So seh ich es
Zuversicht

Es ist eine Illusion zu glauben, dass Deutschland die Finanzkrise überstehen wird, nur weil es noch keine spürbaren Auswirkungen auf die Realwirtschaft gibt. Was also ist zu tun? Wenn mit ökonomischen Folgen in Deutschland zu rechnen ist, so sollten bereits fiskalpolitische Pläne ausgearbeitet werden, mit denen der Staat der wegbrechenden Nachfrage sofort begegnen kann.
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Das Verhalten des Finanzministers, der trotz der augenscheinlichen Unaufrichtigkeit der Hypo Real Estate an dem Rettungsversuch festhielt und eine Aufstockung der Bürgschaften seitens des privaten Bankensektors erwirkte, war richtig. Der Schlussakt der deutschen Finanzkrise wird dies allerdings nicht sein. Die Ereignisse am vergangenen Wochenende, namentlich die Rettung Nummer zwei der Hypo Real Estate, haben gezeigt, dass man sich derzeit ganz und gar nicht darauf verlassen kann, das wirkliche Ausmaß der Finanzkrise bereits erfasst zu haben.

Wir sollten deshalb nicht den Fehler machen, mit beruhigenden Einschätzungen den Wahrheiten immer nur einen Schritt hinterher zu hinken. Es war eine Illusion zu glauben, die Finanzkrise der USA würde uns bestenfalls ein bisschen streifen, weil Deutschlands Bankensystem weniger anfällig ist.

Man geht davon aus, dass circa die Hälfte der jetzt als faul bezeichneten US-Kredite an das Ausland weitergereicht wurden, viele davon nach Europa. Es gilt daher als sicher, dass auch hierzulande noch einiges in den Büchern der Banken schlummert. Nur so erklärt sich ja auch das fatale Misstrauen der Banken untereinander. Es werden uns in den nächsten Wochen und Monaten noch weitere schlechte Nachrichten erreichen.

Es ist ebenso eine Illusion zu glauben, nur weil es in Deutschland bislang noch keine spürbaren Auswirkungen auf die Realwirtschaft gibt, könnten wir weitgehend unbeschadet davonkommen. Man kann Bundesfinanzminister Steinbrück verstehen, wenn er mit dem Hinweis auf die bislang ausbleibenden Effekte die Emotionen beruhigen will. Doch die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, was die Börsenkurse schon andeuten: Produzierende Unternehmen werden die Gewinnerwartungen nach unten korrigieren müssen. Das lässt sich bereits absehen.

Die Finanzkrise erfährt ihre gefährliche Ausprägung letzten Endes erst durch den fortschreitenden Vertrauensverlust. Eine wirksame Gegenstrategie muss sich daher auf einen Vertrauensaufbau richten. Es war gut, dass die Bundeskanzlerin in dieser Situation den Sparern eine Sicherungsgarantie ausgesprochen hat. Jetzt müssen weitere Maßnahmen folgen.

Wer Ludwig Erhards Worte „Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie“ für Nostalgie hielt, kann jetzt eindrucksvoll ihre Gültigkeit erleben. Man sollte vor diesem Hintergrund unbedingt der Stimmung entgegenwirken, dass wir immer tiefer in einen dunklen Tunnel ohne Ausgang fahren. Der Ausgang wird mit Sicherheit kommen. Es muss jetzt aber das Licht am Ende des Tunnels sichtbar werden.

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