Softwareunternehmen räumt mangelnde Sorgfalt ein
Infomatec droht Anzeige wegen fehlerhafter Ad hoc-Mitteilungen

ap AUGSBURG. Dem Augsburger Softwareunternehmen Infomatec droht eine Strafanzeige wegen fehlerhafter Ad hoc-Mitteilungen. Zwei Vorstände des am Neuen Markt gelisteten Unternehmens hätten den Kurs mit geschönten Mitteilungen in die Höhe getrieben, erklärte die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) am Mittwoch in Frankfurt am Main. Die SdK werde daher so schnell wie möglich Anzeige erstatten, sagte Sprecherin Reinhild Keitel. Die Staatsanwaltschaft solle prüfen, ob die Tatbestände des Kursbetrugs und des Insiderhandels erfüllt würden. Das Unternehmen räumte ein, "unsauber kommuniziert" zu haben.

Infomatec hatte seine Jahresprognose am Dienstag nach unten korrigiert. Der Umsatz mit internetbasierenden Endgeräten sei unter den Erwartungen geblieben, erklärte das Unternehmen. Außerdem stellte es zwei Ad hoc-Mitteilungen von vergangenem Herbst richtig, in denen Aufträge bekannt gegeben beziehungsweise angekündigt worden waren.

"Entgegen einer Ad hoc-Mitteilung vom 13. September 1999, in der ein Auftrag des Unternehmens Global Wellcom in Höhe von 55 Mill. DM bekannt gegeben wurde", heiße es in der Rahmenvereinbarung: "Global Wellcom und Infomatec AG haben sich das Ziel gesetzt, 100 000 Surfstations gemeinsam (...) zu vermarkten." Außerdem sei am 16. November ein Auftrag der WorldWide Database Company angekündigt worden. Nach "langwieriger und eingehender Prüfung der unterschriebenen Dokumente bezüglich deren Verbindlichkeit" komme Infomatec aber zu dem Schluss, "dass keine weiteren Umsätze aus diesem Projekt zu erwarten sind". Als Folge rechne das Unternehmen für das Gesamtjahr nur noch mit einem Umsatz von 50,1 Mill. Euro (rund 98 Mill. DM) und einem Ergebnis vor Zinsen, Steuer, Abschreibungen und Goodwill-Amortisation (EBITDA) von Minus 25,9 Mill. Euro. Prognostiziert war ein Jahresumsatz von 90 bis 100 Mill. Euro.

Kurseinbruch der Aktie

Nach dieser Mitteilung sei der Kurs am Mittwoch bis auf sechs Euro eingebrochen, erklärte die SdK.

Hier der Intraday-Chart

Im Vorjahr habe die Aktie auf Grund der positiven Unternehmensnachrichten bei über 60 Euro gelegen. Möglicherweise seien noch mehr Mitteilungen fehlerhaft gewesen, sagte Keitel. Die SdK fordere auch das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel auf zu prüfen, ob die Vorstände die vermutlich falschen Darstellungen genutzt hätten, um Aktien aus ihrem Bestand zu verkaufen.

Infomatec-Sprecherin Rianne Biesters sagte, seit 1. Juli habe das Unternehmen ein neues operatives Management. Neben Verträgen seien frühere Ad hoc-Mitteilungen geprüft worden. Dabei sei festgestellt worden, dass teilweise "unsauber kommuniziert" worden sei. Anhaltspunkte für Absicht gebe es nicht. "Mein Eindruck ist, dass unsorgfältig formuliert wurde", sagte sie. Das sei "sehr, sehr unerfreulich". Jetzt setze das Unternehmen auf "transparente Kommunikation". Um den Schaden zu begrenzen habe sie dafür plädiert, "die Leichen, die wir im Keller haben, bekannt zu geben".



Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%