Solana: Nato wird bei Entwaffnung von Rebellen helfen
Mazedonien sucht Ausweg aus der Krise

afp SKOPJE/GÖTEBORG. Nach der einseitigen Ausrufung einer Feuerpause durch die albanischen Rebellen in Mazedonien will die Regierung am Wochenende in einer Klausur über die endgültige Lösung des Konflikts beraten. Präsident Boris Trajkovski und die Vorsitzenden der beiden slawischen und albanischen Parteien wollen an geheimem Ort mögliche Verfassungsänderungen zugunsten der albanisch-stämmigen Bevölkerung erörtern.

In einer am Donnerstagabend veröffentlichten Erklärung hatte die "Nationale Befreiungsarmee" (UCK) eine Waffenruhe bis zum 27. Juni ausgerufen. Damit solle ein Beitrag zur politischen Lösung des seit vier Monaten andauernden Konflikts geleistet werden. Allerdings wurde die Waffenruhe nach Armeeangaben bereits kurz nach ihrer Verkündung wieder gebrochen. Die Nato will bei der Entwaffnung der Rebellen in Mazedonien helfen.

Feuerpause ab Mitternacht

Die Feuerpause trete am Freitag um 00.00 Uhr in Kraft, hatte der politische Führer der UCK, Ali Ahmeti auf der offiziellen UCK-Website erklärt. Die Rebellen hatten zuvor einen eigenen Friedensplan vorgelegt. Darin machen sie die Stationierung einer NATO-Truppe zur Bedingung für die Niederlegung ihrer Waffen. Zudem fordern sie Verhandlungen über den Status der albanischen Minderheit im Land.

Bei ihrer Klausurtagung wollen sich die politisch Verantwortlichen auf Reformen einigen, die der Guerilla den Wind aus den Segeln nehmen soll. Der Dialog werde über "alle Themen, auch die schwierigsten und heikelsten" geführt, sagte Trajkovski. Bisher wehren sich die slawischen Parteien in der Regierung gegen mehr Rechte für die Albaner, weil sie die Spaltung des Landes fürchten. Die UCK hat im Februar den bewaffneten Kampf für mehr Rechte zugunsten der albanisch-stämmigen Bevölkerung in Mazedonien aufgenommen. Dazu zählt das Verlangen nach Anerkennung des Albanischen als zweite Amtssprache sowie ein Verfassungszusatz, der die Albaner auch neben den Slawen als gleichberechtigtes Staatsvolk ausweist. Die ethnischen Albaner in der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik machen etwa ein Drittel der Bevölkerung aus.

Mazedonische Regierungstruppen und albanische Rebellen lieferten sich in der Nacht zum Freitag nahe der Stadt Kumanovo vereinzelt Schusswechsel. Zu den Schießereien kam es nach den Worten eines Sprechers der mazedonischen Streitkräfte kurz nach Inkrafttreten der Feuerpause.

EU-Beratungen

Die 19 Mitglieder der Nato wollten noch am Freitag über ein Hilfsersuchen der mazedonischen Regierung bei der Entwaffnung der Rebellen beraten, wie der außenpolitische Repräsentant der EU, Javier Solana, am Rande des EU-Gipfels in Göteborg sagte. "Ich glaube, die Antwort wird ja sein", fügte Solana hinzu. Er betonte, es handele sich aber nur darum, Waffen der Rebellen einzusammeln. Auf dem NATO-Gipfel am Mittwoch in Brüssel war ein umfassendes Eingreifen des Bündnisses in Mazedonien abgelehnt worden. Solana war am Donnerstag zusammen mit NATO-Generalsekretär George Robertson nach Skopje gereist.

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR verließen mehr als 28 000 Menschen innerhalb von einer Woche Mazedonien. Die große Mehrheit sei ins angrenzende Kosovo vor den Kämpfen geflohen, sagte UNHCR-Sprecher Kris Janowski in Genf. Mehrere tausend suchten aber auch in der Türkei Zuflucht.

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