Solana zu Gesprächen in Skopje
Kein Ende der Gewalt in Mazedonien in Sicht

Mit Panzern und Artillerie haben die mazedonischen Streitkräfte am Montag ihre Offensive gegen albanische Separatisten fortgesetzt. Der Außenpolitische Repräsentant der EU, Javier Solana, bemühte sich unterdessen in Skopje, mäßigend auf die Regierung einzuwirken.

ap SKOPJE. Das russische Außenministerium zeigte sich angesichts der zunehmenden Spannungen besorgt. Nach Ansicht des früheren US-Botschafters bei den Vereinten Nationen, Richard Holbrooke, droht in Mazedonien ein fünfter Balkankrieg.

Ein mazedonischer Militärsprecher bezeichnete das Vorgehen der Streitkräfte am Montagmorgen gegen albanische Separatisten nahe der Stadt Kumanovo im Norden des Landes als Säuberungsaktion. Er berichtete von einem Rebellenangriff am Abend zuvor auf eine Armeepatrouille in der nahe gelegenen Ortschaft Lojane. Die Soldaten hätten das Feuer erwidert und die Rebellen neutralisiert, sagte Blagoje Markovski.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ging indessen Behauptungen der Regerung nach, die Separatisten hielten hunderte Zivilisten als menschliche Schutzschilde fest. IKRK-Sprecherin Annick Bouvier sagte am Montag, eine Delegation habe die Dörfer Vaksince und Slupcane aufgesucht, um sich um das Schicksal der dort zurückgebliebenen Zivilisten zu kümmern. Die Regierung hatte die Bewohner zum Verlassen der Orte aufgerufen, nachdem diese von den Separatisten besetzt worden waren.

In Kellern halten sich noch rund 2 000 Bewohner auf. Die IKRK-Sprecherin sagte, die Lage sei sehr verworren. Man habe den Eindruck, dass die Menschen sich nicht von ihren Verwandten trennen wollten. Man könne aber nicht ausschließen, dass die Leute dort gegen ihren Willen festgehalten würden. Bouvier zufolge evakuierte das IKRK 13 Menschen, darunter zwei Schwangere und zwei Kinder.

Solana wollte am Montag mit Vertretern aller Parteien zusammentreffen. Bei seiner Ankunft in Skopje am Sonntagabend sicherte er Mazedonien die Unterstützung der Europäischen Union zu. Die EU-Außenminister appellierten am Sonntag an die Regierung, nicht den Kriegszustand auszurufen. Ministerpräsident Ljbuco Georgievski hatte zuvor erklärt, man erwäge die Ausrufung des Kriegszustands. Arben Xhaferi, der Chef der größten Partei der Albaner in Mazedonien, sagte nach einem Treffen mit Solana, seine Demokratische Partei werde sich aus der Regierung zurückziehen, wenn der Kriegszustand ausgerufen werden sollte. Der mazedonische Präsident Boris Trajkovski sagte wegen der Spannungen im Land einen für Montag geplanten Besuch in der Türkei ab.

Moskau für härteres Vorgehen gegen Separatisten

Das russische Außenministerium rief die mazedonische Regierung und die internationale Gemeinschaft auf, den albanischen Separatisten Einhalt zu gebieten. Die Gespräche führender internationaler Vertreter über Vereinbarungen zwischen den Volksgruppen und Ermahnungen der albanischen Führer reichten offenkundig nicht aus, sagte ein Sprecher in Moskau. Es seien wirksame Maßnahmen nötig, um die Aktivitäten der albanischen Kämpfer zu beenden und deren Stützpunkte im benachbarten Kosovo zu zerschlagen.

Holbrooke sagte in einem Interview der "Berliner Zeitung" (Montagsausgabe), Mazedonien drohe ein fünfter Balkankrieg. Der Krieg habe möglicherweise sogar schon begonnen. Nur eine sehr starke amerikanisch-europäische Kooperation könne einen Balkankrieg verhindern, sagte Holbrooke.

Robertson warnt Mazedonien vor Abgleiten in Krieg

Nato-Generalsekretär George Robertson hat Mazedonien vor dem Abgleiten in einen offenen Krieg gewarnt. Die Antwort gegen "kriminelle Extremisten" müsse angemessen sein, sagte Robertson am Montag in der Hauptstadt Skopje. Mazedonien stehe am Rande eines Abgrunds, sagte Robertson.

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