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Soldaten räumen Fehler in Coesfeld ein

Im Skandal um Misshandlungen von Bundeswehr- Soldaten haben Ausbilder Fehler eingeräumt, die Vorwürfe aber als übertrieben bezeichnet. Zugleich geriet Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) wegen seiner scharfen Drohungen bei den Beschuldigten in die Kritik.

dpa BERLIN. Im Skandal um Misshandlungen von Bundeswehr - Soldaten haben Ausbilder Fehler eingeräumt, die Vorwürfe aber als übertrieben bezeichnet. Zugleich geriet Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) wegen seiner scharfen Drohungen bei den Beschuldigten in die Kritik.

Die Vorfälle im münsterländischen Coesfeld sind nach Angaben des zuständigen Ermittlers inzwischen weitgehend aufgeklärt. Laut "Spiegel" wurden mindestens vier junge Soldaten bei fingierten "Geiselbefragungen" mit Stromstößen gequält. Einem Rekruten hätten Ausbilder eine Zigarette im Nacken ausgedrückt. Zahlreiche Ausbilder seien während der Exzesse alkoholisiert gewesen. Nach Informationen der Zeitung "Die Welt" geht das Verteidigungsministerium mittlerweile von 30 Tätern aus.

Hinweise aus der Westfalen-Kaserne in Ahlen, wo es auch zur Misshandlung von Soldaten gekommen sein soll, werden ebenfalls untersucht. Details zu Art und Umfang der Quälereien sind noch nicht bekannt.

Ein Unteroffizier der Coesfelder Kompanie sagte der "Bild"-Zeitung: "Die meisten von uns haben nichts falsch gemacht." Er betonte jedoch: "Die Rekruten mit Stromstößen zu quälen war falsch." Im Magazin "Focus" räumte ein Ausbilder ein, dass jungen Soldaten während einer simulierten Geiselnahme die Augen mit Halstüchern verbunden und die Hände mit Kabelbindern zusammengeschnürt worden sein. "Es wurde aber immer gefragt, ob die Fesseln zu fest wären - sonst hätten wir sie gelockert", sagte der Mann.

Nach Darstellung eines Coesfelder Rekruten haben sich viele der Misshandelten in einer internen Besprechung nach der umstrittenen Übung bei ihren Ausbildern beklagt. "Der Unteroffizier hat sich mit dem Argument gewehrt, er sei auf seinen Auslandseinsatz auch so vorbereitet worden. Wir sollten doch froh sein, dass wir so eine gute Grundausbildung bekommen", sagte der junge Mann dem "Kölner Stadt- Anzeiger" (Samstag).

Verteidigungsminister Struck ordnete eine Überprüfung in der gesamten Bundeswehr an. In einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag" drohte er an, Vorstöße unnachgiebig zu ahnden: "Ausbilder, die Untergebene misshandeln, haben in der Bundeswehr nichts zu suchen. Sie müssen ihren Rock ausziehen."

Die Beschuldigten fühlen sich im Stich gelassen: "Der Grundsatz, im Zweifel für den Angeklagten, gilt für den Minister nicht: Er sagt einfach, wir werden alle rausgeschmissen", sagte ein Soldat der "Bild". Ein inzwischen vom Dienst suspendierter Mann sagte "Focus": "Mich ärgert, das wir jetzt alle in einen Topf geschmissen werden." Ein anderer warf dem Minister vor, "dass er vorschnell urteilt und die Ermittlungen nicht abwartet".

Der zuständige Ermittler, General Ernst-Heinrich Lutz, sieht die Coesfelder Vorfälle weitgehend aufgeklärt. "Zu den Misshandlungen ist es an vier Tagen im Juni und August während der Gefechtsausbildung gekommen", sagte der Chef des Heerestruppenkommandos den "Ruhr- Nachrichten". "Das waren eigenmächtige Handlungen der Vorgesetzten ohne jede Befehlsgrundlage von höherer Stelle."

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