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Solidarität zeigt Wirkung

Im Grund sind sich alle E-Mail-Nutzer einig: Massenhaft versandte elektronische Post ist eher eine Pest denn ein Segen. Doch wie immer gibt es Ausnahmen zu dieser Regel.

Ein Berufungsgericht in Nigeria hat kürzlich - nicht zuletzt aufgrund internationalen Drucks - die 35 Jahre alte Safiya Hussaini Tungar-Tudu vor dem Tod durch Steinigen bewahrt, nachdem sie vergewaltigt worden war. Ihr war Ehebruch vorgeworfen worden. Sogar die Europäische Union richtete einen Gnadenappell an die nigerianische Regierung. Amnesty International hatte mehr als 600 000 Unterschriften gegen ihre Steinigung gesammelt. Auch diverse Internet-Unterschriftenlisten wurden von hunderttausenden Usern unterstützt.

Im Fall Safiya hat die internationale Aufmerksamkeit ihre positive Wirkung gezeigt - nicht zuletzt durch das massive Bekanntwerden ihres Falles mittels Ketten-E-Mails. Ich selbst habe in den Wochen vor dem Urteil des Berufungsgerichtes von drei verschiedenen Seiten drei verschiedene Petitions-Aufrufe erhalten. Mit Links versehen, die direkt zu den Hintergrund-Informationen des Falles und einer virtuellen Unterschriftenliste führen, sind diese E-Mails eine nicht zu unterschätzende Informationsquelle.

Aus Furcht vor einer internationalen Isolierung hatte die nigerianische Regierung Bundesstaaten mit Scharia-Recht angewiesen, Urteile wie Steinigungen für Ehebrecher und das Abtrennen von Händen für Diebe nicht länger zu verhängen. Im Januar war in Nigeria das erste Urteil nach Scharia-Recht vollstreckt worden: Im Bundesstaat Katsina wurde ein Mann wegen mehrfachen Mordes gehängt.

Gestern veröffentlichte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International aktuelle Zahlen über die weltweit vollstreckten Todesurteile. Die Zahl der Hinrichtungen hat sich nach Erkenntnissen von Amnesty International 2001 mehr als verdoppelt. In 31 Ländern seien insgesamt mindestens 3 048 Menschen hingerichtet worden, teilte die Amnesty in London mit. Im Jahr 2000 seien es 1 457 gewesen.

Zum Tode verurteilt wurden den Amnesty-Angaben zufolge im vergangenen Jahr 5 265 Menschen in 68 Ländern. Die tatsächliche Zahl der Hinrichtungen liege höher als die angegebenen 3 048, da viele Länder zu niedrige Zahlen angäben. Amnesty forderte die Uno-Menschenrechtskommission auf, alle Staaten zur sofortigen Einhaltung eines Moratoriums für die Todesstrafe aufzufordern.

"Im Widerspruch zum Völkerrecht gab es auch Hinrichtungen von minderjährigen Tätern - Menschen, die für Verbrechen verurteilt wurden, die sie begangen hatten, als sie jünger als 18 waren", berichtete Amnesty. "Drei solcher Hinrichtungen wurden 2001 bekannt: in Iran, Pakistan und den USA." Der dramatische Anstieg der Exekutionen im vergangenen Jahr sei vor allem China anzulasten. Dort seien allein zwischen April und Juli des vergangenen Jahres 1781 Menschen hingerichtet worden - "mehr als die Gesamtzahl aller Menschen, die im Rest der Welt in den vorhergehenden drei Jahren hingerichtet wurden".

"Die Zahlen für China, Iran, Saudi-Arabien und die USA machen 90 Prozent aller 2001 bekannt gewordenen Hinrichtungen aus." 111 Länder hatten die Todesstrafe bis Ende des Jahres abgeschafft, drei mehr als ein Jahr zuvor.

Auf der Website von Amnesty Deutschland (www.amnesty.de) gibt es ständig Aufrufe, an E-Mail-Aktionen teilzunehmen.

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