"Solide Liquidität"
Commerzbank tritt fester auf die Bremse

Auch die Commerzbank dreht weiter an der Kostenschraube. Mit einer zweiten massiven Sparwelle und zusätzlichem Personalabbau will die Frankfurter Großbank den Fall in die Verlustzone verhindern. Gleichzeitig betonte Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller, das Institut habe derzeit weder einen Liquiditätsengpass noch unerwartete Probleme im Kreditgeschäft.

rtr/dpa WASHINGTON. "Die Bank erfreut sich einer unverändert soliden Liquidität", sagte Müller in Washington. Der Bankchef reagierte verärgert auf entsprechende Marktspekulationen der vergangenen Woche, die den Commerzbank-Aktienkurs deutlich belastet hatten. "Dank einer effizienten Risikosteuerung haben wird unsere Probleme im Griff. Deshalb sollte die Existenz der Bank nicht hinterfragt werden."

Vorstandschef Klaus-Peter Müller hat allerdings noch einmal die Sparschrauben angezogen und für 2003 ein ehrgeiziges Ziel vorgegeben. Die Personal- und Sachkosten müssen nochmals um zehn Prozent reduziert werden. Nach 5,5 (2001: 6,2) Mrd. ? im laufenden Jahr sind nun für 2003 "unter fünf Milliarden" die neue Messlatte. Dies bestätigte Commerzbank-Sprecher Ulrich Ramm am Montag in Frankfurt.

Die anhaltende Krise im Bankgewerbe und an den Kapitalmärkten wird wie bei der Konkurrenz mit zusätzlichem Stellenabbau beantwortet. Details dazu seien aber noch nicht festgelegt, betonte Ramm. Nachdem in der ersten Sparwelle vor allem die Sparten Firmen- und Privatkunden mit zahlreichen Filialschließungen betroffen waren, sind nun die Frankfurter Konzernzentrale, das Investmentbanking und die Auslandsaktivitäten ins Visier der Rationalisierer gerückt. Bislang hatte die Commerzbank von 4 300 Stellenstreichungen gesprochen. Zuvor waren bereits 1 700 Stellen nicht mehr besetzt worden. 2001 arbeiteten in der gelben Bank weltweit noch 39 000 Personen.

Müller sagte in Washington weiter, die Bank werde wegen der zu erwartenden Belastungen aus der jüngsten Flutkatastrophe die Risikovorsorge in diesem Jahr erhöhen. "Wir rechnen bei der Risikovorsorge 2002 jetzt mit rund 1,3 Mrd. ? statt der bisher angesetzten 1,1 Milliarden." Zugleich verabschiedete sich die drittgrößte börsennotierte Geschäftsbank Deutschlands endgültig von ihrem operativen Gewinnziel von 700 bis 800 Mill. ? für 2002. "Eine seriöse Ergebnisprognose für das Gesamtjahr ist wegen der Unsicherheit an den Finanzmärkten und der volatilen Ertragsentwicklung nicht möglich." So seien die Monate August und September - wie für alle Banken - "wenig erfreulich" verlaufen.

Commerzbank-Sprecher Ramm wurde da schon etwas konkreter. Die neue Orientierung laute nun: "Operativ schwarz bleiben", sagte Ramm. Immerhin kann sich die gelbe Bank rühmen, im 1. und 2. Quartal überhaupt noch einen operativen Gewinn erreicht zu haben. Die unmittelbare Konkurrentin Dresdner Bank musste dagegen einen Betriebsverlust von 947 Mrd. ? ausweisen.

2001 hatte die Bank vor Steuern 43 Mill. ? verdient. Im zweiten Quartal dieses Jahres hatte das Institut vor Steuern mit 25 Mill. ? gerade noch schwarze Zahlen geschrieben, nachdem in den ersten drei Monaten operativ noch 153 Mill. ? verdient worden waren.

Spekulationen über einen Liquiditätsengpass der Commerzbank wies Müller zurück. Müller betonte, die Bank habe ihre Risikosteuerung im Kreditbereich im Griff und erziele im Mittelstandsgeschäft mit Kunden von Umsätzen zwischen 250 Mill. bis 2,5 Mrd. ? eine Eigenkapitalrendite von mehr als 15 % nach Steuern.

Für die größten Einzelengagements - rund 350 Mill. ? bei der insolventen Kirch Media und gut 150 Mill. ? bei Babcock Borsig - sei die gebildete Risikovorsorge ausreichend. Die Commerzbank könne sich der schwierigen Situation in der gesamten Finanzbranche nicht entziehen. "Die Banken haben derzeit den stärksten Gegenwind seit 30, 40 Jahren." Vor diesem Hintergrund sei es angemessen und nachvollziehbar, wenn etwa die Rating-Agentur Moody's den Ausblick für die Einstufung von Commerzbank, Hypo-Vereinsbank und Deutscher Bank jüngst auf "Negativ" von "Stabil" revidiert habe. Von der Serie spektakulärer Krisen und Pleiten im In- und Ausland wie Argentinien, Brasilien sowie Enron, Worldcom, Mobilcom, Swissair und Fairchild blieb die Bank weitgehend verschont. Am vergangenen Dienstag hatte die Investor-Relations-Abteilung der Commerzbank Marktgerüchte über einen drohenden operativen Verlust aus dem Kreditgeschäft als diffamierend und ohne Grundlage zurückgewiesen.

Kosmetisch aufgewertet wird zudem die Bilanz im 3. Quartal durch die Hypothekentochter Rheinhyp, die in die gemeinsame Hypothekenbank mit der Dresdner und der Deutschen Bank eingebracht wurde. Daraus fließt ein außerordentlicher Gewinn von 700 Mill. ?. Der Verkauf des US-Vermögensverwalters Montgomery soll ebenfalls noch 2002 über die Bühne gehen. "Geplant ist ein Abschluss noch in diesem Jahr, die Gespräche mit Interessenten sind auf gutem Weg." Für ihren britischen Asset Manager Jupiter hatte die Bank ihre Preisvorstellungen jedoch nicht durchsetzen können und die Verkaufspläne deshalb im August aufgegeben.

Die Aktie der Commerzbank hatte am Freitag mit knapp drei Prozent im Minus bei 7,32 ? geschlossen. Seit Jahresbeginn hat das Papier fast 60 % eingebüßt.

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