So sehe ich es: Die Welt für die junge Generation

So sehe ich es
Die Welt für die junge Generation

Die Institution Familie besitzt für die Entwicklung einer Gesellschaft eine zentrale Rolle. Sie ist nach wie vor der Garant für deren Erhalt. Dennoch ist sie vom Aussterben bedroht. Für die gewünschte Verlässlichkeit in den Lebenswelten der jungen kann der anonyme Staat allein nicht sorgen. Hier sind die Gemeinden gefordert.

Mit Ursula von der Leyen hat Deutschland eine starke Familienministerin, die nicht nur Karriere gemacht, sondern zugleich ihr Soll an Kindererziehung weit übererfüllt hat. Diese ungewöhnliche Biografie steht seit ihrer Ernennung in das hohe Amt nun beispielhaft für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und weil sie Mitglied der Union ist, steht sie auch noch symbolisch für eine Weiterentwicklung des konservativen Frauenbildes. Das allein birgt schon einigen Sprengstoff.

Die Zündschnur legte eine kürzlich erschienene Vergleichsstudie des Kinderhilfswerks Unicef. Dort hieß es, Deutschland sei nur Mittelmaß, wenn es darum gehe, "verlässliche Lebenswelten für die junge Generation zu schaffen". Besonders auffällig ist, dass Deutschland bei Investitionen in die frühkindliche Betreuung den letzten Platz im Ranking von 21 Industrieländern einnimmt.

Von der Leyens Initiative, die Zahl der Krippenplätze für Kinder unter drei Jahren bis 2013 auf 750 000 zu verdreifachen, kann unter dem Eindruck dieses Rankings wohl so falsch nicht sein. Doch es dürfte ebenso klar sein, dass damit allein noch keine verlässlichen Lebenswelten für die junge Generation geschaffen werden.

Wir Deutschen sollten uns klar darüber sein, dass die nun schwarz auf weiß bestätigten Defizite in der Kinderfreundlichkeit unserer Gesellschaft kein Schwarzer Peter ist, den wir einfach der Politik zuschieben können. Hier ist die Gesellschaft als Ganze verantwortlich. Jeder Bürger sollte sich fragen, wie er zum Nachwuchs steht und was er dazu beitragen kann, den beklagten Zustand zu verbessern.

Die Institution Familie besitzt für die Entwicklung einer Gesellschaft eine zentrale Rolle. Sie ist nach wie vor der Garant für deren Erhalt. Eine Gesellschaft kann dauerhaft nur so gut sein, wie die Wertevermittlung an ihren Nachwuchs funktioniert. Und dazu braucht es intakte Familien. Die Institution Familie unterliegt aber schon lange einem Wandel, den man nicht ignorieren und auch nicht rückgängig machen kann. Die Herausforderung unserer Zeit besteht nun darin, die Familie unter dem Anspruch, den die Gesellschaft in wirtschaftlicher Hinsicht an seine Bürger richtet, noch lebbar zu machen.

Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass viele Frauen sich im Zwiespalt zwischen beruflicher Karriere sowie Hausfrau- und Muttertätigkeit für den Beruf entscheiden. Zum einen wird den Frauen hier mehr Anerkennung zuteil. Zum anderen sind auch viele Männer nicht mehr bereit, sich so einzuschränken, wie es notwendig wäre, wenn man außer sich selbst noch Frau und Kinder versorgen muss.

In der Wahrnehmung unserer Gesellschaft sind Kinder deshalb scheinbar mehr und mehr zum Privatvergnügen geworden. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte hat sich die Gesellschaft aus der Nachwuchsthematik Zug um Zug zurückgezogen. Die Gründung eines Familienministeriums als diejenige staatliche Adresse, der man die zunehmenden Probleme zuordnen kann, war kein Zeichen für eine erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber der Keimzelle Familie. Sie war vielmehr das Eingeständnis, dass die Familie eine vom Aussterben bedrohte Spezies ist und einen Anwalt benötigt.

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