Softwareanbieter hält an Umsatzprognosen fest - Finanzchef führt jetzt die Geschäfte
Intershop baut bis in die Spitze um

Das Softwarehaus Intershop zieht personelle Konsequenzen aus dem missratenen US-Engagement. Gründer und Chef Schambach verabschiedet sich aus dem Tagesgeschäft. Der Aktie half das nicht.

va FRANKFURT. Der bisherige Finanz-Vorstand Wilfried Beeck übernimmt das operative Geschäft des kriselnden Jenaer Softwarehauses Intershop. Damit zieht das Unternehmen auch personell die Konsequenzen aus einem verfehlten US-Engagement und dem Kursverfall seiner Aktie. Stephan Schambach, Intershop-Gründer, Vorstandschef und einst eine Symbolfigur des Neuen-Markt-Unternehmens, zieht sich aus dem Tagesgeschäft zurück. Schambach werde sich auf die Unternehmensstrategie, die Produktentwicklung und strategische Partnerschaften konzentrieren, sagte Beeck auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt.

Auf diese Weise soll Schambach die Position von Intershop in den USA stärken. Dort hat sich der Anbieter von Software für E-Business nicht gegen Konkurrenten wie ART Technology Group oder Broadvision durchsetzen können. Finanzvorstand Beeck wird zusätzlich die Verantwortung für Vertrieb, Marketing, Services sowie Verwaltung übernehmen. Auf Anfrage sagte Beeck, möglicherweise solle ein weiterer Vorstand das Führungsduo ergänzen. Zum Rückzug des abwesenden Schambach sagte Beeck, dieser sei keinesfalls als schleichender Abschied zu verstehen.

Laut Beeck ist Intershop mit "drastischen" Umstrukturierungen beschäftigt. Diese sollen bis zum Ende des zweiten Quartals 2001 beendet sein. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet er mit Verlusten in ähnlicher Höhe wie bisher. Die am Neuen Markt und an der Nasdaq notierte Intershop hatte Anleger im Januar 2001 mit einer späten und überraschenden Gewinnwarnung enttäuscht, für die Schambach damals vor allem überraschend ausbleibende Aufträge von US-Kunden verantwortlich gemacht hatte. Der Kurs war daraufhin um mehr als 70 % eingebrochen. Gestern ging der Kurs erneut ins Minus und verlor gut 5 % auf 6,45 Euro.

Laut Beeck beläuft sich der Nettoverlust im Geschäftsjahr 2000 auf 38,9 Mill. Euro nach 18,4 Mill. Euro im Vorjahr. Damit war das endgültige Ergebnis leicht höher als zuletzt erwartet. Beeck begründete dies damit, dass entgegen den Annahmen vom Januar keine Steuerrückstellungen gebildet werden mussten. Auf die Frage, ob für das kommende Jahr besondere Rückstellungen wegen zu erwartender Sammelklagen von enttäuschten US-Anlegern zu erwarten seien, sagte Beeck, diese bewegten sich "wie in den USA üblich" im siebenstelligen Bereich. Den Umsatz für 2000 bezifferte Beeck auf 123 Mill. Euro. Er ist damit um 166 % gestiegen. Für 2001 rechnet Beeck wie bisher mit Erlösen zwischen 140 und 160 Mill. Euro. Den US-Markt hat das Unternehmen weiter im Visier, auch wenn es dort weniger Geld ausgeben will. Hier setzt es verstärkt auf indirekten Vertrieb mittels Partnerschaften, etwa mit Hewlett Packard oder KPMG.

Mit dem Rückzug von Schambach verabschiedet sich eine weitere Galionsfigur des Neuen Marktes. Intershop und Schambach zählten zu den Lieblingen der Analysten und Anleger, am 10. März 2000 stand die Aktie im Zenit bei 135 Euro.

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