So seh ich es
Schlagwort oder Konzept

60 Jahre nach ihrer Erfindung durch Bundeskanzler Ludwig Erhard hat die Soziale Marktwirtschaft nichts an ihrer Aktualität und Brisanz eingebüßt. Auch heute noch fehlt der Begriff in keiner politischen Grundsatzrede. Doch was steckt eigentlich hinter der Worthülse? Ein Plädoyer für eine dynamisierte Soziale Marktwirtschaft.
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HB. Von allen relevanten Parteien der Bundesrepublik werden Besitzansprüche und Bekenntnisse zum erfolgreichen Modell der Sozialen Marktwirtschaft angemeldet und abgegeben. Dennoch steht es weder im Grundgesetz, noch findet sich irgendein explizites Manifest darüber, aus dem man vollkommen eindeutig und über jeden Zweifel erhaben zeigen und nachweisen könnte, was genau die Politik denn im Sinne der Sozialen Marktwirtschaft zu tun hätte.

Zwar fehlt der Begriff "Soziale Marktwirtschaft" in keiner Grundsatzrede, doch geht man inhaltlich meist nicht so sehr in die Tiefe, erörtert weniger seine theoretischen und historischen Hintergründe, sondern verwendet "sozial" und "Marktwirtschaft" eher als separate Schlagwörter. Bekanntlich stürzen sich dabei linksorientierte Politiker hauptsächlich auf das Wort sozial, wirtschaftsliberale hingegen auf das Wort Marktwirtschaft. Die einen verbinden damit eine Verpflichtung zu einer umfangreichen sozialstaatlichen Rundumversicherung, die anderen große unternehmerische Freiheiten und einen schwachen Staat.

Doch was steckt eigentlich wirklich hinter dem Begriff? Das 60-jährige Jubiläum der Sozialen Marktwirtschaft sollte ein Anlass sein, die Konturen des Leitbilds klarer zu zeichnen.

Nur so lässt sich logischerweise auch einschätzen, wie eine aktuelle Politik, die diesem Maßstab gerecht wird, aktuell aussehen müsste. Gefordert wird dies ja von allen Seiten immer wieder.

Wenn sich alle zur Sozialen Marktwirtschaft bekennen, so könnte sie zudem der Schlüssel für einen notwendigen überparteilichen Konsens sein. Ich halte es zum Zwecke einer Klarstellung für sinnvoll und sogar für unumgänglich, sich mit dem Gedankengut Ludwig Erhards wieder gründlich auseinanderzusetzen. Niemand ist mit dem deutschen Sondermodell enger verbunden als der damalige Wirtschaftsminister und spätere Kanzler.

Zwar war Erhard Mitglied der CDU, doch er war kein Parteisoldat und hätte das Wohl der Partei niemals über das Wohl des Volkes gestellt. Sozialdemokraten und Liberale haben deshalb zu Recht auch wenig Berührungsängste gegenüber der Galionsfigur des deutschen Wirtschaftswunders. Erhard schrieb nicht direkt das, was man ein Manifest der Sozialen Marktwirtschaft nennen könnte.

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