So seh ich es
Tarifabschluss mit Augenmaß

Der Tarifabschluss der Metaller hat in der Wirtschaft viel Kritik ausgelöst. Ist die pauschale Erhöhung der Löhne aus ökonomischer Sicht vernünftig? Es wird sich noch zeigen, wie verkraftbar der Abschluss ist, gerade für zahlreiche, meist kleinere Betriebe.

Zwar kann niemand leugnen, dass die Konjunktur robust und nachhaltig ist, doch sehen die meisten Kommentatoren und Experten darin keinen ökonomisch vernünftigen Grund, die Löhne der Metaller pauschal um zunächst 4,1 Prozent und im nächsten Jahr um 1,7 Prozent zuzüglich eines Konjunkturbonus von 0,7 Prozent anzuheben.

Nun sollte man aber einsehen, dass die tatsächliche Lohnzurückhaltung der letzten Jahre bei den Gewerkschaften nicht auf Ewigkeit bestehen kann. Kann man der IG Metall in der momentanen Situation tatsächlich vorhalten, dass sie mit einer über die Gesamtlaufzeit berechneten jährlichen Lohnsteigerung von gut 3,3 Prozent den Verteilungsspielraum, der wahrscheinlich sogar noch etwas höher lag, voll ausgeschöpft hat?

Zudem ist ein Streik, der in der momentanen konjunkturellen Lage besonders belastend gewesen wäre, ausgeblieben. Ist der Abschluss also wirklich schlechter, als man erwarten durfte?

Gewiss, es gibt nach wie vor die Problematik, die sich mit einer generellen Erhöhung der Löhne und damit eines wesentlichen Kostenblocks in den Unternehmen verbindet. Kann die Kostenerhöhung nicht innerhalb des Unternehmens aufgefangen und auch nicht über die Preise an die Kunden weitergegeben werden, droht der Verlust von Arbeitsplätzen. Von einem zu hohen Tarifabschluss wären deshalb diejenigen Betriebe besonders bedroht, die schon zuvor scharf kalkulieren mussten.

Hier wird sich noch zeigen, wie verkraftbar der Abschluss gerade für zahlreiche, meist kleinere Betriebe ist, die keinen Einfluss auf die Verhandlungen hatten. In einem Land, das trotz der erfreulichen aktuellen Entwicklung über Massenarbeitslosigkeit klagt, wiegt dieser Zusammenhang selbstverständlich schwer. Doch sollte man fairerweise Folgendes bedenken.

Zum einen können weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer ein Interesse an der Auflösung des Flächentarifvertrages haben. Doch liegt es nun einmal im Wesen eines Flächentarifvertrages, dass er nicht die individuelle Situation jedes einzelnen Betriebes berücksichtigt.

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