So seh ich es
Überzeugen, nicht tricksen

"Die Einführung der 40-Stunden-Woche hat einen wesentlich höheren Wachstumseffekt als die Streichung eines Feiertags."

Schon vor den neuen Steuerschätzungen wusste man, dass sich das Finanzfiasko vergrößern wird. Denn wenn das Beschäftigungsvolumen nicht wächst, die Betriebe mit ihren Mitarbeitern Nullrunden vereinbaren und bei steigenden Ölpreisen der Mineralölverbrauch zurückgeht, werden die Steuereinnahmen knapp, und das Wirtschaftswachstum wird im nächsten Jahr sinken. Der Finanzminister muss die Notbremse ziehen. Den Maastricht- Vertrag zur Einhaltung der Stabilität wird er ohnehin nicht einhalten können. Nach der kräftigen Erhöhung des Schuldenberges in diesem Jahr ist auch hier jede Grenze erreicht.

Jetzt finden die hektischen Blitzaktionen bei der Suche nach Möglichkeiten zu Einsparungen und der Einsammlung letzter Reserven statt, um die düstere Lage etwas zu verbessern. Natürlich schreiben die Fachbeamten jede denkbare Lösung auf. Und auch der Minister greift nach jedem Strohhalm, der besseres Wachstum oder weniger Ausgaben in Aussicht stellt.

So kam man auch auf die Idee, einfach einen Feiertag zu streichen. Dahinter steckte wohl die Überlegung, dass auch in diesem Jahr ein Teil des Wirtschaftswachstums (etwa 0,4 bis 0,5 Prozent) dadurch entsteht, dass zufällig Feiertage auf das Wochenende fallen. Die Bürger haben das problemlos überlebt. Folglich dachten sich einige schlaue Mitarbeiter, dies zur Regel zu machen.

Nun gibt es nur zwei Feiertage, über die der Bund alleine bestimmen darf und dabei vom Bundesrat nicht blockiert werden kann: den Tag der deutschen Einheit und den 1. Mai. Der 1. Mai als Tag der Arbeit fällt im nächsten Jahr bedauerlicherweise auf einen Sonntag, hätte also außer einem lauten Gelächter gar nichts gebracht.

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