"Sommer beginnt jetzt zu laufen": Reisebranche fordert Ausbau von Flughäfen

"Sommer beginnt jetzt zu laufen"
Reisebranche fordert Ausbau von Flughäfen

Die deutsche Tourismusbranche rechnet mit einer schnellen Erholung des Reisegeschäfts und fordert deshalb den schnellen Ausbau deutscher Flughäfen mit Hilfe privater Investoren. Gemeinsam mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) plädierten die Spitzen der beiden größten europäischen Reisekonzerne Preussag und Thomas Cook am Donnerstag vor Journalisten in Berlin auch für eine Privatisierung des Betriebs der Flughäfen.

Reuters BERLIN. Die Vorstandschefs Michael Frenzel (Preussag) und Stefan Pichler (Thomas Cook) verwiesen darauf, dass die Zahl der Buchungen in der gesamten Branche seit knapp einem Monat wieder deutlich zugelegt habe.

Der Rückstand in der Wintersaison wegen der Reiseflaute nach den Anschlägen vom 11. September solle noch so weit wie möglich aufgeholt werden. "Auch der Sommer beginnt jetzt zu laufen", sagte Frenzel. Es bestätige sich die These der Reisebranche, dass auch nach der vorübergehenden Flaute Urlaub und Reisen nach wie vor einen hohen Stellenwert hätten, sagte Frenzel. Für die Wintersaison hatten die meisten Reisekonzerne für die noch laufende Wintersaison im Januar noch Einbußen von mehr als 10 % gegenüber dem Vorjahr gemeldet. Klarheit für die in der Reisebranche wichtige Sommersaison sei auf Grund der Tendenz zum späten Buchen erst nach Ostern möglich, sagten Frenzel und Pichler.

Alle Signale aus der Branche und Umfragen signalisierten aber, dass die Zahl von Privat- und Geschäftsreisen wieder zunähmen. "Die Branche kehrt wieder auf den Wachstumspfad zurück", sagte Frenzel. Doch besonders die Flugkapazitäten reichen nach Ansicht der Konzerne hierfür nicht mehr aus. Große Flughäfen wie Frankfurt oder Düsseldorf arbeiten nach BDI-Angaben bereits jetzt am Rande ihrer Kapazitäten.

Die Reisekonzerne selbst sehen sich nicht als künftige Betreiber von Flughäfen. "Das ist nicht unser Geschäft", sagten Frenzel und Pichler. BDI-Hauptgeschäftsführer Ludolf von Wartenberg wies daraufhin, dass die deutsche Industrie bereits im Ausland Flughäfen baue, wie etwa in Hongkong, und zum Teil auch betreibe, wie etwa in Athen. Nur in Deutschland sei das bisher nicht möglich.

Tourismusverband wird in BDI eingegliedert

Anlass der ersten gemeinsamen Pressekonferenz der beiden führenden deutschen Touristikmanager war die bevorstehende Integration des Bundesverbandes der Tourismuswirtschaft (BTW) in den BDI zum Jahresbeginn 2003. Die Interessen der sich wandelnden Touristikbranche müssten von der Politik stärker berücksichtigt werden, erklärte von Wartenberg. Keine Branche habe in den vergangenen Jahren so viele Arbeitsplätze geschaffen wie die Touristik, sagte Frenzel. Allerdings sind derzeit nach BDI-Angaben 80 000 Stellen im deutschen Hotel- und Gaststättengewerbe unbesetzt. Deshalb forderte der BDI in einem am Donnerstag vorgelegten Strategiepapier eine zügige Verabschiedung des Zuwanderungsgesetzes.

Frenzel und Pichler präsentierten sich nach ihren erst wenige Monate zurück liegenden öffentlichen Kontroversen über die Situation der Branche nun in demonstrativer Eintracht. Es werde keinen Preiskampf geben, versicherten beide. Wenn mit Sonderpreisen geworben werden, dann allenfalls gezielt für spezielle Zielgruppen wie Familien. "Wir verfolgen beide die gleiche Strategie", sagte Cook-Chef Pichler. Es gehe darum, die Kapazitäten kurzfristig anzupassen. Bei allen Sonderaktionen gelte für beide Konzerne, die Rentabilität im Auge zu behalten. "Wir sind nicht an Volumen, sondern an Marge und Rentabilität interessiert", ergänzte Frenzel, der als Vorsitzender des vor einem Jahr gegründeten BDI-Arbeitskreises in Kürze von Pichler abgelöst wird.

Pichler hatte die Branche im Oktober mit der Prognose aufgeschreckt, die Reisebranche müsse 2002 mit Einbußen von bis zu 15 % rechnen. Pichler begründete damit auch ein Sparprogramm und den Abbau von 2 600 Stellen. Frenzel hatte dieses Vorgehen als schädlich kritisiert und vor Panikmache gewarnt. Allerdings leitete auch Preussag Sparmaßnahmen ein, die konzernweit rund 2 200 Stellen weniger bedeuten.

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