Software
„Nicht zum Überleben“

SuSE-Vorstand Boris Nalbach über neue Bündnisse, alte Fehler und das Abenteuer Akquisition.

Herr Nalbach, Ihr Unternehmen vermarktet die Microsoft-Alternative Linux. Dieses Betriebssystem hat nach der ersten Euphorie viele Wachstumserwartungen nicht erfüllt. Mit der United Linux-Initiative wollen Sie jetzt das Geschäft ankurbeln. Ist der Pakt mit Mitbewerbern also weniger eine Technologiepartnerschaft als ein Bündnis der Bedrängten?

Ganz sicher nicht. Natürlich leidet auch die Linux-Branche unter der IT-Flaute. Aber es ist ja nicht so, als wäre Linux damit passé. Der Markt wächst weiter. Das zeigt ja auch der Vertrag, den IBM am Montag mit der Bundesregierung über die Beschaffung von Linux-Computersystemen geschlossen hat - und in dessen Rahmen wir das Betriebssystem liefern werden.

Was also ist das Ziel der Initiative?

Momentan gibt es eine Vielzahl von Linux-Versionen. Die Aufsplitterung des Marktes ist im Wettbewerb gegen Microsoft nicht sehr förderlich. Darum haben wir uns mit den Firmen Caldera, Conectiva und Turbolinux zusammengetan. Wir wollen ein einheitliches Betriebssystem-Paket entwicklen und anbieten. Kunden und Partner haben wiederholt Standardisierung eingefordert.

Doch der Name der Initiative täuscht: Bei United Linux ist der weltweit größte Anbieter - Red Hat - gar nicht mit an Bord. Haben Sie da nicht eine Chance vertan, die Basis im Kampf gegen Microsoft noch zu verbreitern?

Das Bündnis ist nicht statisch - die Beteiligung von Red Hat erwünscht!

... aber eben nicht vollzogen. Aus Sicht von Marktbeobachtern wie Dan Kusnetzky, dem Chef der Softwaregruppe des Markforschungsuntenehmens IDC, ist das ein Mangel.

Zwei große Spieler in einem Markt unter einen Hut zu bringen ist extrem schwer, wie der Blick auf den Merger von Hewlett-Packard und Compaq zeigt. Uns ging es darum, möglichst schnell Partner für eine sowohl funktional als auch regional breit aufgestellt Plattform zu finden. Jeder der Beteiligten bringt spezifische Kompetenzen in die Partnerschaft ein - Turbolinux etwa das Wissen um die asiatischen Märkte oder Caldera sein deutsches Entwicklerteam. Hätten wir uns von Anfang an um eine Abstimmung mit dem größten Wettbewerber bemüht, bezweifele ich sehr, dass die Verhandlungen heute schon abgeschlossen wären.

Ist United Linux denn ein Bündnis, das auf Dauer auch zu einem unternehmerischen Zusammenschluss führen kann?

Zumindest führt es zu einer Konsolidierung des Angebotes. Dass es mittelfristig auch zu Übernahmen und Zusammenschlüssen bei den Anbietern kommt, ist wahrscheinlich - aber im Falle von United Linux stand das überhaupt nicht zur Debatte. Im Gegenteil, wir glauben durch unsere Partnerschaft, das Ziel, ein in der Konkurrenz mit Windows oder Unix für die Kunden attraktiveres Linux-Angebot machen zu können, für besser erreichbar. Leichter jedenfalls, als wenn wir uns auch noch in das Abenteuer einer Akquisition begeben hätten.

Ganz abgesehen davon, dass SuSE dafür momentan das Geld fehlt. Im vergangenen Jahr haben Sie massiv Stellen abgebaut. Wie lange reicht denn das Geld der Investoren noch?

Im vergangenen Jahr haben wir einige schmerzhafte Schnitte gemacht, um Fehler zu revidieren und Kosten in den Griff zu bekommen. Finanziell stehen wir nach der im Februar abgeschlossenen zweiten Finanzierungsrunde gut da. Wir werden im zweiten Quartal den Break-even schaffen. Und es muss mit dem Teufel zu gehen, wenn nicht auch das Gesamtjahr 'schwarz' wird.

... und dann geht's - wie einst Konkurrent Red Hat - fulminant an die Börse?

In der aktuellen Situation ist das überhaupt kein Thema. Vielleicht nach ein paar schwarzen Quartalen. Aber vorerst ist für uns viel wichtiger, dass den Börsengang nicht zum Überleben brauchen.

Quelle: Wirtschaftswoche

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