Soldaten wollen derzeit nicht eingreifen: Briten drücken bei Plünderungen beide Augen zu

Soldaten wollen derzeit nicht eingreifen
Briten drücken bei Plünderungen beide Augen zu

Aus Schulen, Krankenhäusern oder Hotels in Basra wird weggeschafft, was nicht niet- und nagelfest ist. Hunderte von Menschen packen Kühlschränke, Schreibmaschinen und vieles mehr auf ihre Karren. Sogar ein Piano ist darunter.

HB/dpa LONDON/BASRA. Plünderungen sind nach dem Einmarsch britischer Soldaten und dem Zusammenbruch der örtlichen Machtstrukturen in der zweitgrößten irakischen Stadt an der Tagesordnung - und die neuen Herren schauen zu.

"Verurteilen Sie uns nicht dafür. Wir hatten nichts seit so langer Zeit und jetzt müssen wir uns nehmen, was wir eben können", beschreibt einer der Plünderer einem britischen Zeitungsreporter die Situation. Er holt sich Teile einer Klimanalage aus seiner ehemaligen Universität. "Es ist so heiß, und wir haben keine in unserem Haus", entschuldigt er sich für den Diebstahl.

Der britische Generalmajor Peter Wall hat Verständnis für die Menschen und findet es in Ordnung, das die britischen Truppen in der Stadt angesichts der Plünderungen beide Augen zudrücken. "Das ist eben die erste Reaktion der Menschen nach 20 Jahren Unterdrückung", sagt er. Auch der britische Militärsprecher Al Lockwood meint, die Leute würden nach der Befreiung erst einmal "Dampf ablassen". Aber "das kann ganz schnell wieder zu Ende sein".

Die britischen Einheiten wollen derzeit nicht eingreifen und sind eher damit beschäftigt, noch vorhandene Widerstandsnester auszuheben und sich gegen Scharfschützen zur Wehr zu setzen. Die öffentliche Ordnung werde wieder hergestellt, sobald alle Gefahren für die Truppen beseitigt seien, heißt es. Nach Angaben von Militärsprecher Chris Vernon wird aber bereits daran gearbeitet: "Wir sprechen mit der örtlichen Polizei über Hilfe bei der Wiederherstellung von Recht und Gesetz." Die Plünderungen seien aber ohnehin nicht von großer Bedeutung.

In den kommenden Tagen wollen die Briten vor allem humanitäre Hilfe ins Zentrum ihren Handelns rücken und die Bevölkerung in erster Linie mit Trinkwasser versorgen. Viele Menschen in Basra aber haben angesichts der Plünderungen Angst und berichten Reportern von ihren existenziellen Sorgen: "Wir brauchen kein Wasser und keine Lebensmittel. Wir brauchen Ruhe und Frieden, vor allem in der Nacht."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%