Software-Schmiede in Breslau
Siemens erschließt in Polen neue Fachkräfte - und Kunden

Bettina Hipf hat den Sprung ins kalte Wasser gewagt. Vor kurzem arbeitete die Ingenieurin und vielfache deutsche Meisterin im Taekwondo noch bei der Siemens AG in München - heute liegt ihr Arbeitsplatz in Wroclaw (Breslau), im "Software Development Center" von Siemens Poland. Ihr Chef Krzysztof Kulinski ist gebürtiger Pole, aber ebenfalls ein halber West-Import: Er kam 1983 zu Siemens und ist stolz darauf, heute aus seiner Heimatstadt Software für den Weltmarkt liefern zu können.

BRESLAU. Bettina Hipf und Krzysztof Kulinski, die Münchnerin und der Breslauer zeigen, wie integriert die Arbeitsmärkte in West- und Osteuropa bereits sind - aber auch die Produktionsstandorte. Siemens beschäftigt 1 200 seiner weltweit 417 000 Mitarbeiter in Polen. Jetzt erwägt der Konzern nach Gewerkschaftsangaben die Verlagerung von bis zu 10 000 weiteren Arbeitsplätzen nach Osteuropa, 28 000 sind es dort bereits.

Dabei geht es nicht mehr nur um günstige Lohnkosten. Für den Standort Breslau votierte Siemens, weil er eine Technische Universität mit hervorragenden Absolventen hat. Inzwischen kooperiert Siemens mit der TU bei kybernetischen und elektronischen Forschungsprojekten. Für Breslau sprach auch die Nähe zu Warschau, Berlin, Prag und Wien.

Derzeit arbeiten bei Siemens in Wroclaw mehr als 200 Ingenieure gemeinsam mit Bettina Hipf an Programmen für Mobilfunkanbieter. Für Fachleute: Es geht um Software für GSM-, GSM-R, UMTS- und GPRS-Systeme, um Vermittlungsstellen, Endgeräte und intelligente Netze. Seit 2001 läuft ein Iridium- Projekt, ein satellitengestütztes Mobilfunksystem. Die entwickelte Software wird im Haus getestet und auf die Kunden zugeschnitten. Niedrige Lohnkosten waren vor diesem Hintergrund nur ein nachgelagerter Grund für Siemens, mit der Software- Entwicklung nach Polen zu gehen. Ein junger Absolvent der Technischen Universität verdient in der Anfangsphase 3 000 Zloty (640 Euro) und kann rasch auf über 4 000 Zloty kommen.

Als Chef der Breslauer Dependance verdient Kulinski ohnehin ein Westgehalt. Auch er ist Absolvent der TU Breslau, ging aber vor 20 Jahren nach Wien und stieg rasch bei Siemens auf. Es war seine Idee, in Breslau eine Software-Schmiede einzurichten. Seit kurzem residiert das Software Development Center im Breslauer Industriepark an einer Ausfallstraße der Stadt nicht weit vom Flughafen - und damit nahe bei den Kunden. Deren Anforderungen, berichtet Kulinski, kommen Schlag auf Schlag. Entsprechend kürzer würden die Produktionszyklen für Software. "Mit Spezialisten vor Ort kann man am besten kundengerechte Lösungen erarbeiten."

Inzwischen ist Breslau - in Zusammenarbeit mit Entwicklungszentren von Siemens in München, Bocholt und Berlin - für die Kunden in Skandinavien, im Baltikum, Polen, Tschechien, Ungarn, Bulgarien, Griechenland und der Türkei zuständig. Daher kann Siemens mit den internationalen Strukturen des Konzerns punkten, wenn es um die besten Nachwuchskräfte Polens geht. "Unsere Ingenieure lernen multikulturelles Arbeiten", sagt Kulinski. "Ich habe bei Siemens nie das Gefühl gehabt, ein Ausländer zu sein."

Mitarbeit: Georg Watzlawek

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