Softwaregigant verfolgt schwer durchschaubare Strategie
Microsoft macht Front gegen Linux

Das kostenlose Betriebssystem Linux gilt als größter Konkurrent des Microsoftprodukts Windows. Beobachter vermuten, dass Microsoft nun die SCO-Gruppe stärken und damit Linux schwächen will. Microsoft war immer schon kreativ, wenn es darum ging, Widersacher aus dem Weg zu räumen.

DÜSSELDORF. Der weltweite Erfolg der US-Computerindustrie in den vergangenen zwanzig Jahren ist nicht zuletzt auf die Beharrlichkeit von Microsoft zurückzuführen. Wer mit seinem Betriebssystem auf rund 90 Prozent aller weltweit verkauften Personalcomputer installiert ist, stellt nun einmal eine Macht dar. Und zwar in jedem Land der Erde, in dem PC zum Einsatz kommen. Davon profitierte und profitiert nicht nur Microsoft selbst, sondern auch Prozessorhersteller Intel und die gesamte Phalanx der PC-Hersteller aus den Vereinigten Staaten zählten in den vergangenen beiden Dekaden zu den Gewinnern.

Intel und Microsoft im Gleichschritt

Im Gleichschritt haben Intel und Microsoft es jedenfalls immer wieder verstanden, das Geschäft mit Personalcomputern voranzutreiben. Der eine baute immer leistungsfähigere Prozessoren, der andere sorgte dafür, dass es auch entsprechend Software gab, die nach immer höherer Rechnerleistung verlangte. Ob die Kausalität dabei genau umgekehrt war, spielt keine Rolle.

Damit haben sich nicht nur Microsoft und Intel, sondern auch viele andere Software- und Hardwarehäuser aus den USA in der Welt einen respektablen Wettbewerbsvorsprung verschafft. Dell wurde zum größten PC-Anbieter der Welt. Bis auf SAP gibt es außerhalb der USA praktisch kein Softwarehaus, das den Amerikanern ernsthaft Paroli bieten kann. Da wäre doch die US-Regierung mit dem berühmten Klammerbeutel gepudert, wenn sie diesen eminenten Wettbewerbsvorteil für ihre nationale Volkswirtschaft mit einer Teilung Microsofts in dem von hoher Aufmerksamkeit verfolgten Kartellverfahren so einfach aufgegeben hätte. Eine starke Microsoft ist vielleicht nicht ganz so gut für die Software-Konkurrenz im eigenen Lande, aber gut für die Stellung der US-Computerindustrie auf den anderen Märkten dieser Welt - und somit gut für die gesamte US-Wirtschaft.

Konkurrenz hat resigniert

Immer wieder hat es Microsoft verstanden, die ungeliebte Konkurrenz vom Markt zu drängen. Ganz gleich, ob es in den Kindertagen der PC-Industrie die vielen Entwickler von Werkzeugen oder anderen Anwendungen waren, die nach und nach Teile der mittlerweile sehr mächtigen Microsoft-Programme wurden, oder ob die Browser-Software von Netscape ebenso vom Markt gedrängt wurde wie Realnetworks bei der Multimediasoftware, das Microsoft einfach in sein Betriebssystem eingebaut hat. So hat mancher Entwickler und Programmierer von "weicher Ware" aus Übersee längst resigniert, weil sich Microsoft viele schöne, von ihnen erdachte Verbesserungen mit der nächsten Windows-Version einfach zu eigen machte.

So steht zu befürchten, dass auch die nächste Schlacht zugunsten der finanzkräftigen Company des Milliardärs Bill Gates ausgehen wird - der Kampf gegen das Betriebssystem Linux.

Außergewöhnlich offen nimmt Microsoft das Open-Source-Betriebssystems ins Visier. Finanzchef John Connors gab öffentlich zu, dass das künftige Wachstum des Softwareriesen von Linux beeinflusst werde. Microsoft-Chef Steve Ballmer verglich Linux mit einem Krebsgeschwür. In einer firmenintenen Mail wurden die Microsoft-Mitarbeiter aufgefordert, beim Preis so lange nachzugeben, bis Linux für den Kunden kein Thema mehr sei. Jüngstes Beispiel: Die Stadtverwaltung von München, um die sich Steve Ballmer dann gleich persönlich gekümmert hat. Bröckelt da etwa die in rund 30 Jahren aufgebaute Macht von Gates & Co.?

Streitwert: Eine Milliarde Dollar

Doch der kluge Strategie baut vor. Microsoft hat sich inzwischen eine Nutzungslizenz für das Betriebssystem Unix vom US-Konkurrenten SCO besorgt. Jetzt ist zwar das Unix-Betriebssystem von SCO nicht das allgemein verfügbare Linux, doch der dahinter stehende Patentstreit entbehrt mit dem Lizenzerwerb von Microsoft nicht einer gewissen Brisanz. SCO hat nämlich gerade erst seine Linux-Produkte vom Markt genommen. Dieses Verhalten wurde damit begründet, dass bestimmte Programmteile des lizenzpflichtigen Unix Sytems V einfach ins frei zugängliche Linux kopiert wurden. Konkret hat SCO eine Patentklage gegen IBM angestrengt. Streitwert: eine Milliarde Dollar.

Einen längeren und teuren Rechtsstreit wird SCO angesichts der eigenen knappen finanziellen Mittel kaum durchhalten. Über eine prall gefüllte Kriegskasse verfügt dagegen Microsoft. Welche Vermutung liegt da näher, dass Microsoft seine neu erworbenen Lizenzen dazu benutzen will, gegen die Open-Source-Widersacher vorzugehen. Ein Dementi einer Microsoft-Sprecherin gegenüber dem Wall Street Journal hört sich da an wie eine wachsweiche Ausrede: Microsoft werde sich nicht an einem Patentverfahren gegen IBM beteiligen.

Welche Strategie Microsoft in Sachen Linux nun wirklich verfolgt, werden wir dann in einigen Monaten sehen. Beharrlich war Microsoft ja schon immer.

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