Archiv
Solidarität aus Eigeninteresse

Die meisten deutschen Fußball-Fans haben Grund zum Jubeln: Nach der Sommerpause spielt endlich wieder die Bundesliga, der VfB Stuttgart qualifizierte sich für den Uefa-Cup, der FC Bayern München für die Champions League.

Die Stadien an den ersten drei Spieltagen waren voll wie nie zuvor, die Spiele torreich. Und an der Spitze stehen mit dem VfL Bochum und Hansa Rostock zwei absolute Außenseiter, gerne auch "Graue Mäuse" genannt. Kühne Sportjournalisten vergleichen den Höhenflug der beiden Underdogs bereits mit dem 1. FC Kaiserslautern, der 1998 als Aufsteiger direkt Meister wurde. Einzig die Drohung der ARD, dass Heribert Faßbender die Europameisterschaft 2004 kommentieren wird, stört da am Rande.

Also alles okay in der Liga? Das ganze Gerede von der drohenden sportlichen Langeweile ob der finanziellen Dominanz der "Großen Fünf" Borussia Dortmund, Bayern München, Bayer Leverkusen, Schalke 04 und Hertha BSC Berlin nicht mehr zeitgemäß? Ist damit die Forderung von Bochums Präsident Werner Altegoer, die Liga-TV-Gelder wieder weniger leistungsbezogen an die Vereine zu verteilen, hinfällig? Sollte im Gegenteil am besten gleich die zentrale Vermarktung der Fernsehrechte zugunsten eines dezentralen Verkaufs durch die Vereine selbst ersetzt werden?

Das wäre nach dieser Momentaufnahme zu kurz gedacht. Eine gewisse sportliche Ausgeglichenheit ist unersetzlich für den langfristigen Erfolg einer Liga. Und da man sich im Fußball Erfolg kaufen kann, sind die Finanzen auf längere Sicht entscheidend. Daher sollte - auch nach Ansicht von liberalen Sportökonomen - in diesem speziellen Fall der wirtschaftliche Wettbewerb der Klubs eingeschränkt werden, um den sportlichen Wettbewerb dauerhaft zu ermöglichen. Und nur den wollen die Massen sehen. Bestes historisches Beispiel sind New York Yankees. Die Baseballer gewannen in den 50er Jahren fünf Mal hintereinander die World Series. Gähn. Als sie im Jahr danach schlechter spielten und nicht mehr ihren Titel verteidigen konnten, kamen wieder mehr Zuschauer zu den Spielen. Dies Phänomen ging als das Yankee-Syndrom in die Sportgeschichte ein.

Ein abschreckendes Beispiel zeigt sich gerade in Italien. Dort werden die Pay-TV-Rechte seit Jahren von den einzelnen Klubs verkauft. In diesem Jahr kommt die Rechnung: Acht kleine Vereine haben noch keinen Sender gefunden. Die großen Klubs aus Mailand, Rom und Turin kassieren hingegen bis zu 50 Millionen Euro. Zudem will der Staatssender Rai für die Free-TV-Rechte, welche die Liga zentral verkauft, nicht mehr 90 sondern gut 50 Millionen Euro pro Jahr an die Liga zahlen. Die kleinen Vereine trifft es also gleich doppelt. Deren Forderung, den Ligastart um zwei Wochen zu verschieben und so noch Verträge aushandeln zu können, hat von den großen Klubs einzig der AS Rom unterstützt. Der kassiert zwar 37,2 Millionen Euro aus dem Pay-TV-Vertrag. Dennoch hat Präsident Franco Sensi alle reichen Klubs aufgefordert, einen Teil ihrer Pay-TV-Einnahmen abzugeben. Solidarität, die sich auf lange Sicht auszahlt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%