Soldaten sprengten Kirchentor
Acht Tote nahe Geburtskirche

Das Drama um die Geburtskirche in Bethlehem spitzt sich zu. Die Leichen von acht Palästinensern sind am Freitag nahe der Geburtskirche in Bethlehem gefunden worden.

dpa BETHLEHEM. Nach Angaben des israelischen Rundfunks wiesen die Körper Zeichen von schwerer Gewaltanwendung auf. Sie seien auf israelisches Gebiet gebracht worden. Nähere Angaben wurden vorerst nicht bekannt. Israelische Soldaten hatten nach Angaben des Bürgermeisters und eingeschlossener Geistlicher ein Tor der griechisch-orthodoxen Kirche gesprengt. Damit seien die Truppen bis direkt vor die Tore der Geburtskirche vorgedrungen, wo sich rund 200 zum Teil bewaffnete Palästinenser und Zivilisten verschanzt haben, sagte Bürgermeister Hana Nasser am Freitag.

Ein eingeschlossener franziskanischer Mönch sagte über Mobilfunk, in der Kirche lägen fünf verletzte Palästinenser, einer davon mit schweren Wunden. Das Tor der orthodoxen Kirche sei etwa 30 Meter von der Grotte entfernt, in der nach christlicher Überlieferung Jesus geboren wurde. Ein Militärsprecher dementierte die Sprengung des Tores und sprach von "Gerüchten". Die israelische Armee hatte wiederholt betont, die Soldaten hätten die Anweisung, keine heiligen Stätten anzugreifen.

"Wir haben Angst vor einer Eskalation", sagte der Mönch. "Wenn die israelischen Soldaten in die Kirche eindringen, befürchten wir Kämpfe in der Kirche. Das wäre ein Massaker." Im Konvent befindet sich auch der Gouverneur der palästinensischen Autonomie-Behörde Bethlehems, Mohammed Madani. Über Mobilfunk teilte er mit: "Ich habe mit den Militanten in der Kirche nichts zu tun." Er vermittele zwischen den Bewaffneten in der Kirche und den Mönchen im angrenzenden Kloster. Der Franziskaner sagte, die Palästinenser seien aus Angst in den Konvent eingedrungen, aber die Mönche hätten sie wieder in die Kirche zurück gedrängt. Dort schliefen die Menschen auf dem Steinboden. "Wir haben fast kein Essen mehr", sagte der Mönch.

Unter den Eingeschlossenen befinden sich nach Madanis Angaben Mitglieder der palästinensischen Tourismusgarde, die die heiligen Stätten bewachen, palästinensische Sicherheitskräfte und andere ihm nicht bekannte Männer. Der Franziskaner sagte, in der Kirche seien 150 teilweise bewaffnete Palästinenser und etwa 30 Zivilisten. Im Konvent harrten 35 Geistliche aus, darunter vier Nonnen.

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