Sogar Volkswagen macht mit
Big Business auf Big Island

Stärke, Ausdauer, Disziplin, Opfergabe: Wenn Hawaii zum Ironman ruft, kommen die Masochisten dieser Welt und ermitteln jene, die beim großen Leiden als Erste das Ziel erreichen.

KONA. Madame Pele ist momentan zornig.Die Vulkangöttin vom Big Island spuckt nicht nur heftig Feuer und Lava, sie ist auch nach dem Glauben der Einheimischen für die Großwetterlage zuständig. Und da zeigte sich die geschätzte Madame beim Empfang der Triathleten aus aller Welt als schlechte Gastgeberin. Mein Gott,

Es regnete am Dienstag im Inselparadies in Strömen, so dass der traditionelle Umzug der Teilnehmer durchs Fischerstädtchen Kona wortwörtlich ins Wasser fiel und verschoben werden musste. Höhere Gewalt. Doch kein Grund, sich die gute Laune verderben zu lassen. Kona ist schließlich Kult. Hawaii als Geburtsort des Ironman-Triathlon das Nonplusultra für jeden Athleten, der an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit gehen will.

Am Samstag um 7 Uhr Ortszeit (19 Uhr MESZ) wird wie in jedem Jahr die Startkanone an der Kailua-Pier den mörderischen Wettkampf für 1 500 Eisenmänner und Eisenfrauen aus 50 Ländern eröffnen. Die Profis und Amateure werden zunächst durchs Wasser pflügen - 3,8 km im tiefblauen Pazifik. Danach ist Radfahren angesagt. 180 km durch die Lavawüste. Starke Winde, große Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit. Zum Abschluss rennt man beim berühmtesten Langstrecken-Triathlon der Welt noch einen Marathon über 42,195 km. Es ist eine kollektive Orgie des Leidens, die sich der amerikanische Marine-Offizier John Collins 1978 ausdachte. Jetzt steht die Quälerei in drei Akten bereits zum 26. Mal unter Palmen und der sengenden Sonne auf dem Programm extremer Menschen.

Ironman-Queen Paula Newby-Fraser charakterisierte den Ausdauerwettbewerb einmal als "Trip in die Hölle". Und Thomas Hellriegel (Bruchsal), 1997 Sieger beim historischen deutschen Dreifach-Triumph, fiel zum Ironman ein: "Man muss Masochist sein, um hier zu starten."

Während 1978 bei der Premiere nur 15 Hartgesottene um den Titel stritten, kämpfen heutzutage bei den weltweit ausgetragenen Qualifikations-Wettkämpfen allein Zigtausende um die Fahrkarte nach Hawaii. Aus der einst belächelten Schnapsidee ist ein Big Business geworden und Ken Strominger verweist stolz darauf, dass zufolge einer Untersuchung "80 Prozent der erwachsenen Amerikaner den Begriff Ironman und dessen Bedeutung kennen". Tendenz steigend.

Strominger ist ein netter durchtrainierter Schnurrbartträger, der als Marketingchef der World Triathlon Corporation (WTC) mit Sitz in Tarpon Springs (Florida) einen Expansionskurs mit dem Markennamen Ironman betreibt. "Wir müssen die Ironman- Botschaft noch stärker nach Europa bringen", erklärt Strominger, der von der besonderen Magie der ultracoolen Wortschöpfung überzeugt ist und sogar mit einem Ironman-Büro in Deutschland liebäugelt.

Die Kassen klingelten in den vergangenen Jahren vor allem in den USA gewaltig, weil Strominger geschickt die Klaviatur vom Ironman- Image der "Stärke, Ausdauer, Disziplin, Opfergabe und des besonderen Engagements" spielten. Es passt bestens ins werbeträchtige Bild der unermüdlichen Eisenmänner, dass in diesem Jahr mit Norton Davey ein 84-Jähriger Amerikaner an den Start gehen wird. Vermutlich greift auch der Oldie im Training zum offiziellen Ironman-Energieriegel und den Ironman-Vitaminen (TwinLab), zur Ironman-Sonnencreme und zum Ironman-Fahrrad. Firmen wie Timex, Foster Grant und Michelin setzen auf die Werbekraft des Ironman-Begriffs und in diesem Jahr gewann die Triathlon-WM auf Hawaii erstmals Volkswagen America als Sponsor.

"Nach oben gibt es keine Grenzen", glaubt Ken Strominger, der mit dem Ironman Hawaii eine besondere Trumpfkarte in der Hand hält: "Dieses Ereignis ist wie der Super Bowl im Football, das Kentucky Derby im Pferdesport, Wimbledon im Tennis." Die große Tradition des Triathlon-Gipfels lockt nicht nur Athleten sondern auch freiwillige Helfer aus aller Welt an. Rund 7 000 sind es, die entlang der Strecke stehen und Bananen, Getränke und Wasserschwämme reichen werden. "Sie sind ein Glücksfall", meint der Marketingchef, der sich auch über einen neuen Fernsehdeal freuen kann. Der TV-Gigant NBC verlängerte den Ironman-Vertrag um weitere fünf Jahre, womit das Network in schwierigen Medienzeiten eine Lanze für das Triathlon-Spektakel brach.

Um den herausragenden Stellenwert zu unterstreichen, erhöhten die Organisatoren in Kona das Preisgeld auf 435 000 Dollar. Es wird auf die Top Ten der Männer und Frauen in gleichen Teilen ausgeschüttet, wobei die Sieger jeweils 100 000 Dollar bekommen. Beim starken Geschlecht ist der Vorjahressieger TimDeBoom (USA) der große Favorit, wobei sich die deutschen Asse Thomas Hellriegel, Lothar Leder und Normann Stadler Chancen auf einen Podiumsplatz ausrechnen.

Doch mit Prophezeiungen über den Rennausgang scheint es auf Hawaii so eine Sache zu sein. Madame Pele ist, dass weiß seit Dienstag jeder, in der Vollmondwoche unberechenbar.

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