So sieht's aus...
Sekretärinnen - die Dinosaurier der Arbeitswelt

Die Nachricht klingt abstrus: Manager brauchen Ihre Sekretärin nicht mehr, heißt es in einer Studie. Käme sie nicht vom Institut der deutschen Wirtschaft, hätte man an Wichtigtuer geglaubt. Die, denen es nur ums Auffallen geht, egal wie. Jedoch: In sieben europäischen Ländern hatte UPS Business Monitor 1 452 Führungskräfte befragt und die jagten - verbal - in ganz überwältigender Mehrheit ihre Vorzimmerdame zum Teufel. Gerade mal jeder Fünfte hält sie noch für unentbehrlich, heißt es.

Ich frage mich: Was müssen diese Frauen ihren Chefs angetan haben? Wie müssen sie sich Tag für Tag aufführen, dass solch ein Ergebnis zu Stande kommen kann? Wer sich in so einer Position unentbehrlich machen will, dem sollte das doch immer gelingen, behaupte ich. Bei wie vielen Dingen ist man dankbar, Unterstützung zu bekommen. Und je mehr eine gute Sekretärin macht und das auch noch gut, umso wichtiger wird sie. Basta. Ich erinnere mich an Zeiten, in denen jeder Vorgesetzte erpicht war auf so ein Statussymbol - das eigene Vorzimmer mit Sekretärin. Und wie selbstverständlich laut bekannte: Ohne Fräulein Rehbein oderwieauchimmer bin ich aufgeschmissen. Umgekehrt gab es in jedem Unternehmen Sekretariate, bei denen nur die Sekretärin entschied, wer zum Chef vordringen darf und wer nicht. Oder welchen Flurfunk er kennen muss. Aus und vorbei.

Ich frage mich: Will keine mehr guter Geist sein? Am Gehalt kann's nicht liegen. Dass Top-Sekretärinnen locker mehr verdienen als ein Sachbearbeiter mit Studium ist bekannt.

Vielleicht sind es ja auch gar nicht die Top-Sekretärinnen, die nicht mehr gewollt sind, sondern diejenigen, die nicht ganz so hoch geklettert sind. Diejenigen, die ihren Job als Serviceleister nie inhaliert haben. Schon der Gedanke Dienstleister zu sein, ist vielen immer fremd geblieben. Wer ihre heiligen Hallen betritt, stört - kommt er doch mit Arbeit. Besser gar nicht erst das Privatgespräch beenden oder sich gar nicht erst zum Hereintretenden hinwenden. Unausgesprochener Konsens ist: Besser 20 Minuten über eine Aufgabe diskutieren, als sie in zehn Minuten erledigen.

Eine Erklärung liefert ein anderes Fazit in derselben Studie: Ausgerechnet der seelenlose Computer ist es, der die Damen ausgestochen hat. Die Computer, die abstürzen, auf deren Konto schlechte Augen gehen wegen des flimmernden Bildschirms, die Computer, auf die man ewig warten muss, bis sie endlich eine Datei öffnen. 81 Prozent der befragten Top-Leute wollen ihn unter keinen Umständen mehr hergeben.

Für Interpretationen ist viel Raum: Das sei der Abschied vom Macho-Dasein, glaubt mein Kollege. Und zwar derjenigen Männer, die grundsätzlich nichts selbst machten - vom Kaffee holen bis zum direkten Annehmen eines Anrufs. Allein schon um ihre Machtposition zu demonstrieren.

Ich fürchte aber, so einfach ist es nicht. Klammheimlich haben sich die Vorzimmerdrachen gefreut, dass die Chefs nun auch zum Computerkurs mussten. Dass plötzlich ein großer Teil der Unternehmenskommunikation an ihnen vorbei durchs Netz und direkt zum Chef saust, hatten sie einfach nicht bedacht. Den Anruf durchstellen zu Dr. Wichtigwichtig? Nicht mehr nötig, der Chef schickt schnell selbst die Mail. Ehe es erklärt ist, ist´s getan. Und: Was macht der Chef als allererstes morgens früh? Richtig, er liest die Mails. Wichtig sind deshalb heute ganz andere Leute im Betrieb: Der PC-Support.

Mein Tipp: Treten Sie in den Konkurrenzkampf mit dem Computer. Jetzt, solange noch Zeit ist. So schwer ist es gar nicht. Freundlichkeit, Umsicht, die Fähigkeit zum Mitdenken. All das kann der graue Kasten gar nicht bieten. Das richtige Wort im richtigen Moment - unschlagbar. Nicht Zeit verlieren mit sinnlosem Diskutieren - und das böse Wort Zuständigkeit am besten nicht mal denken.

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