Sommer in der Defensive
Verschnaufpause für die Deutsche Telekom

dpa BONN. Nach den milliardenschweren Zukäufen in den USA legt die Deutsche Telekom bei der Internationalisierung des Geschäfts eine Verschnaufpause ein. Kurzfristig werde sich das Unternehmen darauf konzentrieren, die "gewaltigen Wachstumsschübe effektiv und produktiv zu integrieren", sagte der Vorstandsvorsitzende Ron Sommer am Dienstag bei der Vorlage der Halbjahreszahlen in Bonn.

An der langfristigen Strategie der Globalisierung des Unternehmens werde das aber nichts ändern. Im kommenden Jahr soll der Anteil des Auslandsumsatzes der Telekom von derzeit 17 auf 25 % wachsen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die geplante Übernahme des US-Mobilfunkkonzerns Voicestream erfolgreich abgeschlossen wird. Über den Zukauf von umgerechnet mehr als 100 Mrd. DM müssen noch die Voicestream-Aktionäre und US-Aufsichtsbehörden entscheiden. Mit diesem ersten großen Schritt sei eine Plattform für das US- Engagement der Telekom gelegt worden, betonte Sommer.

Den hohen Kaufpreis für Voicestream rechtfertigte er erneut mit dem attraktiven US-Markt. "So verfügt in den USA erst jeder dritte potenzielle Mobilfunkkunde über ein Handy." In Europa liegt die Rate der Marktdurchdringung doppelt so hoch. Die Verbindung zu Voicestream sei so wertvoll, weil die Telekom hierdurch zum weltweit führenden GSM-Mobilfunkanbieter werde. GSM ist der in Europa und Asien vorherrschende Standard im Mobilfunk.

Die Mobilfunksparte der Telekom wird in den kommenden Jahren allerdings durch hohe Abschreibungen auf Firmenwerte (One2One) und UMTS-Lizenzen belastet sein. Schon im laufenden Geschäftsjahr, so Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick, werde der Bereich voraussichtlich Verluste schreiben. Die deutsche Mobilfunktochter T-Mobil (D1) erwirtschafte aber nach wie vor ein positives Ergebnis.

Im ersten Halbjahr 2000 war der Konzernüberschuss der Telekom um rund 200 Mill. auf 700 Mill. Euro geschrumpft. Als wesentliche Ursache für den Rückgang nannte Sommer die Kosten im Mobilfunk für die Gewinnung von Neukunden. Einschließlich der außerordentlichen Erlöse aus dem Verkauf der Beteiligung Global One kletterte der Überschuss aber um das Dreieinhalbfache auf 4,3 Mrd. Euro. Der Telekom-Umsatz erhöhte sich um 15 % auf 19,2 Mrd. Euro.

Hohes Wachstum beim Mobilfunk

Der Mobilfunk ist bei der Telekom nach wie vor die Sparte mit den höchstem Wachstum. In den ersten sechs Monaten habe allein T-Mobil sieben Millionen neue Kunden hinzugewonnen. Insgesamt telefonieren derzeit rund 15 Millionen Kunden über das D1-Netz. Insgesamt zählt die Telekom derzeit 23 Millionen Mobilfunkkunden, davon entfallen über 40 % auf ausländische Töchter wie die britische One2One oder max.mobil aus Österreich.

Zum Erwerb einer UMTS-Mobilfunklizenz in Deutschland habe es für die Telekom keine Alternative gegeben. Der Verzicht auf eine Lizenz hätte bedeutet, mittelfristig als Mobilfunkanbieter nur zur zweiten Garde zu gehören, betonte der Telekom-Chef. Die Konzession sei "eine Eintrittskarte zu einem Megamarkt mit fantastischen Perspektiven". Dabei erwartet der Telekom-Vorstand, dass es in Deutschland im Jahr 2010 eine Vollversorgung mit UMTS-Anschlüssen geben wird bei rund 80 Mill. Mobilfunkanschlüssen.

T-Online will Sommer als "Verlagsdach" der Telekom über alle Internet- und Inhalte-Aktivitäten ausbauen. Er bedauerte erneut das Ausscheiden des T-Online-Chefs Wolfgang Keuntje. T-Online habe eine klare Zukunftsstrategie, wies Sommer zugleich alle Spekulationen über Meinungsverschiedenheit mit Keuntje zurück. Der T-Online-Chef war am vergangenen Freitag überraschend von seinem Posten zurückgetreten und hatte hierfür persönliche Gründe angegeben.

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