Softwareriese drängt in neue Märkte
Mobilfunker flirten mit Microsoft

Schritt für Schritt kommt Softwareriese Microsoft bei seinem Einstieg in den Mobilfunkmarkt voran. Seit Herbst ist das Smartphone des britischen Anbieters Orange mit der Handy-Software aus Kalifornien im Angebot. Im Sommer folgt in Deutschland ein Modell von T-Mobile.

vwd HANNOVER. Jetzt sucht der US-Konzern weitere Partner: "Wir sprechen mit allen wichtigen Netzbetreibern", sagte Marketing-Direktor Robbie Wright auf der CeBIT. Diese halten sich bedeckt, sind aber zumindest einem Flirt nicht abgeneigt.

Analysten erwarten jedoch kaum, dass die Betreiber in erster Linie auf Microsoft bauen. Vermutlich werde das System Marktanteile gewinnen, eine Dominanz wie bei PC sei aber unwahrscheinlich. Das System von Microsoft ist eine Alternative zur Symbian-Software, die ein Konsortium um Nokia und Motorola entwickelt hat und das auch die anderen Hersteller einsetzen. Die Netzbetreiber, die entscheiden müssen, welches System sie verwenden, wollen sich derzeit beide Möglichkeiten offen halten. Auf der Hightechmesse in Hannover äußern sie sich deshalb zurückhaltend.

So sieht sich O2 als "neutraler Beobachter": Man behalte die Entwicklung im Auge. Auch Vodafone bezieht nicht abschließend Stellung. "Die Frage nach dem Betriebssystem ist für uns zweitrangig", sagt Unternehmenssprecher Jens Kürten in Hannover. Entscheidend sei die Benutzerführung. Derzeit laufe kein Vodafone-Handy mit Microsoft. Auszuschließen sei dies künftig aber nicht.

Tanz auf allen Hochzeiten

Rene Obermann, Vorstandsvorsitzender von T-Mobile, betont, für das Unternehmen sei es wichtig, in beiden Lagern präsent zu sein - deshalb die frühzeitige Entscheidung für eine Kooperation mit Microsoft. Der Manager sieht in dem Kampf der Systeme auch einen Vorteil für den Verbraucher: Der Einstieg der Gates-Gruppe in die Handy-Software belebe den Wettbewerb und könne für zusätzliche Anwendungen sorgen.

Auch bei E-Plus wird der erwartete zusätzliche Wettbewerb begrüßt: "Er ist positiv, egal ob er durch Microsoft kommt oder jemand anders", sagte Unternehmenssprecherin Catrin Glücksmann. Man werde sich alle Systeme ansehen - und dann die einsetzen, die dem Kunden am meisten nutzten.

Schulterschluss der Handyproduzenten

Skeptiker sehen Microsoft die Handywelt in Zukunft genauso dominieren wie den PC-Markt: Mit hohem Margendruck für die Hersteller der Rechner, mit üppigen Gewinnspannen bei der Software. Nokia, Motorola, Samsung und die anderen klassischen Anbieter bleiben bei den Kooperationen bisher außen vor. Das Gerät von Orange liefert der vergleichsweise unbekannte Hersteller HTC aus Taiwan. Das neue Marketingmodell, bei dem der Netzanbieter und nicht mehr der Hersteller im Vordergrund steht, zwingt die etablierten Handyproduzenten nun zum Schulterschluss.

Unmittelbar nachdem vor wenigen Wochen die Nachricht von der Allianz zwischen T-Mobile und Microsoft aufschlug, beteiligte sich Samsung an Symbian, obwohl die Koreaner als einziger großer Hersteller auch mit Microsoft zusammenarbeiten. Beobachter glauben derzeit aber nicht, dass Microsoft ihren Erfolg bei PC-Betriebssystemen auf dem Handymarkt wiederholen kann. Für Nicolas von Stackelberg, Analyst bei Sal. Oppenheim, sind die Kalifornier auf dem Feld des Mobilfunks noch der "kleine" Herausforderer, mit dem die Netzbetreiber Druck auf die etablierten Hersteller ausüben könnten.

Kein Interesse an Microsoft-Vormacht

Die Betreiber sind die wichtigsten Kunden, haben aber bislang keinen Einfluss auf die Geräte - für sie ist Nokia fast so etwas wie Microsoft für die PC-Produzenten. Deshalb werde Microsoft sicher weitere Marktanteile auf dem Mobilfunkmarkt gewinnen. Aber niemand in dieser Industrie habe ein Interesse daran, dass Microsoft auch hier vollständig die Oberhand gewinne, sagt Stackelberg. So sei ein gravierender Nachteil, dass Microsoft ihren Quellcode nicht veröffentliche. Nokia gebe ihrern Code dagegen preis und damit zur Weiterentwicklung frei.

Für den Verbraucher ist nach Ansicht des Analysten die Frage des Systems indes zunächst nicht entscheidend; mit Symbian sei ein Smartphone nicht schwieriger zu bedienen als mit Microsoft-Innenleben. Weniger Chancen räumt Stackelberg der Software von Linux ein. Ein Smartphone mit diesem System bringt Motorola auf den Markt. Doch da Linux keine Lizenzgebühren koste, sei auch kein Geld da, um es einheitlich weiterzuentwickeln.

Für Theo Kitz, Analyst bei Merck Finck, können die Microsoft-Handys nur eine Ergänzung sein. "Eine ernsthafte Bedrohung werden sie zum Beispiel für Nokia wohl nie werden - Millionen von Kunden wollen ein Markenhandy, und das wird sich noch lange nicht ändern.", meint Kitz. Handys seien schließlich auch ein Modeartikel. Der Pferdefuss sei zudem, dass die Betreiber das System von Microsoft nicht selbst weiterentwickeln könnten. Denn die Mobilfunkindustrie basiere auf offenen Standards.

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