Soldaten könnten in große Gefahr geraten
Friedensschluss in Skopje stellt Nato vor Dilemma

Die Nato steckt nach dem Friedensschluss zwischen Albanern und slawischen Mazedoniern in einem Dilemma. Bleibt die Allianz untätig, könnten die Kämpfe wieder aufflammen. Schickt sie zu frühzeitig Soldaten zur Entwaffnung der albanischen Rebellen, könnte sie in eine Falle tappen.

Reuters SKOPJE. Alex Standish, Redakteur der Militärfachzeitschrift "Jane's Intelligence Digest" in London, rät der Allianz zu äußerster Vorsicht: "Unter den derzeitigen Umständen eine Nato-Friedenstruppe einzusetzen, wäre der Gipfel der Torheit". Die Nato-Soldaten liefen Gefahr, zwischen die Fronten zu geraten.

Auch in diplomatischen Kreisen herrschte nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens vom Montag Skepsis, dass der Vertrag tatsächlich das Ende des bewaffneten Aufstandes der Albaner markiert. "Papier ist geduldig", sagte ein Diplomat. Möglicherweise komme die Übereinkunft zu spät, um Mazedonien vor dem Abgrund eines Bürgerkrieges zu retten.

Erschwert wird die Friedenssuche auch durch den Umstand, dass die Rebellen nicht mit am Verhandlungstisch saßen. Das Abkommen wurde von den albanischen Parteien mit den slawischen Regierungsparteien ausgehandelt. Zwar haben die Rebellen von der Albanischen Befreiungsarmee (UCK) erklärt, das Abkommen unterstützen zu wollen. Doch ob sie tatsächlich zur Entwaffnung bereit sind, bleibt abzuwarten.

Auch in der mazedonischen Presse herrschte nach dem Friedensschluss Skepsis vor. Die Zeitung "Dnevik" stellte die Vertragsunterzeichnung in einer Karikatur dar, in der die Albaner das Papier mit Patronenkugeln unterzeichneten, während die Slawen zum Füllfederhalter griffen. Die Zeitung "Nova Makedonia", die dem nationalistischen Lager von Ministerpräsident Ljubco Georgievski nahe steht, schrieb, alles komme nun darauf an, dass die Rebellen ihre Hände von den russischen Kalaschnikow-Sturmgewehren ließen.

Nato-Generalsekretär George Robertson betonte nach dem Friedensschluss, die Nato sei entschlossen, die Entwaffnungsaktion umzusetzen. Dazu sollen 3500 Nato-Truppen für 30 Tage in das Balkanland geschickt werden. Voraussetzung soll jedoch sein, dass die Aufständischen zur freiwilligen Abgabe der Waffen bereit sind. Nach Ansicht von Jane's-Redakteur Standish hat die slawische Bevölkerung Mazedoniens jedoch Vorbehalte gegen die Nato. Sie werde von Slawen vornehmlich als Unterstützerin der Albaner wahrgenommen, da sie im Kosovo-Krieg zu Gunsten der moslemischen Volksgruppe interveniert hatte.

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