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Sommer in Madrid oder wie man bei 40 Grad im Schatten arbeiten kann

Für einen Deutschen schwer verständlich. Aber nach sechs Monaten ohne richtigen Regen und ohne graue Tage sehnt sich ein germanischer Korrespondent endlich mal nach einem sonnenfreien Tag. Vor allem, wenn die Temperaturen derzeit auf 40 Grad im Schatten klettern.

Für einen Deutschen schwer verständlich. Aber nach sechs Monaten ohne richtigen Regen und ohne graue Tage sehnt sich ein germanischer Korrespondent endlich mal nach einem sonnenfreien Tag. Vor allem, wenn die Temperaturen derzeit auf 40 Grad im Schatten klettern. Wer zudem so wie ich Klimaanlagen hasst, der ist in Spanien eigentlich schlecht dran. Aber klagen, das passt einfach nicht zur Mentalität hier, dafür ist es dann doch wieder zu schön, dass man bis elf Uhr abends auf der Terrasse sitzen kann, noch spät abends in den Pool springt und von einem Grillfest zum anderen hoppt, auch in der Woche. Denn vor Mitternacht kann man bei der Hitze eh nicht schlafen.

Vielleicht liegt es auch am Tinto de verano - eine Mischung aus Fanta und Rotwein - oder an der Sangria, dass um mich herum anders als im Norden Europas grundsätzlich weniger geklagt wird, auch über das Wetter. Zumindest oberflächlich sind die Menschen stets gut drauf, lassen sich Probleme nicht anmerken. Das mag auch ein Grund dafür sein, dass die anders als in Frankreich die Hitzewelle hier auch nicht so ein grosses Problem für die alten Menschen darstellt, obwohl Sevilla und Cordoba auf Temperaturen in 50 Grad-Nähe kommen. Vielleicht liegt es am Fächer, den übrigens auch die Männer benutzen, an der Kopfbedeckung, die die Spanier stets in der prallen Sonne tragen und dem kühlen Schatten, dass hier im Sommer trotz staubtrockner Luft das Leben noch leichter und beschwingter scheint als sonst.

Es mag aber auch daran liegen, dass die Spanier wissen, wie man sich bei Hitze verhält. Natürlich setzt man sich nicht in die Mittagssonne, das kann ja nur den Touristen einfallen. Und nachmittags macht man eine Siesta, um abends solange auszuhalten, bis es wieder abkühlt und man leichter den wohlverdienten Schlaf findet. Ein Grund, warum die Büros jetzt auf intensiven Arbeitsablauf umgeschaltet haben, das bedeutet, dass von acht bis 15 Uhr pausenlos durch gearbeitet wird. Danach geht es nach Hause zum Essen, dann kommt die kleine Siesta auf der Couch oder im Bett und erst gegen 18 Uhr gehen die Spanier normalerweise ins Schwimmbad oder an den Strand, dass heisst legen sich bewusst in die Sonne. Zu abend gegessen wird erst gegen 22 Uhr. Die Kinder gehen erst danach ins Bett. In Deutschland undenkbar. Hier Teil einer Lebensfreude, von der keine Generation ausgeschlossen wird.

Wenn ich es so recht betrachte, ist dem deutschen Regenwetter eigentlich tatsächlich nichts wirklich Positives abzugewinnen. Aber natürlich muss man als Ausländer sich hier ab und an mal beschweren, um die Spanier in ihrem grossen Patriotismus - in ihrem Land isst und lebt man am besten, wer will schon in Deutschland sein - zu stoppen. Das mag auch daran liegen, dass man nach fünf Jahren im Ausland immer patriotischer wird. Viva Alemania!

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