Software-Dienstleister aus dem Dunstkreis der Walldorfer trotzen dem Branchentrend
Im Umfeld von SAP lässt es sich leben

Mit "Ist Doch Super" buchstabierte Analyst Felix Ellmann von SES Research am vergangenen Mittwoch den ersten Namensteil von IDS Scheer. Grund waren die guten Neun-Monats-Zahlen des Saarbrücker Dienstleisters für Informationstechnologie (IT), die selbst die Erwartungen optimistischer Analysten wie Ellmann trafen. Kein Wunder, dass die Aktie im zweistelligen Bereich zulegte.

FRANKFURT/M. IDS Scheer ist kein Einzelfall. In der ansonsten klammen deutschen IT-Branche stemmen sich gerade die Unternehmen gegen den Trend, die sich im Umfeld des größten europäischen Softwarehauses SAP bewegen. Ähnlich geht es der börsennotierten SAP SAP-Tochter SI sowie den wesentlich kleineren Wettbewerbern Novasoft und Realtech.

Man habe natürlich noch andere Produkte als die SAP-Software, betonen die Unternehmen meist, wenn sie auf ihren Bezug zu dem Daxkonzern angesprochen werden. So hat IDS Scheer die Eigenproduktion Aris. Trotzdem lebt es sich als Implementierer von SAP R/3 zweifellos gut im Umfeld des Walldorfer Giganten. Das belegt allein die Tatsache, dass es für die IT-Branche gewöhnlich im dritten Quartal weniger rosig aussieht, IDS Scheer aber in diesem Zeitraum gegen den Trend glänzen konnte. Am 30. Oktober warten Anleger nun gespannt auf die Zahlen von SAP SI. Am 4. November präsentiert sich Novasoft, zwei Tage später Realtech.

Ins Blickfeld der Anleger rücken diese Werte auch deshalb wieder, weil SAP am vergangenen Donnerstag mit einem guten Ergebnis für die ersten neun Monate überraschte - auch wenn dies im Wesentlichen durch einen rigorosen Sparkurs zusammenkam. Schließlich enttäuschte der unmittelbare Konkurrent Siebel, und der Rivale Peoplesoft lag gerade so im Rahmen der Erwartungen. Viele renommierte Bankhäuser stuften als Folge davon die SAP-Aktie hoch. Goldman Sachs erhöhte zudem die Gewinnschätzungen von das laufende und das kommende Jahr.

Allein deshalb wachsen aber die Bäume bei den SAP-nahen IT- Dienstleistern nicht gleich wieder in den Himmel. SAP SI klagt weiterhin über eine geringe Auslastung der Consulting-Sparte und Sondereffekte aus Restrukturierungen und Wertberichtigungen. Diese belasteten beim Dresdener Systemintegrator und Anwendungsentwickler gerade das erste Halbjahr 2002, was eine Senkung der Prognosen zur Folge hatte. Mit geplanten Zuwächsen zwischen 9 und 12 % genießt SAP SI aber weiterhin ein gutes Ansehen bei Analysten. Zudem sichert die familiäre Nähe zu SAP einen gewissen Kompetenzvorsprung gegenüber der Konkurrenz.

Die hat Novasoft zwar nicht. An Zuwachsraten übertraf der Heidelberger Implementierer SAP SI allerdings im ersten Halbjahr. Auffällig ist jedoch, dass bei beiden Gesellschaften die Umsätze im Inland unerwartet stark zurück gegangen ist, während die Auslandsumsätze stiegen. Gerade bei Novasoft gibt es deshalb Analystenstimmen, die nicht mehr mit den Erreichen einer Ebit-Marge von 12 % rechnen. Das Unternehmen strebt unverändert eine Gewinnspanne von 12 bis 15 % an. Die Aktie leidet allerdings unter dem niedrigen Streubesitz, der zu geringen Handelsumsätzen führt. Dem stehen völlig konträre Gerüchte gegenüber, die kürzlich im Internet gestreut wurden: Novasoft könnte bald seine Prognosen nach oben korrigieren, hieß es da.

Auch Realtech klagt über ein schleppendes Geschäft im Bereich Consulting. Gewinnmargen um die 15 % sind unter konjunkturell "normalen" Umständen hier möglich. Derzeit stellt jedoch der obere einstellige Bereich den Gipfel des Möglichen dar. "Jammern auf hohem Niveau" nennen das viele, denen es weit schlechter geht.

Dass es sich im SAP-Umfeld auch in schlechten Zeiten halbwegs passabel leben lässt, daran erinnerte sich auch Itelligence. Die Bielefelder leiteten im ersten Halbjahr eine Restrukturierung ein und fokussieren sich nun wieder auf das SAP-Geschäft. Damit stehen sie in Puncto Größe bereits wieder auf Platz drei in Deutschland. Die Konsequenz daraus: In wirtschaftlich stürmischen Zeiten schützt die Nähe zu einem starken Partner zwar nicht davor, nass zu werden. Sie bietet jedoch eine gewisse Nestwärme.

Quelle: Handelsblatt

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