Sogar Kahn ist voll des Lobs
Nach der Pflicht wächst Hoffnung auf erfolgreiche EM-Kür in Portugal

Kaum war die Pflicht erfüllt, schürten die deutschen Nationalspieler auch schon Hoffnungen auf eine glanzvolle Europameisterschafts-Kür. Der beim 3:0 gegen Island überzeugende Schlusspunkt unter eine wechselhafte Ausscheidungsrunde befreite Teamchef Rudi Völler und sein Personal von einer Zentnerlast und machte Platz für neue Fußball-Visionen.

HB HAMBURG. "In dieser Mannschaft steckt Erfahrung und Qualität. Da ist bei der Europameisterschaft einiges möglich", blickte Kapitän Oliver Kahn erwartungsfroh auf die Endrunde vom 12. Juni bis 4. Juli 2004 in Portugal. Das Quartier an der Algarve hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bereits bis zum Finale durchgebucht.

Die ganze Anspannung der vergangenen Wochen mit Völlers Wutrede in Reykjavik, dem Befreiungsschlag gegen Schottland und dem Happy-End gegen Island entlud sich in den Minuten nach dem Abpfiff. Erst feierten Ballack & Co mit der "La-Ola-Welle" Verbrüderung mit den glückseligen Fans, danach lagen sie sich in der Umkleidekabine in den Armen. Bundesinnenminister Otto Schily beglückwünschte jeden Spieler per Handschlag und herzte Völler. Der bedankte sich in einer kurzen Ansprache "für die tolle Moral und die absolut professionelle Einstellung". Der DFB schüttete nicht nur 1,5 Mill. ? Qualifikations-Prämien an die Spieler aus, sondern stellte ihnen für den sofortigen Heimflug Sondermaschinen nach München, Köln und Frankfurt zur Verfügung.

"Die Stärke der deutschen Mannschaft ist ihre Geschlossenheit", schwärmte Stürmer Fredi Bobic vom "Wettbewerbs-Charakter" des DFB - Teams. "Wenn die ganzen Verletzten zurückkehren, dann haben wir einen schlagkräftigen Kader, der bei der EM etwas reißen kann", prophezeite Verteidiger Christian Wörns. Der derzeit dienstälteste Nationalspieler, der nach der WM mit konstanten Leistungen in der Abwehr zu einer unverzichtbaren Größe neben Torwart Kahn und Regisseur Michael Ballack aufgestiegen ist, pries die Verjüngungskur in höchsten Tönen: "In der Truppe steckt Begeisterung, und das kommt vor allem von den jungen Spielern."

In der ausverkauften AOL-Arena waren es allerdings in erster Linie die Etablierten, die die letzten Steine auf dem Weg nach Portugal aus dem Weg räumten: Der trotz Fußverletzung auftrumpfende Ballack (9.) und Fredi Bobic (59.) besorgten die 2:0-Führung, und Wörns hielt in den kritischen Minuten um das wegen Foulspiels nicht anerkannte Ausgleichstor von Hreidarsson (58.) die Hintermannschaft zusammen. "Seine Leistung war ohne Worte, absolute Weltklasse", meinte Völler, der sichtlich erleichtert war: "Ich bin froh, dass ich nicht zur Auslosung der Relegationsspiele nach Franfurt muss. Da sind ein paar Länder in der Lostrommel, gegen die ich erst bei der EM spielen möchte."

Während Hochkaräter wie Spanien, Niederlande, die Türkei oder Kroatien zittern müssen, wurde die seit 1970 ununterbrochen bei Welt- und Europameisterschaften mitspielende DFB-Auswahl dem Ruf als Qualifikations-Meister gerecht. Trotz einiger Rückschläge überstand sie die Ausscheidung ungeschlagen, nur Titelverteidiger Frankreich dominierte seine Gruppe deutlicher als das deutsche Team, das sich mit vier Punkte Vorsprung vor Schottland durchsetzte. "Es war immer schwer, aber wir haben es immer geschafft", sagte der 34-jährige Kahn nach "meinem letzten Qualifikationsspiel für Deutschland".

Da die DFB-Elf bei der WM 2006 im eigenen Land gesetzt ist, bestreitet sie in den kommenden drei Jahren außer der EM nur noch Testspiele. Mit sieben Partien, zunächst am 15. November gegen Frankreich, will Völler sein EM-Personal sichten. "Die Jungen machen unheimlich Druck. Es herrscht ein großer Konkurrenzkampf, der nur förderlich sein kann", betonte Wörns. Während Kräfte wie Jens Nowotny, Christoph Metzelder, Thorsten Frings, Sebastian Deisler, Paul Freier und Dietmar Hamann mit Macht auf eine Rückkehr drängen werden, droht für manchen Langzeit-Verletzten das Aus. Dazu zählen die "Linksfüßler" Christian Ziege und Jörg Böhme. Ihre Konkurrenten Rahn und der gegen Island verletzt fehlenden Tobias Rau haben bei Völler Pluspunkte gesammelt.

"Für die jungen Spieler waren die Partien gegen Schottland und jetzt gegen Island wichtige Erfahrungen, die sie weitergebracht haben", urteilte Völler. Der zeigte sich einmal mehr von den Qualitäten des von ihm zur Leitfigur erhobenen Ballack überzeugt. "Es zeichnet ihn ganz besonders aus, dass er oft derjenige ist, der das erste oder das entscheidende Tor erzielt. Das macht ihn so wertvoll."

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