Sommer-Nachfolger soll feststehen
T-Aktie wird (trotzdem) empfohlen

Trotz der anhaltenden Unsicherheit über die künftige Führung haben neue Unternehmenszahlen zu Kaufempfehlungen für die Deutsche Telekom AG geführt. Mehrere Analysten stuften die T-Aktie am Freitag herauf und hoben teils auch das Kursziel an, da der Konzern über den Erwartungen liegende Quartalszahlen präsentiert habe.

vwd DÜSSELDORF. Ein Mitglied des Aufsichtsrates bestätigte derweil offen, dass der Bund den Vorstandsvorsitzenden Ron Sommer tatsächlich ablösen wolle. In gut unterrichteten Kreisen wurde vwd gesagt, der Kandidat für die Nachfolge stehe fest. Es sei aber nicht zu erwarten, dass er vor der Aufsichtsratssitzung am Dienstag präsentiert werde.

Dresdner Bank, WestLB und WGZ-Bank empfahlen die T-Aktie praktisch zum Kauf. Die Einstufungen wurden auf Add (Hold), Outperform (Neutral) und Accumulate (Reduce) verbessert. Die WestLB hob das Kursziel um einen auf 15 EUR an. Die Festnetz- und die Mobilfunksäule sowie hier die US-Tochter VoiceStream hätten sich überraschend gut entwickelt, erläuterte die Düsseldorfer Bank. Die Dresdner Bank erklärte, nun werde eine Ablösung Sommers wieder unwahrscheinlicher, und hält einen Aktienkurs von zwölf EUR bzw 14 EUR bei weiteren positiven Nachrichten von VoiceStream für gerechtfertigt. Die WGZ-Bank nannte einen Preis von 16 EUR.

Bis Freitagnachmittag legte das Papier um rund vier Prozent auf etwa zwölf EUR zu. Die Telekom hatte tags zuvor überraschend ausgewählte Zahlen zum zweiten Quartal veröffentlicht. In Bonn hieß es, damit solle Stimmen entgegengetreten werden, die den Konzern im Zuge der Sommer-Diskussion quasi zum Sanierungsfall abstempelten.

Am Freitag wurde in Unternehmenskreisen bekräftigt, dass der Vorstand komplett hinter der bisherigen Strategie und hinter dem Vorsitzenden stehe. Dass ein hausinterner Nachfolger für Sommer geplant sei, wie es laut Fernsehen die Arbeitnehmer bevorzugten, werde als unwahrscheinlich erachtet, hieß es.

In den Kreisen wurde unter anderem darauf hingewiesen, das der hauptsächlich ins Spiel gebrachte Vorstand Gerd Tenzer bereits in einem ähnlichen Spekulationsumfeld anlässlich der Bundestagswahl vor vier Jahren klargestellt habe, keine Ambitionen auf den Vorstandsvorsitz zu haben. Von den Vorständen fühle sich aber niemand genötigt, selbst Stellung zu beziehen, solange sein Name nicht offiziell genannt werde. Der Verzicht auf ein Dementi bedeute wiederum keineswegs, dass es einen Nachfolgevorschlag oder gar die Zustimmung dafür gebe, wurde in den Unternehmenskreisen betont.

Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Telekom, Rüdiger Schulze vom Bundesvorstand der Gewerkschaft ver.di, hatte in einem Fernsehinterview gesagt, er könne sich eine interne Besetzungen aus dem Vorstand vorstellen. Zugleich bestätigte er, dass der Bund als Großaktionär die Ablösung Sommers betreibe. An diesen Bestrebungen übte Schulze Kritik: Er sehe in der gegenwärtige Lage keine Veranlassung, "die Telekom in eine völlig neue Situation zu stecken". Sommer hätten bislang keine schuldhaften Versäumnisse nachgewiesen werden können.

Angebliche externe Nachfolgekandidaten, deren Namen immer wieder fielen, dementierten entschieden. Michael Frenzel (TUI) und Gerhard Cromme (ThyssenKrupp) ließen erklären, sie stünden für den Posten nicht zu Verfügung. Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte in Hannover, es sei allein Aufgabe des Aufsichtsrates, Entscheidungen über einen möglichen Nachfolger für Sommer zu treffen. In dem Gremium müsse geklärt werden, ob der Vorstandsvorsitzende noch das Vertrauen der Kontrolleure habe.

In mit der Angelegenheit eng vertrauten Kreisen hieß es jedoch, der Aufsichtsrat habe sich bereits auf einen Kandidaten verständigt. "Der Nachfolger steht schon fest", wurde vwd gesagt. Damit sei klar, dass Sommer gehen müsse. Auch in Aufsichtsratskreisen hieß es, mit der Nominierung des neuen Konzernlenkers sei nicht vor Dienstag zu rechnen, wenn der Aufsichtsrat zusammentritt. Nach Informationen von vwd berät das Gremium ab 15.00 Uhr in Bonn, auf der Agenda stehen Personalfragen und die Lage des Unternehmens.

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