Sommer: "Wir haben keine Akquisitionen vor"
Telekom nicht auf Einkaufstour

Die Deutsche Telekom AG wird die Internationalisierung zunächst nicht weiter betreiben. Telekom-Chef Ron Sommer will zunächst die Zukäufe der vergangenen zwei Jahre integrieren und den Konzern wieder auf Profitablität ausrichten. Sommer rechnet zudem nicht mit einer schnellen Marktbreinigung der Telekombranche.

HB BERLIN. Alle Gerüchte über mögliche Unternehmenskäufe der Deutschen Telekom AG hat jetzt deren Vorstandsvorsitzender Ron Sommer dementiert. "Wir haben keine Akquisitionen vor", sagte er im Handelsblatt-Gespräch. Mit dem Kauf des US-Mobilfunkers Voicestream habe die Telekom die Expansion in neue Märkte zunächst abgeschlossen. Die Zukäufe müssten nun integriert werden. Immer neue Akquisitionen könnten ein Unternehmen irgendwann auch überfordern.

Die Telekom wird sich daher "definitiv nicht" an der französischen Ausschreibung von zwei weiteren UMTS-Lizenzen beteiligen, auch wenn die Regierung in Paris gerade die Lizenzkosten deutlich gesenkt hat. "Warum sollten wir jetzt nach Frankreich gehen?" fragt Sommer. Die Telekom habe kein Interesse daran, in anderen Ländern ohne eigene Mobilfunkkunden ein UMTS-Netz aufzubauen.

Die weit verbreitete Meinung, dass nach dem Börsencrash jetzt viele Telekomunternehmen in Europa billig zu haben seien, teilt Sommer nicht. "Viele Assets, die heute billig scheinen, werden in ein bis zwei Jahren noch billiger sein", meint er. Bis dahin werde sich der Aktienkurs der Telekom erholt haben, hofft Sommer. Eine Einkaufstour mit Aktienwährung werde dann wesentlich lohnender für die Telekom sein als heute. Sommer ist überzeugt, dass die Konsolidierung der unter einbrechenden Kursen und Gewinnen leidenden Telekombranche keine Sache von zwei Jahren sei, sondern wahrscheinlich zehn Jahre dauern werde.

Sommer ist nach wie vor davon überzeugt, dass es richtig war, die Telekom mit Beginn der Liberalisierung völlig umzubauen und zu internationalisieren. Seit dem Ende des New-Econmy-Booms kritisieren viele Analysten auch die Telekom dafür, dass die Akquisitionen die Schulden in die Höhe getrieben haben und viele Beteiligungen nicht profitabel arbeiten. "Sie können ein Unternehmen nicht nach der gerade aktuellen Mode führen", meint Sommer. Dass etwa die Internationalisierung von T-Online heute von Analysten als Fehlschlag bezeichnet wird, ist für Sommer kein Grund, die Auslandsbeteiligungen Club Internet/Frankreich oder Ya.com/Spanien wieder zu verkaufen. "Im Online-Markt gibt es zwei wichtige Unternehmen, AOL und T-Online. Beide sind im Heimatmarkt sehr erfolgreich, und außerhalb eher im Aufbau", sagt Sommer. Man brauche dafür einen langen Atem.

Wenn die Telekom so konservativ denken würde, wie es heute wieder gefragt sei, dann hätte sie sich auf Deutschland beschränken müssen. "Dann hätten wir das Unternehmen national aufpäppeln und möglichst teuer verkaufen müssen", meint Sommer. Stattdessen sei die Telekom heute in den vier Geschäftsfeldern Festnetz, Mobilfunk, Online und Datenkommunikation ein Wachstumskonzern und bei Innovationen führend. Die Verlustbringer will Sommer in drei Schritten in die Gewinnzone führen: In der ersten Phase müssen sie ein positives Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen erreichen. Dieses Ziel werde Voicestream nächstes Jahr erreichen. In zwei Jahren soll das US-Unternehmen den zweiten Schritt schaffen, einen positiven Cashflow zu erzielen. Die dritte Phase sei erreicht, wenn, wie bei der deutschen T-Mobil, Gewinne nach Steuern erzielt werden.

Der Mobilfunk ist die wichtigste Sparte für den Konzern: Dort habe die Telekom am meisten investiert, Milliarden für Akquisitionen und UMTS-Lizenzen gezahlt. Zwei Drittel der knapp 70 Mrd. Euro fallen auf den Mobilfunk. Entsprechend aufwändig ist die Integration in die T International-Mobile AG, die nach einer Erholung der Finanzmärkte an die Börse gehen soll. Bisher steht noch nicht fest, wieviel Verbindlichkeiten dann bei T-Mobile bleiben.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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