Sofortiger Rückflug in die USA: Strahlemann Agassi nach Absage kleinlaut

Sofortiger Rückflug in die USA
Strahlemann Agassi nach Absage kleinlaut

Andre Agassi trug schwarz - die Tennis-Fans bei den Australian Open trugen Trauer. Die Fröhlichkeit und der Humor der vergangenen Tage waren dem Titelverteidiger vergangen, als er in Melbourne zerknirscht den von einer Verletzung erzwungenen Rückzug vom ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres erläuterte.

dpa MELBOURNE. "Ich hatte sehr an der Entscheidung zu knabbern", sagte der Sieger von 1995 und der vergangenen beiden Jahre.

Der 31-Jährige spürte die Beschwerden im Handgelenk erstmals am Samstag im Finale des Turniers im Kooyong-Club gegen Pete Sampras, doch an Aufgabe dachte er "in der Hitze des Gefechtes" nicht. Als er am Sonntagmorgen aufwachte, sei er jedoch mit der Realität konfrontiert worden. Agassi fühlte sich an eine alte Blessur erinnert und wollte jetzt nicht das mögliche Ende seiner Karriere riskieren.

1993 erlitt er eine Einblutung im Handgelenk, bei der folgenden operativen Säuberung wurde zudem abgestorbenes Gewebe entfernt. Die anschließende Pause dauerte elf Wochen. Die Ärzte hätten ihm nicht garantieren können, wie lange die Wirkung anhalten würde, erklärte Agassi, der auch von Abnutzungserscheinungen sprach.

"Bestenfalls mit Sorge und Angst spielen"

"Wenn Du das Handgelenk nicht zurückstrecken oder Dich für eine Liegestütze hinlegen kannst, ist das Letzte, was Du tun kannst, einen 200 Stundenkilometer schnellen Schlag zu stoppen oder Ihm mit welchem Tempo auch immer eine andere Richtung zu geben", sagte er und erinnerte damit indirekt an Boris Becker, der einst in Wimbledon bei einem Returnversuch eine Sehnenanriss im Handgelenk erlitten hatte. "Bestenfalls würde ich jetzt mit beträchtlicher, Besorgnis und Angst spielen. Deshalb war die Entscheidung zwar nicht einfach, aber klar."

Zwischen den Schmerzen während des vom Wind beeinträchtigten Endspiels in Kooyong und dem schweren Anruf bei Turnierdirektor Paul McNamee vergingen quälende eineinhalb Tage, in denen sich Agassi nichts anmerken ließ. Am Sonntagabend erschienen McNamee und Turnierarzt Tim Wood zur Untersuchung im Hotel, berieten die möglichen Folgen und gingen wieder.

"Eine Stunde später hat sich mir der Magen umgedreht. Ich konnte mich nicht einmal hinlegen, weil ich wusste, dass das Unvermeidliche geschehen würde", schilderte Agassi, wie er sich schließlich zur Absage entschloss. Natürlich bekam auch Ehefrau Steffi Graf, gemeinsam mit Söhnchen Jaden Gil nach Australien geflogen, den inneren Kampf des Favoriten mit. "Es ist schwer, daraus ein Geheimnis zu machen", sagte Agassi, der schon am Montagvormittag (Ortszeit) am Flughafen ein letztes Mal in die Kameras winkte und sich nun in den USA genau untersuchen lassen will.

Die Absage sei ein riesiger Verlust für das Turnier, räumte Direktor McNamee ein, fügte aber auch hinzu: "Andre kommt aus Las Vegas. Er weiß, dass die Show weitergehen muss." Auch ohne einen Agassi, für den ein Georgier namens Irakli Labadse einspringt. Nichts gegen diesen Labadse: Er hat Agassi beim ATP-Turnier in Shanghai im vergangenen September besiegt.

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