Sommer-Nachfolge
Widerstand gegen Tenzer im Telekom-Vorstand

Im Vorstand der Deutschen Telekom gibt es einem Zeitungsbericht zufolge scharfen Widerstand gegen eine Berufung von Technik-Vorstand Gerd Tenzer zum Nachfolger des angeschlagenen Telekom-Chefs Ron Sommer. Auch Oppositionspolitiker bekräftigten ihre Kritik am Vorgehen der Bundesregierung bei dem Ringen um eine Ablösung Sommers.

Reuters HAMBURG. "Es gibt eine Front gegen ihn" zitierte die "Financial Times Deutschland" aus Vorstandskreisen. Mehrere Vorstände hätten sich gegen die Berufung Tenzers gewandt. Aus informierten Kreise hatte Reuters am Wochenende erfahren, dass Tenzer mit Unterstützung des Bundes als Großaktionär bei einer Aufsichtsratssitzung am Dienstag zum Nachfolger Sommers gemacht werden solle. Der Widerstand im Vorstand erschwere dieses Vorhaben der Bundesregierung allerdings, berichtete die FTD.

In der "Bild"-Zeitung vom Montag hieß es unterdessen, US-Aktionäre der Telekom prüften, wegen der Nachfolgedebatte rechtlich gegen die Bundesregierung vorzugehen. Möglicherweise habe der Bund einen "unbotmäßigen" Einfluss auf einzelne Aufsichtsratsmitglieder ausgeübt. In diesem Falle müsse die Regierung mit "hohen Schadenersatzforderungen" rechnen, hieß es in der Zeitung. Eine Regierungssprecherin sagte dazu, die Bundesregierung werde die angeblichen Erwägungen der US-Aktionäre in diesem Stadium nicht kommentieren.

Die FTD berichtete ohne Angaben von Quellen weiter, den Gegnern von Sommer wollten die Anhänger des Telekom-Chefs nun einen Kompromiss vorschlagen. Sommer solle zunächst Vorstandschef bleiben, aber nach einer "Schamfrist" in den Aufsichtsrat wechseln. In der Zwischenzeit solle ein geeigneter Nachfolger gesucht werden. Allerdings entscheiden allein die 20 Mitglieder des Aufsichtsrates über die Berufung von Vorstandsmitgliedern.

Am Wochenende hatte bereits Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick erklären lassen, er stehe für eine Doppelspitze mit Tenzer nicht zur Verfügung. Erst am Donnerstag hatte sich der komplette Vorstand noch geschlossen hinter Sommer gestellt. Die "FTD" berichtete weiter, aus der Umgebung des Aufsichtsrates sei zu hören, dass einige Aufsichtsräte eher zurücktreten würden, als sich gegen Sommer zu stellen.

CDU-Chefin Angela Merkel sagte der "Süddeutschen Zeitung", Kanzler Gerhard Schröder (SPD) erwecke den fatalen Eindruck einer stümperhaften Einflussnahme der Bundesregierung und des Bundeskanzlers auf dem Rücken der Kleinaktionäre. Mit einem solchen Verhalten füge der unter massivem politischen Druck stehende Schröder dem Unternehmen und dem Standort Deutschland schweren Schaden zu, sagte Merkel.

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