So seh ich es
Wirtschaft gehört zur Allgemeinbildung

Damit sich Jugendliche später ihren Wünschen und Fähigkeiten entsprechend entwicklen können, vermitteln Schulen Sprachkenntnisse, naturwissenschaftliches Wissen sowie musische und sozialwissenschaftliche Grundkenntnisse. Ein Bereich wird aber systematisch vernachlässigt: die Wirtschaft. Wir müssen der ökonomischen Bildungslücke endlich den Kampf ansagen
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In meiner Generation war es noch üblich, seine Kinder zum Lernen zu motivieren, indem man ihnen Ansagen in folgender Art machte: "Du lernst nicht für mich und schon gar nicht für die Lehrer, sondern du lernst für dich, für dein Leben."

Lernen fürs Leben, das ist sicher eine Weisheit, die in der heutigen Zeit eher noch an Gültigkeit dazugewonnen hat. Jugendliche konnte man freilich damit noch nie sonderlich begeistern. Trotzdem sollte das Schulsystem so ausgerichtet sein, dass die Heranwachsenden dort mit einer Allgemeinbildung ausgestattet werden, die es ihnen erlaubt, sich später ihren Wünschen und Fähigkeiten entsprechend in unserer Gesellschaft zu entfalten. Die Schulen vermitteln dazu Sprachkenntnisse, naturwissenschaftliches Wissen sowie musische und sozialwissenschaftliche Grundkenntnisse. Ein Bereich ist aber systematisch unterbelichtet: die Wirtschaft.

Oft bin ich an Schulen und Universitäten und diskutiere dort mit Schülern und Lehrern. Dabei fällt mir auf, dass im Allgemeinen ein recht verschwommenes Bild von Unternehmern und wirtschaftlichen Zusammenhängen herrscht. Wie funktioniert Marktwirtschaft? Was begründet unseren Wohlstand? Was wird in der Wirtschaft erwartet, wie muss und kann man sich einbringen? Und wo lauern Gefahren? Welche davon kann man meiden, auf welche Risiken muss man sich einlassen?

Das alles sind existenzielle Fragen, die heute Menschen spätestens im Erwachsenenalter beantworten können sollten, damit sie sich in der modernen Welt überhaupt vernünftig orientieren und zum eigenen Wohl sowie zum Wohl der Gesellschaft ein Höchstmaß an Eigenverantwortung übernehmen können. Doch wo lernen sie, diese heutzutage so wichtigen wirtschaftlichen Zusammenhänge halbwegs zu durchschauen? In der Schule jedenfalls nur selten.

Meine Sorge ist nicht rein subjektiver Natur. Sie wird leider auch von vielen Bildungsexperten geteilt. Hans Kaminski, Professor für Wirtschaftswissenschaften und Didaktik an der Universität Oldenburg, etwa meint: "Ökonomische Bildung findet in Schulen nur zufällig, nicht systematisch statt." Kaminski vermutet dahinter eine ideologische Grundeinstellung, wonach sich Deutschlands allgemeinbildende Schulen für wirtschaftliches Wissen zu fein seien und das gerne in die Verantwortung von berufsbildenden Schulen sowie von Unternehmen schöben. Da mag wohl etwas dran sein. Das Humboldt?sche Bildungsideal prägt noch immer die deutsche Bildungslandschaft und lässt einem Fach, das etwas mit Geldverdienen zu tun hat, keine Chance, in den obligatorischen Fächerkanon deutscher Schulen aufgenommen zu werden.

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