Softwarekonzern droht weiter, Windows XP vom Markt zu nehmen
Kläger präsentieren neue Beweise gegen Microsoft

Der Kartellprozess gegen Microsoft ist in die nächste Runde gegangen. Neun Bundesstaaten, denen die vom Justizministerium ausgehandelte Strafe nicht weit genug geht, haben neue Dokumente vorgelegt. Diese sollen beweisen, dass der Konzern immer noch wie ein Monopolist agiert.

siri SAN FRANCISCO. Einmal Monopolist, immer Monopolist - das zumindest ist das Bild, das neun US-Bundesstaaten vom Softwarekonzern Microsoft Corp. zeichnen wollen.

In einer neuen Runde von Anhörungen vor dem Bezirksgericht in Washington, D.C., legten die Bundesstaaten neue Dokumente vor, die die monopolistischen Praktiken des Softwarekonzerns aus Redmond beweisen sollen. Sie hatten sich dem Kompromissvorschlag des US-Justizministeriums für eine außergerichtliche Einigung nicht angeschlossen und fordern härtere Strafen für Microsoft.

Ein Anwalt der Kläger, Steven Kuney, zitierte aus internen E-Mails. Diese belegten laut Kuney, dass Microsoft seine Marktmacht missbraucht hat, um zu verhindern, dass die PC-Hersteller Dell Computer Corp. und Compaq Computer Corp. das Betriebssystem Linux anbieten. Linux steht in direkter Konkurrenz zu Microsofts Betriebssystem Windows. Microsoft-Chef Steve Ballmer sei in den E-Mails aufgefordert worden, bei einem Treffen mit Vertretern von Dell daran zu erinnern, dass es für einen Partner des Softwarehauses, der einen gewissen Status erreicht habe, unhaltbar sei, aggressives Marketing für eine anderes Betriebssystem zu betreiben. Compaq erhielt eine ähnliche Mail.

Die Staaten sehen in den E-Mails Beweise für den Versuch, Dell durch die Drohung mit Statusverlust davon abzuhalten, Linux anzubieten. Im vergangenen Jahr löste Dell seine Linux-Abteilung wieder auf.

Außerdem legten die neun Staaten Beweise vor, die zeigen sollen, dass Microsofts neues Betriebssystem Windows XP nicht problemlos mit der Audio- und Video-Software des Konkurrenten Real Networks Inc. funktioniert. Sie wollen damit nachweisen, dass sich an Microsofts wettbewerbswidrigen Geschäftspraktiken seit Beginn des Prozesses vor vier Jahren nichts geändert hat. Sie fordern, dass auch das Windows XP bei der Festlegung des Strafmaßes berücksichtigt wird. Der Softwarekonzern soll das Betriebssystem im Baukastenmodell anbieten, so dass PC-Hersteller und Nutzer entscheiden können, welche Anwendungssoftware sie von anderen Anbietern nutzen wollen. Zudem sollen Teile der Programmierung von Windows XP offen gelegt werden.

Microsoft reagierte empört auf die neuen Beweise und droht weiterhin, Windows XP vom Markt zu nehmen, falls die neun Staaten ihre Strafmaß-Vorstellungen durchsetzen. Es handele sich um völlig neue Produkte für neue Märkte, die im bisherigen Prozess keine Rolle gespielt hätten, sagte Microsoft-Anwalt Dan Webb.

Richterin Colleen Kollar-Kotelly muss nun entscheiden, welches Strafmaß für Microsoft gelten soll. Experten gehen davon aus, dass sich die Anhörungen sechs bis acht Wochen hinziehen können, bevor ein Ergebnis erreicht wird.

Parallel läuft eine zweite Runde gerichtlicher Anhörungen, in denen Kollar-Kotelly festlegen muss, ob die im November erreichte außergerichtliche Einigung zwischen Microsoft und dem US-Justizministerium im öffentlichen Interesse liegt.

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