Software-Branche wächst nicht
Softwareaktien fehlt das Fundament

In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres ging die Zahl der neuen Lizenzen quer durch die Software-Branche zurück. Denn der Markt für Unternehmenssoftware wächst - abgesehen von einigen Nischen - derzeit nicht.

FRANKFURT/M. Man muss weder Analyst noch Programmierer sein, um die Entwicklung der Softwarebranche zu verfolgen. Für eine grobe Beurteilung genügt es, die Zahl der neuen Softwarelizenzen im Auge zu behalten, die große Hersteller von Unternehmenssoftware wie SAP, Siebel oder Peoplesoft mit jedem Quartalsbericht veröffentlichen: In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres ging die Zahl der neuen Lizenzen quer durch die Branche zurück. Denn der Markt für Unternehmenssoftware wächst - abgesehen von einigen Nischen - derzeit nicht.

Mit einem Minus von 12 % im Lizenzgeschäft kam die die deutsche SAP AG im Branchenvergleich noch glimpflich davon, vielleicht weil die Walldorfer inzwischen die vergleichsweise breiteste Produktpalette anbieten, die von Finanzsoftware über Produktionsmanagement bis hin zu Marketingprogrammen reicht. Härter traf es mit einem Rückgang von rund 30 % den Konkurrenten Peoplesoft. Bei Siebel, einem Spezialisten für Software zur Kundenbetreuung (CRM für "Customer Relationship Management") brachen die Lizenzumsätze im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres sogar um mehr als die Hälfte ein.

Die Neulizenzen sind für die Softwarehäuser deshalb so wichtig, da sie - neben dem einmaligen Umsatz - zum einen sehr hohe Renditen abwerfen. Sie sind in der Regel aber auch die Grundlage für langjährige Kundenbeziehungen und garantieren über die Jahre ein mehrfaches an künftigem Umsatz für Wartung, Beratungen und Schulungen. Doch die Zahl der Neulizenzen wird erst wieder zulegen, wenn sich das allgemeine Investitionsklima bessert. So sehen die Analysten der WGZ-Bank die Softwarebranche in der Warteschleife. "Die tatsächliche und durchgreifende Wende zum Besseren wurde mittlerweile auf 2004 vertagt", schreibt die Bank in einer Branchenstudie.

Zudem weisen die Analysten potenzielle Anleger darauf hin, dass Softwareaktien im Vergleich zu anderen Branchen überdurchschnittlich hohen Kursschwankungen unterworfen sind. So seien Softwareaktien das "Gegenteil von Safe haven-Werten aus Branchen wie Versorger oder Pharma". Doch wo Risiken lauern, bieten sich mutigen Anlegern im Umkehrschluss auch Chancen. So ist der Kurs der SAP-Aktie nach tiefem Sturz im September des vergangen Jahres auf einen Tiefststand von 41,65 ¤ mittlerweile um 130 % geklettert. Wohl kaum eine anderer Dax-Wert kann da mithalten - vorausgesetzt man hat den richtigen Zeitpunkt für den Einstieg erwischt. Dafür ist es nach Einschätzung der Landesbank Baden-Württemberg jetzt zu spät. Die Ertragspotenziale seien nun "ausreichend eingepreist", begründet die Bank ihr bereits Ende April auf "Halten" reduziertes Anlageurteil.

"Neutral" lautet das Urteil der Analysten der Investmentbank Merrill Lynch über die weitere Entwicklung von Peoplesoft. Es gibt zwar eine Reihe von Neuerungen, wie eine Kooperation mit IBM, doch in der Summe sei keine der angekündigten Neuerungen "aufregend genug", um Anleger beim gegenwärtigen Kursniveau zum Kauf der Aktie zu animieren.

Bestenfalls "Neutral" lauten die meisten Empfehlungen für die Siebel-Aktie. Die Analysten der UBS-Warburg hingegen raten seit Mitte Mai zum Verkauf der Aktie, deren Kurs seit rund sechs Monaten bei rund 7,50 ¤ liegt - mit gelegentlichen Ausreisern nach oben.

Daran wird sich nach Einschätzung von Experten nichts ändern, solange die Unternehmenskundschaft die Ausgaben für Informationstechnologie nicht wieder aufstockt. Dass dies der Fall sein wird ist sicher. Denn der Einsatz von IT in den Unternehmen und der Verwaltung wird weiter zunehmen. Trotzdem sollten Anleger, die sich für Softwareaktien entscheiden, zumindest einen mittelfristigen Anlagehorizont vor Augen haben. Denn der Aufschwung der Branche wurde bereits mehrfach vertagt.

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