Softwarekonzern erzielt überraschend hohe Lizenzumsätze: SAP wächst stärker als erwartet

Softwarekonzern erzielt überraschend hohe Lizenzumsätze
SAP wächst stärker als erwartet

Die SAP AG hat die Investoren und Analysten mit guten Zahlen überrascht. Wie der Software-Konzern aus dem nordbadischen Walldorf nach einer ersten Analyse mitteilte, betrugen die Umsätze mit Software-Lizenzen im vierten Quartal mehr als 1 Mrd. Euro.

jkn FRANKFURT/M. Analysten hatten mit rund 790 Mill. Euro gerechnet. Die SAP-Aktie reagierte mit einem Kurssprung auf die positive Nachricht. Sie legte bis zum Nachmittag um rund 9 % zu.

Für das gesamte Jahr 2001 rechnet SAP mit einem Umsatzplus von mehr als 16 %. Dies würde Erlöse von fast 7,3 Mrd. Euro bedeuten. Die Marge bezogen auf das operative Ergebnis soll das Vorjahresniveau von 20 % erreichen. Im Herbst vergangenen Jahres hatte der Softwareriese seine Prognose für das Umsatzwachstum nach einem sehr schwachen dritten Quartal von 20 auf 15 % reduziert, woraufhin der Markt verschnupft reagierte.

"Das sind erstaunlich gute Zahlen", sagte Friederike Herkommer von der Hypo-Vereinsbank. Ihr Kollege Jörg Natrop von der WGZ Bank ergänzte: "Angesichts des deutlich verschlechterten wirtschaftlichen Umfelds werten wir dies positiv." Zahlreiche Banken und Investmenthäuser wie ABN Amro, WGZ Bank oder Credit Suisse First Boston (CSFB) stuften die SAP-Aktie hoch oder erhöhten ihre Kursziele.

Daran konnte auch der sehr zurückhaltende Ausblick des SAP-Managements, das mit einem weiterhin "schwierigen Marktumfeld" rechnet, nichts ändern. "Auf Grund der derzeitigen wirtschaftlichen Entwicklung ist damit zu rechnen, dass Kunden weiterhin vorsichtig in Unternehmens-Software investieren werden", hieß es. Trotz der Skepsis des SAP-Managements werten einige Branchenbeobachter die Zahlen als Zeichen für eine wieder anziehende Nachfrage nach Unternehmenssoftware. "Das kann man als Trendwende deuten", sagte ein IT-Experte und verwies auf Äußerungen von US-Wettbewerbern von SAP.

Vor kurzem hatte Oracle-Finanzchef Jeff Henley erklärt, er sei "optimistisch für das Jahr 2002". Das Schlimmste sei überstanden. Auch Gregory Bradley, Vorstandschef von I2 Technologies, hatte von einer wieder steigenden Nachfrage berichtet. I2 ist Konkurrent von SAP im Bereich der SCM-Software zur Steuerung der Zulieferkette.

Die genauere Analyse der wenigen ersten Zahlen von SAP gibt allerdings Hinweise darauf, dass auch einige Sondereffekte die Umsätze der Walldorfer im vierten Quartal nach oben getrieben haben. So ist der überraschend hohe Lizenzumsatz im vierten Quartal unter anderem auf im dritten Quartal verschobene Aufträge zurückzuführen. David Clayton von CSFB spricht in diesem Zusammenhang von einem "Quartal mit vier Monaten".

Das allein dürfte den Erfolg im Lizenzgeschäft allerdings nicht erklären. Beobachter gehen davon aus, dass SAP trotz der Marktschwäche auch ein oder zwei Großaufträge hereinholen konnte. Damit hätte sich das Walldorfer Unternehmen von der allgemeinen Branchenentwicklung abgekoppelt, die vor allem durch kleine Projekte geprägt ist. Überraschend ist zudem, dass SAP trotz des starken vierten Quartals sowie gesenkter Kosten bei der operativen Ergebnismarge lediglich die ursprünglich angepeilten 20 % erreicht hat. Vieles spricht dafür, dass das Unternehmen tatsächlich eine deutlich höhere Marge hätte ausweisen können. Das wiederum deutet auf umfassende Investitionen des Walldorfer Konzerns hin.

Das Geld dürfte in die Wachstumsmärkte SCM und CRM (Kunden-Management), aber auch in die neue Technologie-Plattform " mySAP-Technology" fließen, die künftig als Integrations-Basis für sämtliche EDV-Prozesse eines Unternehmens dienen soll. Gleichzeitig arbeiten die Walldorfer aber auch in ihrem alten Stammgeschäft an neuen Programmen für die Personalverwaltung und das Finanzwesen. Offensichtlich will das Management aggressiver als bislang gegen altbekannte Wettbewerber wie Siebel und die wieder erstarkte Peoplesoft antreten. Siebel hat neben dem Schwerpunkt CRM auch eine starke Position im Finanzwesen, Peoplesoft hat seinen Ursprung im Personal-Management.

Ob SAP das positive Umfeld dazu nutzen wird, eine Wandelanleihe auszugeben, ist dagegen weiterhin offen. Seit längerem ist bekannt, dass das Management entsprechende Vorbereitungen getroffen hat, um mögliche Zukäufe zu finanzieren.

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