Softwarekonzern will mit Internetfirma Unternehmensportale verkaufen
SAP kooperiert mit Yahoo

SAP nutzt die Schwäche der US-Internetbranche, um in den USA verlorenen Boden gutzumachen: Der Konzern verbündet sich mit Yahoo. Gemeinsam will man Firmenportale anbieten.

jkn/su NEW YORK. Der deutsche Softwareriese SAP AG dringt aggressiv in den amerikanischen Markt vor. Der größte europäische Anbieter von E-Business-Software gab gestern in New York eine Allianz mit dem amerikanischen Internetunternehmen Yahoo bekannt. Beide Unternehmen wollen gemeinsam Portale für Unternehmen anbieten. Die im Dax notierten SAP-Vorzüge reagierten auf die Nachricht mit einem deutlichen Plus von knapp 6 %.

SAP - Intraday-Chart
Yahoo - Drei-Monatsverlauf

Ziel der Allianz, der keine gegenseitige Kapitalbeteiligung zu Grunde liegt, ist die Entwicklung eines neues Produkts auf dem Markt der Unternehmensportale. Darunter werden Computeroberflächen verstanden, die für Mitarbeiter, Kunden, Aktionäre oder andere Partner von Firmen alle relevanten Informationen zusammenführen. Das Portal soll ab dem zweiten Quartal dieses Jahres verfügbar sein. "Das Unternehmensportal von SAP und Yahoo ist das beste, was der Markt derzeit zu bieten hat", zeigte sich SAP-Chef und Mitgründer Hasso Plattner in New York selbstbewusst.

Das Vorgehen von SAP in den USA überrascht. Gerade der dortige Markt für Unternehmensportale und Onlinemarktplätze hat zurzeit mit massiven Problemen zu kämpfen. Analysten sehen den Markt als weitgehend gesättigt an. Mit Ariba, Commerce-One, I2-Technologies oder Broadvision mussten in den vergangenen Tagen nahezu alle prominenten Namen der Branche Gewinnwarnungen verschicken. Hinzu kommt die deutliche Abschwächung der US-Wirtschaft, die zur Folge hat, dass Unternehmen ihre IT-Budgets zeitlich strecken oder kürzen.

Umfassende Anzeigenkampagne im Silicon Valley

Doch Plattner sieht offensichtlich angesichts der Schwäche der Branche gute Chancen für eine Offensive. So plant er nach Handelsblatt-Informationen eine umfassende Anzeigenkampagne im Silicon Valley, dem Herzen der New Economy. Gezielt sollen bei US-Konkurrenten Mitarbeiter abgeworben werden. Noch vor rund eineinhalb Jahren hatte SAP in den USA unter einer massiven Kündigungswelle gelitten. Viele SAPler waren damals zu den jungen US-Firmen gewechselt.

Bereits Ende vergangener Woche hatte SAP die Übernahme des nicht börsennotierten SAP-Partners Top-Tier bekannt gegeben. Top-Tier ist spezialisiert auf Software für Unternehmensportale. Der Zukauf war bei Analysten vor allem wegen des hohen Kaufpreises - SAP zahlt 400 Mill. Dollar bei einem Umsatz von 20 Millionen Dollar - auf Skepsis gestoßen. Allerdings verwiesen Experten auf die prominente Kundenliste von TopTier. Der Neuerwerb soll nun in die neue Tochter SAP-Portals eingebracht werden, deren Gründung SAP gestern ebenfalls bekannt gab.

Außerdem werden unter dem Dach der neuen Tochter noch die Geschäftsbereiche "mySAP Workplace" und "mySAP Business Intelligence" sowie die E-Portal-Tochter E-SAP zusammengefasst. Zunächst sollen 700 Mitarbeiter die Arbeit bei SAP-Portal aufnehmen. Chef des jüngsten SAP-Sprosses mit Sitz in Palo Alto wird der Top-Tier-Vorstandsvorsitzende Shai Agassi.

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