Soldaten und Zivilpersonen unter den Opfern
Mindestens 32 Tote bei Anschlag in Kaschmir

Bei einem Rebellenangriff auf einen Bus und ein Armeelager im indischen Teil Kaschmirs sind am Dienstag nach Militärangaben 32 Menschen getötet worden, darunter zahlreiche Zivilisten.

Reuters JAMMU. Die drei Angreifer waren indischen Armeeangaben zufolge mit mit indischen Militäruniformen getarnt. Sie eröffneten das Feuer in einem Bus, als dieser in die Nähe des Armeelagers kam. Dann stürmten sie in das Lager und schossen im Bereich der Unterkünfte der Soldaten um sich. Bei dem Angriff wurden 29 Menschen getötet. Unter den Opfern seien auch Frauen und Kinder, die in dem Lager 15 Kilometer südlich von Jammu wohnten. Zudem seien Dutzende Menschen verletzt worden.

Indien machte für den Anschlag zwei von Pakistan aus operierende Rebellengruppen verantwortlich, denen es bereits im Dezember den Anschlag auf das indische Bundesparlament angelastet hat. Die Angreifer seien getötet worden. "Sie hatten Kalaschnikows und feuerten wild um sich", sagte ein indischer Armeesprecher in Jammu, der Winterhauptstadt des Bundesstaates Jammu und Kaschmir. "Sie hatten Handgranaten und Sprengsätze." Die Sprengsätze hätten sie in die Soldatenunterkünfte im Lager gelegt.

"Als wir ausstiegen, begannen sie zu schießen"

Indische Militärs berichteten, die Insassen des Busses seien zum Aussteigen aufgefordert worden. "Als wir ausstiegen, begannen sie zu schießen", berichtete ein Fahrgast im Fernsehen: "Einige starben, einige wurden verletzt. Drei Frauen wurden getötet, darunter meine Frau."

Es war der folgenschwerste Zwischenfall im Kaschmir-Konflikt, seit dem Angriff auf das Parlament in Neu-Delhi. Damals hatten fünf Selbstmordattentäter neun Menschen in den Tod gerissen. Danach hatten Indien und Pakistan an ihrer Grenze Truppen stationiert und in Kaschmir Gefechtsstellungen bezogen. Es kam wochenlang zu Gefechten, obwohl unter anderem die USA beide Seiten zur Zurückhaltung aufgerufen hatte. Indien wirft dem moslemischen Pakistan vor, Moslem-Gruppen zu unterstützen, die für den Anschluss Kaschmirs an Pakistan kämpfen. Pakistan hat einige dieser Gruppen inzwischen verboten.

Die USA verurteilten die Tat. "Das ist die Art von Barbarentum, das der Krieg gegen den Terrorismus stoppen soll", sagte US-Vizeaußenministerin Christina Rocca während ihres Besuchs in Neu-Delhi. Die USA versuchen seit der Verschärfung der Spannungen im Winter zwischen Pakistan und Indien zu vermitteln.

Zu früh für Schuldzuweisungen

In Pakistan sagte ein Sprecher von Präsident Pervez Musharraf, es sei noch zu früh für Schuldzuweisungen. Man müsse erst genau wissen, was passiert sei. Der Sprecher warf Indien vor, bei Übergriffen auf die moslemische Bevölkerung in Kaschmir täglich ein Dutzend Menschen zu töten.

Die Nachbarländer haben seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien 1947 drei Kriege gegeneinander geführt, darunter zwei um die Himalaya-Region Kaschmir, die seit Beginn des Streits zwischen den beiden Länder geteilt ist. Mittlerweile besitzen beide Länder Atomwaffen. Seit Ausbruch der Unruhen in Kaschmir vor zwölf Jahren sind schätzungsweise 33 000 Menschen ums Leben gekommen. Der indische Bundesstaat Jammu und Kaschmir ist der einzige dieses Landes, in dem Moslems und nicht Hindus in der Mehrheit sind.

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