Fehlentwicklungen zugelassen hat, die durch neue Regelsysteme beseitigt werden müssen. Doch während der Finanzmarkt eine effektivere Aufsicht fordert, leidet der Gütermarkt unter Protektionismus und Überregulierung. Diese Unterscheidung ist wichtig.
  • 0

Die europäischen Staaten, allen voran Frankreich und Deutschland, haben verstanden, dass ihnen eine gemeinsame Verantwortung zufällt, wieder Vertrauen und Zuversicht in das Finanzsystem zu bringen. Um dies zu erreichen, muss geklotzt statt gekleckert werden. Damit stellt Europa abermals seine wachsende globale Bedeutung unter Beweis. So bringt die Krise auch Gutes hervor und zeigt, dass Europa in der Lage ist, wenn nötig mit einer Stimme zu sprechen.

Wir sollten uns daran erinnern, dass im Zeitalter der Globalisierung konzertierte Aktionen wie diese besonders wichtig sind, um der Stimme Europas mehr Gewicht zu verleihen. Die USA verfolgen das sehr aufmerksam, wie ich gerade in Washington feststellen konnte. So titelte die Washington Post vom Montag auf Seite eins: " Europa vereint in der Schlacht zur Rettung der Finanzsysteme."

Mit den beherzten Beschlüssen vom Wochenende hat die Bundesregierung der Ungewissheit im Finanzsektor endgültig den Kampf angesagt. Gewiss, die hohen Summen werden von der Bevölkerung sehr viel kritischer aufgenommen als von der erfreuten Finanzwelt. Dass die Steuerzahler, die im Falle eines Falles für die Bürgschaften geradestehen müssen, über die Krise hochgradig verärgert sind, ist nur allzu verständlich. Missbilligt wird natürlich, dass auf diese Weise die verantwortlichen Banken unweigerlich vor den härtesten Konsequenzen geschützt werden, und zwar mit Hilfe von Steuergeldern unschuldiger Bürger. Doch gerade um die unschuldigen Bürger vor noch größerem Schaden zu bewahren, gibt es keine Alternative zur Rettungsgarantie.

Diese Zwangslage quittieren viele Bürger mit Enttäuschung und Kritik am gesamten Wirtschaftssystem. Das ist emotional nachvollziehbar. Es gibt zudem politische Kräfte, die jetzt leichtes Spiel haben - Propheten, die schon immer vor den bösen Fratzen des Kapitalismus gewarnt haben. Selbst für seriöse Wirtschaftswissenschaftler wie den Nobelpreisträger von 2001, Joseph Stiglitz, ist die Versuchung, diese Grundstimmung für seine Globalisierungs- und Kapitalismuskritik zu nutzen, offenbar zu groß.

Seine Äußerung, die aktuelle Finanzkrise sei für den Marktfundamentalismus das, was der Fall der Berliner Mauer für den Kommunismus gewesen ist, suggeriert jedenfalls ein generelles Versagen des marktwirtschaftlichen Systems und verheißt das bevorstehende Ende des Kapitalismus. Mit solchen Analogien kann unser Wirtschaftssystem das Vertrauen der Menschen wohl kaum zurückgewinnen. Man soll jetzt - so bekanntlich ein altes Sprichwort - das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.

Seite 1:

Schlag nach bei Schumpeter

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%