Solana trifft Arafat
Palästinenser zu Wiederaufnahme von Gesprächen bereit

Die Palästinenser sind zur Wiederaufnahme der Sicherheitsgespräche mit Israel bereit. Dies sagte der EU-Beauftragte für Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, am Montag nach einem Treffen mit Palästinenserpräsident Jassir Arafat.

dpa RAMALLAH/JERUSALEM. Arafat habe eingewillt, dass die Gespräche unter US- Beteiligung am Dienstag fortgesetzt werden, sagte Solana in Ramallah. In der Nacht zum Montag hatten die Palästinenser zunächst alle politischen und Sicherheitskontakte zu Israel eingefroren, weil Arafat Ramallah nach einer israelischen Kabinettsentscheidung weiterhin nicht verlassen darf.

Arafat sagte am Montagabend, er könne sich der Bitte "unserer europäischen Freunde" nicht widersetzen. "Da kann ich nicht Nein sagen", meinte Arafat. Er betonte, die Palästinenser fühlten sich weiterhin dem Friedensprozess verpflichtet. Solana, der sich zuvor mit dem israelischen Außenminister Schimon Peres getroffen hatte, betonte, beide Seiten müssten sich auf eine Waffenruhe einigen. Der militärische Arm der Fatah-Bewegung Arafats, die Al-Aksa-Brigaden, bekannten sich am Montagabend zu zwei Anschlägen in Jerusalem und bei Bethlehem, bei denen zwei Israelis getötet und zehn verletzt worden waren.

Am frühen Abend feuerte ein Palästinenser an einer Bus-Endstation in Nord-Jerusalem in die wartende Menge und verletzte zehn Menschen, meldete Radio Israel. Der Attentäter erhielt von Sicherheitskräften einen lebensgefährlichen Kopfschuss. Wie sich später herausstellte, handelte der Palästinenser allein; es gab keinen zweiten Täter. Bei einem Überfall im südlichen Westjordanland wurden am Nachmittag zwei Israelis getötet und zwei weitere verletzt, darunter eine Hochschwangere. Bewaffnete Palästinenser schossen südlich von Bethlehem auf eine israelische Fahrzeugkolonne. Die Angreifer konnten entkommen. In beiden Fällen bekannten sich die Al-Aksa-Brigaden zu den Anschlägen.

In der Nacht zum Montag hatten israelische Soldaten im Westjordanland erneut zwei Palästinenser erschossen, ein dritter starb Stunden später an seinen Verletzungen. Eine Frau wurde nach Angaben des israelischen Rundfunks getötet, nachdem sie mit einem Messer auf einen Kontrollposten zugerannt sei. Und zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden feuerten Soldaten nach Angaben des Senders auch auf ein Auto, das eine hochschwangere Palästinenserin zur Entbindung in die Klinik nach Nablus bringen sollte. Dabei wurde der 22-jährige Ehemann getötet; sein 62-jähriger Vater erlag am Abend laut palästinensischen Angaben seinen Verletzungen. Die Schwangere, die an der Schulter verletzt wurde, hatte inzwischen ein gesundes Baby zur Welt gebracht.

Nach knapp drei Monaten zog die israelische Armee Montag früh ihre Panzer aus der Umgebung von Arafats Hauptquartiers zurück. Sie bezogen neue Stellungen kurz hinter der Stadtgrenze. Das israelische Sicherheitskabinett hatte am Sonntag beschlossen, dass sich der seit Anfang Dezember unter Hausarrest stehende Arafat vorerst nur innerhalb der Autonomiestadt Ramallah frei bewegen darf. Für Fahrten in die Palästinensergebiete außerhalb Ramallahs müsse Arafat Israels Ministerpräsidenten Ariel Scharon um Genehmigung bitten.

Sonntagabend hatten israelische Soldaten an einem Kontrollpunkt nördlich von Jerusalem den Wagen des palästinensischen Parlamentspräsidenten Ahmed Kurei beschossen. Mehrere Schüsse trafen nach Augenzeugenberichten den gepanzerten Wagen; dabei wurde jedoch weder Kurei noch einer seiner Begleiter verletzt. Kurei gilt als möglicher Nachfolger von Arafat. Außenminister Peres drückte in einem Telefonat mit Arafat sein Bedauern über den Zwischenfall aus.

Neue Bewegung in den Nahost-Friedensprozess könnte ein Vorschlag des saudischen Kronprinzen Abdullah bringen. Der israelische Präsident Mosche Katzav erklärte sich am Montag zu einem Besuch in Saudi-Arabien bereit, um Einzelheiten der Friedensinitiative zu besprechen. Der Plan des Kronprinzen sieht unter anderem vor, dass sich Israel auf alle Positionen vor Beginn des Sechs-Tage-Krieges von 1967 zurückzieht. Im Gegenzug sollen die arabischen Länder Israel diplomatisch anerkennen und Sicherheitsgarantien abgegeben.

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