So wie beim letzten Ultimatum
Bush fehlt der "rauchende Colt"

Der Irak besitze und verstecke "einige der tödlichsten Waffen, die jemals erdacht worden sind", begründete US- Präsident George W. Bush am Dienstag den nun als sicher geltenden militärischen Angriff gegen Bagdad.

HB/dpa HAMBURG. Den seit Beginn der Irak-Krise im Herbst von der Weltöffentlichkeit erwarteten "rauchenden Colt", einen schlagenden Beweis für die Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen oder andere akuten Bedrohungen für die USA und weitere Länder aber konnte der Mann im Weißen Haus auch bei seiner wahrscheinlich letzten Rede vor dem Krieg nicht präsentieren.

Nichts aber hätten Bush und seine wenigen Verbündeten, mit dem britischen Premierminister Tony Blair und dem spanischen Regierungschef José María Aznar an der Spitze, wohl dringender gebraucht als eine "smoking gun", um eine zunehmend skeptischer werdende Weltöffentlichkeit doch noch für einen Militärschlag zu gewinnen.

An Anläufen fehlte es nicht. So verkündete Bush zum Auftakt der eigenen Kriegsdrohungen Richtung Irak im Vorjahr, Saddam Hussein sei "noch ein Jahr" vom Bau einer Atombombe entfernt. In seiner Rede vom Dienstag erwähnte der Präsident dieses Argument nur noch diskret, versteckt in einer Bemerkung: "Eines Tages" könnten chemische, biologische und nukleare Waffen durch den Irak in die Hände von Terroristen gelangen und hunderttausenden Menschen in den USA und anderswo den Tod bringen.

Hier packte Bush fast alles in einen Satz, was die US-Führung überhaupt an Bedrohungsszenarien in Sachen Irak präsentierte. Aber auch die von Washington behauptete Zusammenarbeit zwischen Saddam Hussein und dem Terrornetzwerk Al Kaida erwies sich nicht als der erhoffte Durchbruch. Hans Blix, Chef der UN-Kontrolleure im Irak, widersprach im Januar ausdrücklich einer Behauptung von Bush zu angeblichen Beweisen für eine Zusammenarbeit zwischen dem Irak und Al Kaida. Es gebe "keine überzeugenden Anzeichen" dafür, meinte der Schwede.

Bei gleicher Gelegenheit erklärte Blix auch Äußerungen von US- Außenminister Colin Powell für nicht stichhaltig, wonach Bagdad nach Erkenntnissen der UN-Kontrolleure Waffenmaterialien versteckt oder ins Ausland geschafft habe. "Mir liegen solche Erkenntnisse nicht vor", konstatierte der oberste Waffenkontrolleur.

Was immer die Irak-Strategen der US-Regierung und ihrer Verbündeten mit Großbritannien an der Spitze an häufig wechselnden Argumenten über die Gefährlichkeit des irakischen Waffenarsenals präsentierten, verpuffte weitgehend. So bei einer vom britischen Premierminister Tony Blair im Herbst vorgelegten "Geheimdienststudie" mit angeblichen Beweisen für die Existenz einsatzfähiger biologischer Kampfstoffe.

zehn der 19 Seiten erwiesen sich als übernommen aus frei verfügbaren wissenschaftlichen Arbeiten, die zum Teil zwölf Jahre alt und komplett überholt waren. Der 29-jährige Ibrahim al-Marashi aus Kalifornien erkannte ganze Passagen einer von ihm noch als Student verfassten Arbeit wieder. Erst fühlte er sich geschmeichelt, dann eher bestürzt: "Künftig werde ich misstrauischer sein, wenn ich etwas vom britischen Geheimdienst lese. Die haben sogar meine Fehler drin gelassen."

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