Softwarekonzern stellt Windows XP vor
Microsoft - Top oder Flop?

Microsoft gewährt erstmals einen Einblick in das neue Betriebssystem Windows XP. Die Analysten sind sich uneins darüber, ob die neue Produktstrategie zum Erfolg führt. Unterdessen ist Rick Belluzzo zum neuen Chief Operating Officer (COO) ernannt worden.

rje/wsj/dpa-afx SEATTLE/REDMOND. Microsoft-Gründer Bill Gates ist der Zeremonienmeister, wenn es gilt, neue Produkte seines Hauses vorzustellen. Am Dienstag war wieder Showtime in Seattle. In dem von Microsoft Mitgründer Paul Allen initierten Rock-Musik-Museum "Experience Music Project" zeigte Microsoft ein halbes Jahr vor dem Verkaufsstart eine erste Vorschau auf das neue Betriebssystem Windows XP. Die Software wird über eine neue grafische Benutzeroberfläche gesteuert und soll sich dem Anwender "intuitiv" erschließen. XP steht laut Gates für "Experience" (Erfahrung) und ist seit Windows 95 die erste größere Weiterentwicklung des Betriebssystems. "Wir haben bei der Entwicklung von XP auf unsere User gehört", meinte Gates. Mit der gestern vorgestellten Beta-Version sollen nun umfangreiche Praxistests anlaufen. Wie teuer das neue Produkt sein wird, wollte Gates noch nicht verraten.

Microsoft-Aktie heiß diskutiert

Eine neue Erfahrungen machen zurzeit auch die Anleger, wenn es um die Microsoft-Aktie geht. Sie müssen miterleben, wie immer mehr Analysten ihr Urteil über die Microsoft-Aktien ändern. Merrill-Lynch-Analyst Henry Blodget, der einstige "Web-Cheerleader", macht sich Sorgen über die Absatzchancen von Microsoft in einem schrumpfenden PC-Markt. Er revidierte vor kurzem seine Einschätzung von "buy" auf "accumulate".

Blodget glaubt, dass Microsoft seine Absatzerwartungen für Windows-Betriebssystem zu optimistisch eingeschätzt habe. Zudem fielen für die Entwicklung und Vermarktung der Xbox-Videospiel-Console hohe Kosten an. Der Experte rechnet mit Investitionen in Höhe von mindestens 700 Mill. Dollar in diesem Jahr, was etwa 3 Prozent des gesamten Umsatzes entspricht. Trotzdem sei es für das Unternehmen erforderlich, neue Projekte wie Xbox zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.

Wendell Laidley, Analyst bei Credit Suisse First Boston, empfiehlt die Aktie zwar immer noch zum Kauf, ist sich aber nicht sicher, ob die .Net-Strategie tatsächlich aufgeht. "Microsoft hat zurzeit mehr Herausforderungen zu bewältigen, als jemals zuvor", meint der Analyst. Vor allem müssten die Softwareentwickler überzeugt werden, mit den neuen Entwicklungswerkzeugen zu arbeiten.

Rick Sherlund, Analyst bei Goldman Sachs, ist dagegen weiterhin ein Freund der Microsoft-Aktie. "Windows XP könnte den PC-Absatz ankurbeln", glaubt der Experte, denn das neue Betriebssystem sei leichter zu bedienen und biete einige interessante Neuerungen. Darunter neue Abspielsoftware für DVD-Videos und Musikdateien sowie ein Programm, mit dem die Benutzer ihre digitale Fotosammlung anschauen und archivieren können. Außerdem sei XP schneller als alle Vorgängerversionen.

Dennoch glaubt Sherlund, dass der PC-Absatz aller Hersteller zunächst noch weiter zurückgehen wird, bevor es zu einer Erholung kommt.

Personelle Veränderungen an der Unternehmsspitze

Rick Belluzzo ist zum neuen Chief Operating Officer (COO) und zum Präsidenten ernannt worden. Das Unternehmen gab am Mittwoch außerdem den Rücktritt des bisherigen COO Bob Herbold bekannt.

Herbold werde Microsoft weiterhin bei Industrie, Regierung und Kundenkreisen vertreten. Belluzzo trat im September 1999 bei Microsoft ein. Vorher war er Vorstandsvorsitzender von Silicon Graphics Inc und zuvor Vizepräsident bei Hewlett-Packard. "Rick übernimmt eine noch verantwortlichere Rolle in der Microsoft-Führung", sagte Microsoft-CEO Steve Ballmer. Belluzzo ist in seiner neuen Position verantwortlich für Geschäftsstrategie, Verkauf, Marketing, Geschäftsentwicklung sowie für die Neu-Geschäft außerhalb des Computer-Bereichs.

"Mit Ricks Übernahme von mehr Verwantwortungsbereichen werde ich mich mehr um Microsofts Gesamtstrategie kümmern und eng mit Bill (Gates) und den Leitern unserer Produktteams zusammenarbeiten", erklärte Ballmer.

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