So seh ich es
Wir brauchen wieder Vertrauen

Die Finanzkrise zeigt, dass eine intransparente Verquickung globaler Finanzgeschäfte Risiken produziert, die offensichtlich weder das jeweilige Management noch die zuständigen Aufsichts- und Kontrollgremien zu beherrschen wissen. Die Vermutung lieht nahe, das System habe versagt. Sicher ist, dass der Staat einen neuen Ordnungsrahmen für die Finanzmärkte in die Marktwirtschaft einziehen muss.
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Die Finanzkrise beschert uns täglich neue Hiobsbotschaften. Die Vereinigten Staaten sind durch mehrere Bankenpleiten stark in Mitleidenschaft gezogen, in Großbritannien wurden die ersten Institute verstaatlicht, und auch in Deutschland ist der Handlungsbedarf in den letzten Tagen, etwa bei der Stützung der Hypo Real Estate, weiter gestiegen. Der Kreditfluss unter den Banken, die unerschöpfliche Energiequelle des Kapitalismus, versiegt plötzlich und droht den wirtschaftlichen Wachstumsmotor lahmzulegen.

Wer schon immer vor den Ungerechtigkeiten und Gefahren des kapitalistischen Systems gewarnt hat, sieht hierin nun den Anfang der prophezeiten Dauerkrise, der die Überführung in ein alternatives Wirtschaftssystem folgen müsse. Weniger grundsätzliche Kritiker sehen sich in ihren Warnungen vor der Zügellosigkeit eines globalen Finanzsystems bestätigt. Wer kann ihnen da heute gegenübertreten und noch behaupten, das sei eine übertriebene Skepsis?

Die Finanzkrise zeigt, dass eine intransparente Verquickung globaler Finanzgeschäfte Risiken produziert, die offensichtlich weder das jeweilige Management noch die zuständigen Aufsichts- und Kontrollgremien zu beherrschen wissen. Da sich die Akteure jedoch im Rahmen des rechtlich Möglichen bewegten, liegt die Schlussfolgerung nahe, das System habe versagt.

Nun sollte man meines Erachtens nicht so weit gehen, den Kapitalismus per se mit diesen Auswüchsen gleichzusetzen, und gar seine Ablösung fordern – zumal es keine denkbare globale Alternative gibt. Unerlässlich ist allerdings eine Korrektur der bestehenden Rahmenbedingungen. So werden wir wieder engere Spielregeln akzeptieren müssen. Sie sollten zwar einen innovativen Wettbewerb von Finanzprodukten und Banken nach wie vor erlauben. Aber gleichzeitig müssen sie den kapitalistischen Fantasien vom leicht verdienten großen Geld klare Grenzen setzen. Selbstkontrolle reicht hier allein nicht aus. Die Akteure werden immer dazu neigen, das Mögliche auszuloten. Und auch die zwischenzeitlich eher unkritisch behandelten Ratingagenturen haben sich hier als nicht ausreichende marktwirtschaftliche Kontrolle erwiesen.

Vor diesem Hintergrund muss sich der Staat in der aktuellen Situation als letzte Kontrollinstanz zeigen, damit die Bürger wieder das fundamental notwendige Vertrauen in ein funktionstüchtiges System gewinnen. Vertrauen ist die Schlüsselgröße für marktwirtschaftliche und insbesondere für finanzmarktliche Prozesse. Ohne das Vertrauen der Bürger verliert das gesamte System seine gepriesene Überlegenheit.

Es ist daher dringend geboten, nicht darauf zu warten, bis die Menschen vor den Toren der Banken stehen, um ihr Geld in Sicherheit zu bringen. Der verbliebene Bodensatz an Vertrauen, das der Staat genießt, muss nun genutzt werden, um wieder ein ausreichendes Maß an Sicherheit auf den Finanzmärkten herzustellen. Es ist kein Geheimnis, dass auch der Staat bei seinen eigenen Finanzinstituten die Krisen nicht vermieden hat. Das entbindet ihn jedoch nicht von der Pflicht, jetzt zur Verhinderung von Schlimmerem notfalls massiv in die Privatwirtschaft einzugreifen.

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