Software-Gigant behandelt Aktionäre immer noch wie in den Gründungsjahren
Microsoft muss endlich Dividende zahlen

Die Firmenpolitik steht nicht in der Kritik, wohl aber das Verhalten gegenüber den Aktionären: Wie zu Gründungszeiten zahlt Bill Gates' Unternehmen Microsoft keine Dividende.

DÜSSELDORF. Bill Gates und sein Software-Imperium machen in der Technologie-Krise eigentlich alles richtig. Im Vergleich zum Vorjahr steckt Microsoft 20 Prozent mehr in die Forschung. Anstatt Personal abzubauen, um die Kosten herunterzufahren, stellt Microsoft 5000 neue Mitarbeiter ein. Das Imperium nutzt dabei die Gunst der Stunde: Oftmals kehren hoch qualifizierte Angestellte - die vor zwei, drei Jahren zu Startups abgewandert waren und sich von gigantischen Aktienoptionen hatten locken lassen, die inzwischen keinen Cent mehr wert sind - reumütig und ohne üppige Gehaltsforderungen zurück.

Mitten in der Krise investiert Microsoft in diesem Jahr 5,2 Milliarden Dollar in die Entwicklung neuer Produkte. Nach PC und Spielekonsole sollen im Herbst die ersten Mobiltelefone in Europas Läden kommen. Und um dem seit Jahren schwächelnden Kurs auf die Beine zu helfen, kauft Microsoft für rund sechs Milliarden Dollar 122 Millionen eigene Aktien zurück. Dadurch verringert sich das Angebot, und der Gewinn pro Anteilsschein steigt.

Doch bei allen guten Antworten auf die Baisse und die tief greifende Krise bei vielen Technologie-Unternehmen vergisst Microsoft den größten Wunsch des Aktionärs: die Dividende.

Wie zu Gründungszeiten in der Hinterhof-Garage bleibt die Software-Schmiede ihrer Devise treu, wonach Dividende nur etwas für Dinosaurier ist - Unternehmen, die nicht mehr wachsen. Wer dagegen seine Gewinne in Zukunftstechnologien und noch mehr Wachstum investiert, schüttet nichts an seine Eigner aus. Der steigende Kurs entschädigt schließlich reichlich, so heißt das Motto. Das ist allerdings eine Mär aus dem kurzlebigen Internetboom, als nicht Gewinn, sondern allein Phantasie über die Entwicklung der Aktie entschieden.

Schwieriger Vergleich mit Dow-Aktien

Schon seit Ende 1999 entfällt bei Microsoft die Entlohnung der Anleger durch einen höheren Kurs. Die Aktie hat sich ausgerechnet seit dem Aufstieg in den Dow-Jones-Index fast gedrittelt. Die größere Aufmerksamkeit und der Vergleich mit den übrigen 29 Dow-Aktien setzt dem Unternehmen - neben der Baisse - mächtig zu. Denn nirgendwo mehr als im Dow, dem alteingesessene Industrie-Unternehmen angehören, gelten Weisheiten, die sich mit einer Null-Dividenden-Politik nicht vertragen. Eine Dow-Wahrheit ist: Historisch betrachtet machen Dividenden ein Drittel des langjährigen Aktienerfolges aus.

Mit der Zugehörigkeit zur Beletage ist Microsoft auch nach außen hin kein Startup mehr. Eine Marktkapitalisierung von über 250 Milliarden Dollar macht den Newcomer der achtziger Jahre hinter General Electric zum zweitgrößten Unternehmen der Welt. In dieser Liga ist zweistelliges Wachstum kaum mehr möglich. Sieben Prozent mehr Gewinn sind schon sehr ordentlich - vor allem, wenn er im abgelaufenen schwierigen Geschäftsjahr 2000/01 erarbeitet worden ist.

Wer so kontinuierlich, aber eben nur noch langsam wächst, dabei allerdings acht Milliarden Dollar Überschuss in nur einem Jahr erwirtschaftet und inzwischen 20,5 Milliarden Dollar auf der hohen Kante hat, sollte seine Anleger nicht ganz ignorieren.

Denn anders als Microsoft setzen die arg gebeutelten Aktionäre längst andere Prioritäten. Sie flüchten seit zweieinhalb Jahren aus Wachstumsaktien in solide Unternehmen, die ihren Gewinn mit den Eignern teilen. Dabei werden jene Unternehmen bevorzugt, die so viel Geld ausschütten, dass die Rendite über der von Staatsanleihen liegt. Nur damit lässt sich in einer Baisse, wie sie die Börsenwelt seit 70 Jahren nicht erlebt hat, Vertrauen aufbauen.

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