Softwareanbieter strukturiert Führung neu
Intershop: Nach starken Kursverlusten neue Klagen

Der Jenaer Internetsoftware-Spezialist Intershop zieht aus der Krise personelle Konsequenzen und ordnet seine Führungsstruktur neu. Im Jahr 2000 hätte Intershop einen Verlust je Aktie in Höhe von 0,46 Euro eingefahren, verglichen mit 0,23 Euro in 1999. Intershop bestätigt Prognosen

Reuters FRANKFURT. Der Softwareanbieter Intershop sieht derzeit keinen Anlass, auf die gegen ihn eingereichten Sammelklagen auf Schadensersatz in den USA zu reagieren. "Bislang sind bei uns keine Sammelklagen eingegangen", sagte Finanzvorstand Wilfried Beeck am Donnerstag in Frankfurt. Sammelklagen in den USA seien nach starken Kursverlusten nicht ungewöhnlich, sagte er. Intershop bilde generell für mögliche Rechtsstreitigkeiten eine Rückstellung im siebenstelligen Bereich. Beeck kündigte an, er werde die operative Geschäftsführung von Vorstandschef Stephan Schambach übernehmen, der sich künftig auf den Vertrieb im weiter umsatzschwachen US-Geschäft konzentrieren wolle. Dort seien im laufenden Jahr keine großartige Verbesserungen zu erwarten. Der Nettoverlust von Intershop im Geschäftsjahr 2000 ist den Angaben zufolge geringer ausgefallen als nach vorläufigen Zahlen angenommen.

Weitere Sammelklage

Die US-Anwaltskanzlei Milberg Weiss Bershad Hynes & Lerach hat nach der Anwaltskanzlei Rotter am Mittwoch ebenfalls eine Sammelklage auf Schadensersatz gegen den Softwareanbieter in den USA eingereicht. Der am Neuen Markt gelisteten Intershop werde von US-Anlegern vorgeworfen, sie im Rahmen des Börsengangs an die US-Technologiebörse Nasdaq im September 2000 über die Geschäftsentwicklung in den USA falsch und irreführend informiert zu haben. Die Klage richte sich gegen das Unternehmen, führende Manger sowie die Banken Credit Suisse First Boston, Chase H&Q and U.S. Bancorp Piper Jaffray, hieß es.

Bereits vergangenen Donnerstag hatte die Anwaltskanzlei Rotter aus Grünwald gemeinsam mit der New Yorker Kanzlei Shalov Stone & Bonner eine Sammelklage gegen Intershop eingereicht. Rotter wirft Intershop nach früheren Angaben vor, die Gewinnwarnung vom Januar dieses Jahres zu spät veröffentlicht zu haben. Damals hatte Intershop wegen des schwachen US-Geschäfts reduzierte Umsatz- und Ergebniserwartungen für das abgelaufene Quartal angekündigt. Rotters Vorwurf lautet, Intershop sei seit Mai klar gewesen, dass die Umsatz- und Gewinnprognosen für die weiteren Quartale nicht erreicht werden konnten.

Auch für 2001 Verlust erwartet

Das endgültige Ergebnis von Intershop für das Geschäftsjahr 2000 sei leicht besser als das vorläufige ausgefallen, da entgegen den Annahmen von Januar keine Steuerrückstellungen gebildet werden mussten, sagte Beeck. Der Umsatz sei nach endgültigen Zahlen im Vergleich zum Vorjahr um 166 Prozent auf 123,0 Mill. Euro gestiegen. Der Nettoverlust habe 38,9 Mill. Euro nach 18,4 Mill. Euro im Vorjahr betragen und liege damit unter dem im Januar gemeldeten Nettoverlust von 39,3 Mill. Euro. Für das laufende Jahr erwarte Intershop wie bereits im Januar angekündigt bei Erreichen der Gewinnschwelle auf Quartalsbasis Ende 2001 einen ähnlich hohen Verlust und einen Umsatz von 140 bis 160 Mill. Euro.

Der Verlust von Intershop werde im ersten Halbjahr wegen der anstehenden Restrukturierungen noch relativ hoch sein, sagte Beeck: "Wir können den Umsatz nicht aus dem Stand heraus wieder steigern." Intershop wolle seine Position als europäischer Marktführer durch Partnerschaften und Allianzen weiter ausbauen, sagte der neue Geschäftsführer für das Europageschäft, Michael Tsifidaris. Beeck kündigte an, Vorstandschef Schambach werde sich künftig intensiver auf die Entwicklung der Unternehmensstrategie, der Produkte und Partnerschaften konzentriere. Beeck übernehme zusätzlich zu seinen Aufgaben als Finanzvorstand die Verantwortung für Vertrieb, Marketing, Services sowie Verwaltung (COO).

Schambach gibt Geschäftsführung ab

Schambach wolle sich mit diesem Schritt aber keinesfalls aus dem Unternehmen zurückziehen, sondern sich unter anderem dem schwachen US-Geschäft widmen, sagte Beeck. "Wir wollen in den USA mehr in Vertriebspartnerschaften investieren und uns auf das Business-to-Business-Geschäft konzentrieren", sagte Beeck. Schnelle großartige Verbesserungen im US-Geschäft seien nicht zu erwarten. Der Finanzvorstand geht davon aus, dass das Geschäft in Amerika "für lange Zeit auf niedrigem Niveau bleibt". Der Anteil des US-Geschäfts am Umsatz sinke im laufenden Jahr auf 20 Prozent nach 30 Prozent im Vorjahr. "Wir haben in den USA nicht die Markenbekanntheit und müssen Partnerschaften eingehen, um unsere Marktposition zu stärken", sagte Beeck.

Die im Blue Chip-Index des Neuen Marktes Nemax 50 notierte Aktie lag in einem schwachen Gesamtmarkt am Nachmittag mit drei Prozent im Minus bei 6,58 Euro.

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