Software-Gigant wird Neueinstellungen stark reduzieren – Laufendes Quartel fällt schwach aus
Microsoft erwartet Innovationswelle durch XP

Auch der massive Druck von Seiten der Justiz und der Politik beirrt die Microsoft-Manager offensichtlich nicht: Pünktlich am 25. Oktober werde das weltgrößte Softwarehaus sein neues, umstrittenes Betriebssystem Windows XP auf den Markt bringen. Das versicherte Konzernchef Steve Ballmer Analysten auf der jährlichen Strategiekonferenz am Sitz des Unternehmens in Redmond im US-Bundesstaat Washington. "Wir führen die letzten Tests durch, bereiten die Auslieferung vor", sagte Ballmer. "Sonst gibt es für uns nichts zu tun."

HB REDMOND. Getroffen wird der Konzern dagegen von der anhaltend schwachen Konjunktur. Rick Belluzo, der für das operative Geschäft zuständig ist, kündigte an, dass die Microsoft Corp. bei Neueinstellungen kürzer tritt: Im laufenden Jahr werde der Konzern nur 4000 Mitarbeiter einstellen, im vergangenen Jahr waren es noch doppelt so viele gewesen. Das laufende dritte Quartal werde - vor dem wichtige Weihnachtsgeschäft - schwach ausfallen.

Für die Zeit danach rechnet Belluzo dagegen mit einer Innovationswelle, getragen durch Windows XP. Seinen Optimismus begründet er mit Erfahrungswerten aus den Jahren 1995 und 1998, als neue Windows-Versionen die Nutzer zu Neuanschaffungen veranlassten und die Software-Entwickler eifrig Programme schrieben. Konzernchef Ballmer blickte derweil über die Quartalszahlen hinaus. Die Pläne von Microsoft seien langfristig angelegt. Er warnte die Analysten davor, die nächsten wichtigen Schritte nur mit der Lupe der Quartalsergebnisse zu betrachten.

Führung im "digitalen Jahrzent" wahren

Diese wichtigen Schritte sollen dem Konzern die Führung im "digitalen Jahrzehnt" wahren - das machte Microsoft-Mitgründer und Entwicklungschef Bill Gates deutlich. Mit einem Forschungsaufwand von 5,3 Mrd. $ jährlich für Bereiche wie Unterhaltung, E-Commerce, Produktionssteigerung und Kommunikation werde der Konzern neue Maßstäbe setzen, kündigte er an.

Eine Strategie, die Teil von Gates Vision ist, steht derweil im Zentrum der Kritik an Windows XP. In dem Betriebssystem vereint Microsoft mehr im Wettbewerb mit Produkten der Konkurrenz stehende Programme als je zuvor in einer solchen Software. Der Online-Dienst MSN und der Instant Messenger - beides Konkurrenzprodukte zu AOL-Angeboten, die Audio- und Video-Software Media-Player, die entsprechende Programme von Real Networks verdrängt, und eine Photosoftware werden feste Bestandteile des Programmpaketes Windows XP sein. Daran haben auch die Urteile der ersten und zweiten Instanz im Kartellprozess gegen den Konzern nichts geändert.

Die letzte Testversion von Windows XP hat am Samstag die Produktionsbänder verlassen. Ende August oder Anfang September sollen dann die Masterdisketten - die so genannten "golden discs" - an die PC-Hersteller gehen. Damit können die dann schon einige Wochen vor dem offiziellen Start ihre neuen, für das Weihnachtsgeschäft vorgesehenen Personalcomputer mit dem Betriebssystem bestücken.

Einstweilige Verfügung gegen Windows XP angestrebt

Das wollen Politiker wie Senator Charles Schumer aus dem US-Bundesstaat New York mit einer einstweiligen Verfügung verhindern. In der vergangenen Woche hatte der Demokrat einige der anklagenden Generalstaatsanwälte der im Kartellprozess verbliebenen 18 Bundesstaaten gebeten, vor Gericht den Versuch zu unternehmen, die Auslieferung von Windows XP zu verhindern. Konkrete Schritte in diese Richtung sind noch nicht bekannt. Das in der Kartellklage federführende US-Justizministerium hat sich jedoch ebenfalls vergangene Woche an das Berufungsgericht gewandt: Es will eine von Microsoft beantragte weitere Anhörung vor dieser Instanz verhindern.

Wohl des Kunden oder unlauterer Wettbewerb?

Der Softwaregigant hatte gefordert, zum Einzelpunkt des untrennbaren Vermischens von Softwarepaketen mit eigenen Funktionen mit dem Betriebssystem noch einmal im Detail gehört zu werden. Dieser "commingling" genannte Punkt war einer von acht Punkten, in denen Microsoft auch in zweiter Instanz der monopolistischen Verletzung des US-Kartellgesetzes für schuldig befunden wurde. Eben dieses untrennbare Verflechten von Software mit getrennten Funktionen - etwa eines Betriebssystems mit einer Internet-Zugangssoftware, wie im Falle des Internet Explorers geschehen - spielt aber in Microsofts Firmenstrategie eine zentrale Rolle. Der Konzern bezeichnet die Integration der Programme als Innovationen zum Wohle des Verbrauchers, während die Gegner von unlauterem Wettbewerb sprechen, der auf Dauer eine Vielfalt von Innovationen verhindere.

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