So seh ich es
Verborgene Schätze heben

Vom Sparen ist dieser Tage viel zu hören - von Steuern, Sozialversicherungen und Haushaltssanierung. Dafür kündigt die frisch gebackene Bundeskanzlerin vollkommen zu Recht Belastungen für alle an.

Auch vom Abbau der Arbeitslosigkeit ist selbstverständlich wieder die Rede. Angela Merkel tut es ihrem Vorgänger Gerhard Schröder gleich und will sich am Erfolg bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit messen lassen. Das ist anständig, aber nach Feststellung der schwierigen Problemlage sicherlich nicht weniger gewagt als das bekannte Statement von Schröder bei seinem Amtsantritt.

Von der Binnenkonjunktur ist ebenfalls häufig zu hören. Die Binnennachfrage sei schwach und verhindere die Wachstumsraten, die für Impulse auf dem Arbeitsmarkt notwendig wären. Mit Sparen und Mehrwertsteuererhöhung - sagen die Kritiker - lasse sich die Binnenkonjunktur nicht beleben.

Was die unbeirrbaren Verfechter all dieser Binsenweisheit dabei vergessen, ist, dass die Spielräume für ihre Rezepte längst verspielt wurden. Und sie vergessen ebenfalls, dass nicht zuletzt ihr konjunkturpolitisches Dogma, das den Konsum als die entscheidende volkswirtschaftliche Größe proklamiert, eine Hauptrolle im Verdrängungsprozess notwendiger Reformen gespielt hat. Über Staatsverschuldung und den Aufbau von Regulierungsbürokratie wurden die politischen und wirtschaftlichen Spielräume Stück für Stück aufgefressen. Jetzt geht es an die Substanz. Von groß angelegten Verkäufen des Bundesvermögens ist die Rede - 54 Milliarden Euro sollen bis 2009 durch den Verkauf von Aktienpaketen und Immobilien in die leeren Staatskassen fließen.

Sparen und die Aktivierung von Vermögen sind sehr wohl notwendig. Aber reicht es auf Dauer auch aus? Ich glaube nicht. Entscheidend wird sein, ob wir auch neue volkswirtschaftliche Substanz schaffen können. Und da ist Alarmstufe Rot angezeigt.

Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung McKinsey zum Thema Technologiestandort Europa zeigt, dass Europa als Weltregion längst begonnen hat, von seiner Substanz zu leben, ohne gleichzeitig vorausschauend für neue zu sorgen. Dem erschreckenden Urteil von McKinsey zufolge scheint der Auflösungsprozess schon sehr weit fortgeschritten zu sein: Geht die begonnene Entwicklung so weiter, spielt in zehn Jahren die europäische High-Tech-Industrie keine Rolle mehr, heißt es in der Untersuchung. Nur noch 17 Prozent der 336 weltweit erfolgreichsten High-Tech-Unternehmen kommen aus Europa. Lediglich drei Umsatzmilliardäre habe der gesamte Kontinent im betrachteten Segment zu bieten. Einer davon kommt aus Deutschland. Die USA, die das Feld nach wie vor klar anführen, haben fast fünfmal so viele wie Europa.

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