Solides Fundament stützt das Lebenswerk des Wuppertaler Familienunternehmers Jürgen Theis
Faltschachtelhersteller hat gut vorgesorgt

Sollte der deutsche Familienunternehmer einmal unter Artenschutz gestellt werden, so müsste Jürgen Theis wohl als besonders schutzwürdig eingestuft werden. Der 65-jährige Firmeninhaber aus Wuppertal verfügt über alle Attribute, die einem erfolgreichen mittelständischen Unternehmer das wirtschaftliche Überleben auch in schwierigen Zeiten sichern.

HB DÜSSELDORF. Als Hersteller von Faltschachteln für die Pharmaindustrie hat Theis, der den Familienbetrieb in der zweiten Generation führt, eine rentable Nische gefunden, die er lediglich mit einer Hand voll Mitbewerbern im Inland teilen muss. Als Lieferant von Pharmamultis wie Aventis, Bayer, Eli Lilly oder Glaxo Smithkline beteiligt er sich - im Rahmen der Möglichkeiten eines Mittelständlers - auch am internationalen Geschäft. Außer in Wuppertal und Berlin produziert Theis auch in Irland und China. Mit seiner Produktionsstätte in Peking beliefert er ausschließlich die im Reich der Mitte tätigen ausländischen Pharmakonzerne. Ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal seines Unternehmens ist die Entwicklung von fälschungssicheren Pharmaverpackungen. Ein "Muss" in einer Industrie, wo der Kampf gegen Plagiate zum täglichen Geschäft gehört.

"Früher kamen unsere Kunden aus einem Umkreis von 70 Kilometern um Wuppertal", erinnert sich Theis an die frühen 60er-Jahre, als er nach erfolgreich absolvierter Drucker-Lehre in das elterliche Unternehmen eintrat. Heute produzieren die rund 250 Mitarbeiter der Artur Theis GmbH & Co KG weltweit etwa 750 Millionen Pharmaverpackungen pro Jahr. Der Umsatz des Unternehmens soll im laufenden Jahr die 24-Mill.-Euro-Marke erreichen.

Dennoch lässt sich Firmenchef Theis, der auch Vorstandsmitglied des BDI ist, nicht leichtfertig auf internationale Abenteuer ein. "Die juristischen Fallen beispielsweise in den USA können für mittelständische Unternehmen tödlich sein", berichtet Theis, der auch ein mögliches Engagement in den östlichen EU-Beitrittsstaaten mit einer gewissen Skepsis betrachtet.

Bei einem Joint-Venture in China konnte Theis sich auf seine Erfahrung mit Geschäftspartnern in der ehemaligen DDR und anderen Comecon-Staaten verlassen. Ein identisches Buchhaltungssystem in China erlaubte dem deutschen Unternehmer eine schnelle Überprüfung der wirtschaftlichen Rahmendaten. Doch ist das Auslandsengagement auch mit einem hohen Aufwand verbunden: rund fünf Wochen pro Jahr hält sich Theis in China auf.

"Nur unter den Augen des Herrn werden die Schafe fett", betont Brun- Hagen Hennerkes, langjährigen Berater führender deutscher Familienunternehmen, die unabdingbare persönliche Kontrolle seitens des Eigentümers. "Jeder Unternehmer, der die Zukunftsfähigkeit seines Unternehmens sichern will, muss heute vier Komplexe vordringlich regeln: den Bereich der Eignerkontrolle, Maßnahmen zur Liquiditätssicherung, Regelungen zur Aufrechterhaltung des Familiencharakters und Mechanismen zur Beseitigung von Streitigkeiten unter den Gesellschaftern", formuliert Hennerkes die Ansprüche an einen modernen Gesellschaftsvertrag als "Magna Charta des Familienunternehmens".

Streitigkeiten unter den Gesellschaftern kommen allerdings bei Jürgen Theis derzeit nicht vor: Der Wuppertaler Unternehmer ist nach dem Tode seiner Eltern und der Abfindung seiner Schwester alleiniger Gesellschafter der Firma. Doch dies muss nicht lange so bleiben; denn sein Sohn Raffael soll nach Beendigung seines BWL-Studiums in Köln und einer weiteren Ausbildungsstation im Ausland in wenigen Jahren in die Geschäftsführung eintreten.

"Aber ob das wirklich so eintrifft, weiß ich heute natürlich noch nicht", gibt Theis zu bedenken. Deshalb hat er sein Haus schon jetzt gut bestellt und auch für den Fall einer plötzlichen dauerhaften Handlungsunfähigkeit seinerseits - sei es durch Unfall oder Krankheit - durch eine Vorsorgevollmacht vorgebeugt.

Darüber hinaus galt es für Theis auch, seinen letzten Willen zu formulieren. "Ein Testament zu machen ist schwer", gibt Theis zu. Sich darüber Gedanken zu machen, ob die Firma möglicherweise verkauft werden soll, Teilhaber aufgenommen werden können oder das Unternehmen unter Umständen einem familienfremden Manager in die Hand gegeben werden soll, sei für einen Mittelständler, so Theis, "ein ganz schwieriger Brocken".

Wichtige Ratschläge im Zusammenhang mit der Fortführung ihres Lebenswerkes können Familienunternehmer beispielsweise auch bei Brun-Hagen Hennerkes finden. Hennerkes hat Lösungen für viele spezifische Probleme von familiengeführten Unternehmen jetzt in seinem neuen Buch "Die Familie und ihr Unternehmen", das im Frankfurter Campus Verlag erschienen ist, mit großem Nutzwert zusammengefasst.

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