Solide Bilanzen statt Wachstum: Auch in Amerika backen Manager wieder kleine Brötchen

Solide Bilanzen statt Wachstum
Auch in Amerika backen Manager wieder kleine Brötchen

Die Wachstums-Phantasien aus den Boom-Jahren haben vorerst ausgedient. Statt dessen bringen amerikanische Manager lieber ihr Haus in Ordnung. Solides Wirtschaften ist angesagt.

NEW YORK. Amerikanische Konzernlenker achten immer stärker darauf, dass die Zahlen stimmen. Wachstum spielt nur noch eine zweitrangige Rolle. Nach den Boom-Zeiten der späten Neunziger Jahre ist solides Wirtschaften angesagt.

Das prominenteste Beispiel für den neuen Trend ist Jeffrey Immelt, der Nachfolger von Jack Welch. Der 47-Jährige, der seit September 2001 an der Spitze des Mischkonzerns General Electric (GE) steht, hat sich von dem schon traditionellen Ziel verabschiedet, jährlich ein Gewinnwachstum von zehn Prozent abzuliefern. Während Welch vor allem auf die Finanztochter GE Capital baute, stärkt Immelt wieder das klassische Kerngeschäft. Gleichzeitig will Immelt künftig mehr Informationen in seine Quartals- und Jahresberichte packen.

Immelt reagiert damit auf die Kritik von Investoren und Analysten. Sie hatten im vergangenen Jahr Zweifel an der Qualität der Gewinne geäußert. Der Konzern sei zu unübersichtlich, die Jahresberichte nicht ausführlich genug, hieß es. Es wurde sogar die Sorge laut, ob die Zuwächse überhaupt aus dem eigentlichen Geschäft resultierten oder nicht viel eher auf Bilanztricks sowie die Akquisitionspolitik zurückgingen. Immerhin tätigte GE im Schnitt mehr als 100 Zu- und Verkäufe pro Jahr. So warf Robert Friedman von der Rating-Agentur Standard & Poor?s GE vor, heikle Bilanzierungsmethoden benutzt zu haben.

GE ist kein Einzelfall: So haben die Manager der US-Fluggesellschaften im vergangenen Jahr vor allem eines betrieben: Krisenmanagement. Die amerikanischen Fluglinien produzierten im abgelaufenene Jahr einen Verlust von insgesamt 10 Mrd. Dollar. Die UAL-Corp.-Tochter United Airlines musste im Dezember Gläubigerschutz beantragen.

Auch bei Delta Air Lines summierten sich im vergangenen Jahr Verluste in Höhe von 1,3 Mrd. Dollar. Dennoch steht die Fluggesellschaft besser da als viele Konkurrenten. Unter der Führung von Leo Mullin hat die Airline seit den Terroranschlägen vom 11. September insgesamt 16 000 Stellen gestrichen. "Wir haben schon jetzt Kostenstrukturen, die bei anderen Anbietern erst durch den Druck des Gläubigerschutzes durchgesetzt wurden", sagte der Delta-Chef vor kurzem.

Auch in der Auto-Industrie steht Konsolidierung hoch im Kurs: Der Gründerenkel William Ford verordnete dem angeschlagenen Autokonzern Ford zu Beginn des vergangenen Jahres eine drastische Restrukturierung. Bis zum Jahr 2005 will er insgesamt 35 000 Stellen streichen, fünf Fabriken in Nordamerika schließen und einen Gewinn von 2 Mrd. Dollar jährlich erwirtschaften.

Der Konkurrent General Motors Corp. hat diese Schritte bereits früher früher eingeleitet und steht deshalb heute vergleichsweise gut da.

Selbst in der Wachstumsbranche Pharma haben sich die meisten Unternehmen mittlerweile ganz auf das Kerngeschäft konzentriert. Größe allein gilt in der Branche nicht mehr als Erfolgsrezept. Die Folge: Ängstlich schauen viele Konzernlenker auf ihre künftige Produktpalette. In den Labors reifen zu wenig interessante Medikamente heran. Nun sollen kleinere Zukäufe Abhilfe bringen. Die Unternehmen steigen bei kleineren Biotech-Unternehmen mit vielversprechenden Entwicklungen ein, oder sie erwerben Lizenzen fremder Produkte.

Selbst die im vergangenen Sommer angekündigte Mega-Übernahme von Pharmacia Corp. durch Pfizer Inc. mit einem Wert von 54 Mrd. Dollar ist keine Ausnahme. Pfizer-Chef Henry McKinnell geht es weniger um Größe als vielmehr um den Zugang zu den Forschungslabors. Letztlich folgt auch Pfizer dem Konsolidierungsdruck. So hat McKinnell im Dezember die Kaugummi- und Bonbon-Tochter Adams für insgesamt 4,2 Mrd. Dollar an den britischen Konzern Cadbury Schweppes abgestoßen. Und im Januar folgte der Verkauf der Rasiertochter Schick Sword-Wilkinson an Energizer Holdings.

Auch an der IT-Industrie ist der Trend zur Konsolidierung nicht vorbeigegangen. Das wohl eindrucksvollste Beispiel: Die 20 Mrd. Dollar teure Übernahme-Schlacht der Hewlett Packard-Chefin Carly Fiorina um den Druckerhersteller Compaq. Von Wachstum ist das gemeinsame Unternehmen jedoch immer noch weit entfernt. Bisher konnte HP sein Ergebnis nur durch Kostensenkungen verbessern, nicht aber durch neues Geschäft.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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