Solides Gewinnwachstum und politisches Umfeld stimmen Analysten zuversichtlich
Klima für US-Pharmaaktien bessert sich

Die Aktienkurse von US-Pharmaherstellern sind 2002 zum Teil kräftig eingebrochen, weil Patentausläufe und zu wenig neue Präparate die Gewinne bedrohten. Doch mittlerweile stufen viele Analysten die Aktien der Branche wieder positiv ein: Sie sehen vor allem bei Marktführer Pfizer und bei Wyeth Kurspotenzial.

FRANKFURT/M. Nach ungewohnt herben Kursverlusten im vergangenen Jahr bessert sich das Klima für Pharmaaktien wieder. Darauf deuten nicht nur die jüngsten Kursgewinne etlicher Werte hin. Auch Analysten schlagen besonders bei den führenden Arzneimittelherstellern in den USA wieder zuversichtlichere Töne an. Grundlage dafür ist eine Kombination aus solidem Gewinnwachstum, niedrigen Bewertungen und einem verbesserten politischen Umfeld in den USA.

Die Experten der Investmentbank UBS Warburg stufen die Perspektiven für Pharmaaktien allein schon deshalb als attraktiv ein, weil in dem momentan unsicheren Konjunkturumfeld so genannte defensive Werte gefragt seien. Pharmafirmen wachsen weitgehend unabhängig von der allgemeinen Wirtschaft und werden deswegen dieser Gruppe zugeordnet. Darüber hinaus diagnostizieren die Analysten für die Branche auch eine Trendwende: "Die Sturmwolken lichten sich", beschreibt UBS Warburg den Ausblick bei Pharmawerten für 2003. Die Bank hält es sogar für möglich, dass die Titel dieser Branche in diesem Jahr 15 % besser laufen als der gesamte S&P-Aktienindex.

Auch die Analysten von Lehman Brothers bestätigen ihre positive Einschätzung für den US-Pharmasektor. Sie gehen davon, dass der Trend eines rückläufigen Gewinnwachstums zum Stillstand gekommen ist und inzwischen sogar dreht. Für 2003 rechnen sie bei den US-Firmen im Schnitt mit einer Gewinnsteigerung um etwa 12 %. Dazu beitragen dürfte vor allem die seit einigen Wochen wieder steigende Zahl neuer Arzneien, die von der US-Gesundheitsbehörde FDA zugelassen werden.

Für die positivere Einschätzung der US-Pharmaaktien gibt es noch einen weiteren Grund: Die mögliche Reform des staatlichen Krankenversicherung in den USA wird von vielen Beobachtern inzwischen als günstig für die Arzneibranche betrachtet. Die US-Regierung plant, die Leistungen des Medicare-Programms für ältere Personen auf die Erstattung von Medikamenten auszudehnen. Die Nachfrage könnte damit in den USA zusätzlichen Schub erhalten. Allerdings gibt es auch warnende Stimmen: Morgan Stanley gibt zu bedenken, dass im Zuge der Reformen bis zu 40 % des Marktes unter staatliche Kontrollen geraten könnten. Kurzfristig könnte der Markt dadurch profitieren. Allerdings wächst damit auch das Risiko staatlicher Preiseingriffe, die das Wachstum auf Dauer bremsen könnten.

Ob die großen US-Pharmakonzerne vom erwarteten robusten Marktwachstum im eigenen Land wirklich profitieren können, hängt auch von der Zahl der Patentausläufe bei älteren Medikamenten und der Zulassung neuer Produkte ab. Bei dieser Kombination schneidet der US-Pharmagigant Pfizer nach Einschätzung vieler Analysten am besten ab: Er verfügt über ein Portfolio, das kaum von Billigkonkurrenz nach Patentausläufen bedroht wird. Pfizer ist nach dem Kauf von Pharmacia der weltgrößte Pharmakonzern. Rund 80 % der von der Finanzagentur Bloomberg beobachteten Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf. UBS Warburg gibt als Kursziel 44 $ vor.

Auch Pfizer-Konkurrent Wyeth steht in der Gunst der Banken gut da - immerhin die Hälfte der erfassten Analysten rechnen mit einer über dem Börsenschnitt liegenden Entwicklung der Wyeth-Aktie. Grund: Die Produktionsprobleme des vergangenen Jahres sind gelöst und von den bestehenden Produkten wird wieder mehr Wachstum erwartet. Die Analysten der First-Albany- Bank nennen als Kursziel für die Wyeth-Aktie 49 $. Falls auch Konkurrent Eli Lilly es schafft, die Produktionsprobleme vollständig zu lösen, sehen Analysten auch bei dieser Aktie weiteres Kurspotenzial.

Skeptischer beurteilt UBS Warburg die Anteile von Merck & Co und Bristol-Myers Squibb. Beide Pharmakonzerne sind stark von Patentausläufen betroffen und können diese Umsatzausfälle durch neue Medikamente noch nicht vollständig ausgleichen. Nur 20 % der bei Bloomberg erfassten Analysten empfiehlt Merck zum Kauf, bei Bristol-Myers sind es nur 10 %.

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