Sofort festgenommen
Mutmaßliche Kriegsverbrecher stellen sich

Zwei mutmaßliche jugoslawische Kriegsverbrecher haben sich am Donnerstag dem Uno-Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag gestellt. Beide seien umgehend in Haft genommen worden, teilte ein Sprecher des Tribunals mit.

Reuters BELGRAD/DEN HAAG. Dem ehemaligen stellvertretenden jugoslawischen Ministerpräsidenten Nikola Sainovic, der als rechte Hand von Ex-Präsident Slobodan Milosevic galt, werden Massaker und die Vertreibung von Kosovo-Albanern im Jahr 1999 vorgeworfen. Momcilo Gruban, der Schichtleiter des berüchtigten Gefängnislagers Omarska der bosnischen Serben, wird beschuldigt, 1992 Massentötungen beaufsichtigt zu haben. Zudem werden ihm unter anderem Vergewaltigungen und Misshandlungen vorgeworfen.

Ihre Rechtsanwälte erklärten vor dem Abflug in Belgrad, sie hofften, dass ihre Mandanten während des Prozesses in Freiheit blieben. Sainovic (53) erklärte einer im Rundfunk verlesenen Stellungnahme zufolge, er werde in Den Haag um die Wahrheit kämpfen. Sainovic war Milosevics wichtigster Vertreter im Kosovo im Jahr 1999. Milosevic muss sich bereits vor dem Tribunal in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten.

Gruban war nach Aussage der Anwälte lediglich ein Wachposten in dem Lager, in dem über 3000 moslemische und kroatische Bosnier inhaftiert waren. Die Anklage wirft Gruban vor, als Schichtleiter Befehlsgewalt über das Lager in einem ehemaligen Bergwerksgelände gehabt zu haben. Hier seien Gefangene offen gefoltert und geschlagen worden. Auch seien Gefangene getötet und Frauen vergewaltigt worden.

Die jugoslawische Regierung hatte im vergangenen Monat die 23 noch flüchtigen mutmaßlichen Kriegsverbrecher eindringlich aufgefordert, sich zu stellen. 17 haben dies abgelehnt. Darunter die beiden am meisten gesuchten Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic und General Ratko Mladic. In der vergangenen Woche hatte sich der frühere Armee-Chef Dragoljub Ojdanic freiwillig gestellt.

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